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Studio Hamburg will Koop mit Spiegel TV

Deutschlands zweitgrößter TV-Produzent Studio Hamburg setzt 2010 auf Expansion. Nachdem das Unternehmen das Geschäftsjahr 2009 mit einem Gewinn von 6,2 Millionen Euro erfolgreich gegen den Branchentrend abgeschlossen hat, will Vorstandschef Martin Willich mit Kooperationen das Geschäftsfeld erweitern. Gemeinsam mit Stefan Austs Agenda Media oder der Kölner Conradfilm soll die Produktion ausgebaut werden. Zudem ist in der HafenCity ein neuer Standort geplant, wo man mit Spiegel TV kooperieren will.

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Das positive Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres geht vor allem auf erfolgreiche Akquisitionen guter Stoffe zurück. "Die Volumina der Produktionen sind 2009 wider erwarten nicht zurückgegangen", erklärte Willich bei einem Mediengespräch in Hamburg. Dies schlug vor allem ab dem dritten Quartal zu Buche. Der vorläufige Gewinn in Höhe von 6,2 Millionen Euro bei einer Gesamtleistung von etwa 280 Millionen Euro lag rund 50 Prozent über den Erwartungen.
Trotz der ordentlichen Zahlen tritt Willich auf die Euphoriebremse. "2010 wird ein schwieriges Jahr, wir erwarten ein ordentliches Ergebnis und wollen die Prognosen erfüllen", so der Vorsitzende der Geschäftsführung. "Die Einnahmen im Segment Atelier & Technik werden wohl wieder steigen, bei der Produktion ist die positive Entwicklung vorerst ausgereizt." Zwei Drittel der Umsätze werden durch die Produktion erbracht, ein Drittel durch die inzwischen unter einem Dach vereinten Bereiche Atelier & Technik und Consulting.
Beide Standorte, Hamburg und Berlin, schreiben schwarze Zahlen. Dennoch ist Hamburg das Sorgenkind des Unternehmens. In der Elb-Metropole gibt es neben dem NDR kaum Auftraggeber für Produktionen. In Berlin sei die Auftragslage unterschiedlicher Partner deutlich größer. Zudem werden an der Spree die technischen Dienstleistungen durch öffentliche Gelder subventioniert – ein Grund, warum zum Beispiel die Ü-Wagen-Flotte des Unternehmens in Berlin stationiert ist.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt das Unternehmen in Hamburg zunehmend auf die Produktion von Werbefilmen. Der Bereich Atelier hat dort neue Werbekunden gewonnen, zum Beispiel Bosch, Ferrero und Deichmann. Daneben werden regelmäßig Formate wie "Beckmann", "Britt" und diverse NDR-Quizformate am Standort Hamburg Tonndorf produziert.
Trotz sinkender Werbeeinnahmen und wachsendem Margendruck gab es gerade im vierten Quartal einen Auftragsschub. Dabei setzt Studio Hamburg vor allem auf lang laufende Serien wie "Rote Rosen" oder "Großstadtrevier", die meist ab der dritten Staffel ordentliche Gewinne abwerfen würden.
Demgegenüber ist aber gerade der non-fiktionale Bereich enorm gewachsen. Um diesem Segment zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen, wird der hierfür zuständige Unternehmensteil noch in diesem Jahr in einer 100-prozentigen Tochter ausgegliedert. Einen Namen für das neue Unternehmen gibt es noch nicht.
Positiv sei auch die Entwicklung der Liquidität, die sich seit 2007 um über 25 Millionen Euro verbessert hat. Die Kriegskasse ist offenbar prall gefüllt. "Wir könnten in der Branche nahezu jede Akquisition tätigen", sagte Willich selbstbewusst. Es werde 2010 nach fünf Jahren erstmals auch wieder eine Ausschüttung an die Gesellschafter geben.
Der Ausblick auf das Jahr 2010 fällt trotz gebremster Euphorie positiv aus. Kooperationen  mit Stefan Austs Agenda Media, der schweizerischen C-Films, den britischen Pinewood-Studios oder der jetzt bekannt gegebenen Kölner Produktionsfirma Conradfilm sollen Synergie-Effekte nutzen und die Produktion von Kino- und TV-Formaten weiter ausbauen.
Daneben liebäugelt Vorstandschef Willich mit einem weiteren Studio an Hamburgs neuem Premium-Standort, der HafenCity. Möglich sei sogar eine Zusammenarbeit mit Spiegel TV, das in diesem Jahr neue Räumlichkeiten in dem Komplex beziehen wird. Wie diese Kooperation aussehen kann, ist noch unklar. Gespräche mit der Spiegel-Gruppe sollen demnächst aufgenommen werden. 

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