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Storz bekräftigt Kritik an dpa-Berichten

Die Debatte über die Qualität der dpa-Berichterstattung in der Finanzkrise geht weiter: Wolfgang Storz, Autor der Otto-Brenner-Studie, bekräftigte gegenüber MEEDIA seine Kritik an der Leistung der dpa. Die Chefredaktion der Agentur hatte am Montagabend eine Stellungnahme zu der Studie veröffentlicht, in der sie die Ergebnisse der Autoren Storz und Arlt als "falsch" und "irreführend" bezeichnete. "Wir haben das Kern-Angebot der dpa untersucht, dort kondensiert die Agenturarbeit", erklärt Storz das Vorgehen.

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Die dpa wirft der Studie vor, weder Korrespondentenberichte noch dpa-Gespräche, Hintergründe oder Chronologien in ihrer Erhebung berücksichtigt zu haben. Diese seien dafür da, komplexe Sachverhalte einzuordnen und eine Orientierung zu bieten.  Es sei demnach kein Wunder, dass die Studie zu einem schlechten Ergebnis komme. "Wer aber die Erklärstücke nicht zur Kenntnis nimmt, sollte auch nicht deren Mangel beklagen", so die dpa-Chefredaktion.
Autor Storz zeigt Verständnis für die Reaktion der Deutschen Presseagentur. "Unsere Studie steht natürlich zur Disposition", sagt der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. "Wir haben allerdings nie behauptet, dass eine Vollerhebung durchgeführt wurde. Unsere Studie beinhaltet qualitative Probebohrungen."
Dies gehe eindeutig aus der Studie hervor. Insofern sei der Einwurf der dpa, was die Auswahl der untersuchten dpa-Produkte angeht, korrekt. Von den Ergebnissen der Otto-Brenner-Studie rücke Storz allerdings nicht ab. Diese sei stichhaltig und wissenschaftlich korrekt. Vor dem Hintergrund dieses Wissens "muss jeder Leser für sich selber entscheiden, welche Bedeutung er diesen Ergebnissen beimisst", erklärt der Autor.
Storz und Arlt untersuchten vor allem die Tageszusammenfassungen der Agentur zu 16 ausgewählten Ereignissen der Finanzmarktkrise. Das Ergebnis: "Es werden selten, wenn, dann nur sehr unzureichend Zusammenhänge hergestellt und Ereignisse erläutert – etwa die Darlegung von Motiven, Wirkungen, Interessen, die hinter Ereignissen und Entscheidungen stehen. Werden dpa-Meldungen in den Medien selbst unbearbeitet abgedruckt oder verlesen, was bei regionalen und lokalen Medien die Regel ist, dann ist davon auszugehen, dass das ’normale‘ Publikum die Informationen nicht versteht und kaum einordnen kann."
Ein weiterer Vorwurf der dpa-Chefredaktion bezieht sich auf die Auswahl der 16 Ereignisse, die willkürlich sei. Dies weist Storz gegenüber MEEDIA ausdrücklich zurück. "Unsere Auswahl ist sehr wohl begründet und bezieht sich auf bedeutende finanzmarktpolitische Ereignisse, etwa den EU-Gipfel in Brüssel oder den Vorstoß Barack Obamas zu Regulierung des Finanzmarktes.
Dennoch werde Storz die Einwürfe der dpa "zur Kenntnis nehmen". Er freue sich auf die Debatte über Qualitätsjournalismus, die durch die Veröffentlichung der Studie losgetreten wurde. "Uns ist wichtig, dass die Ergebnisse unserer Untersuchung nicht als Vorwürfe gewertet werden, sondern dass jetzt ein längst überfälliger Diskurs über die Produktionsbedingungen bei Qualitätsmedien stattfindet", erklärt Storz.
In der Studie kommen zudem "Tagesschau" und "Tagesthemen" in Bezug auf ihre Finanzberichterstattung schlecht weg. Bislang war bei der ARD aktuell-Redaktion niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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