Xing: der große App-Flop

Dicke Ankündigung, bescheidener Erfolg: Im Juli 2009 verkündete CEO Stefan Groß-Selbeck, dass sich Xing als erstes großes deutsches Network für externe Entwickler öffnen würde. Zum Start präsentierten die Hamburger 16 Applikationen von 13 Partnern wie Springer oder SZ. Seit dem viel beachteten Start kamen nur drei neue Programme dazu. Die Hamburger verspielten ihren kompletten Vorsprung. Selbst Holtzbrincks StudiVZ hat mittlerweile hat fast drei Mal so viele externe Mini-Angebote wie Xing.

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Seit Jahren gelten die Applilkationen, als einer der größten Vorteile von Facebook. Das US-Network öffnete bereits 2007 seine Plattform für externe Entwickler. Mittlerweile gibt es über 500.000 Angebote, die sich bequem in das eigene Profil integrieren lassen. Zudem ist um die Zusatzprogramme längst eine eigene Mikro-Ökonomie entstanden. Einige Angebote sind längst Multi-Millionen Erfolge. Bestes Beispiel ist das App-Spiel FarmVille von Zynga. Im Januar kam das Game auf 74 Millionen aktive Nutzer. Die Entwicklerschmiede schreibt längst Millionenumsätze und bereitet ihren Börsengang vor.

Diese Entwicklung haben die deutschen Networks längst verschlafen. Die einzige Chance, den Vorsprung von Facebook im Bereich der Apps einzudämmen, lag darin auf den gemeinsamen Open Social-Standard zu setzten. Die Idee: Ein Entwickler baut sein Zusatzprogramm nur einmal und kann es dann bequem bei Xing, StudiVZ & Co. einbinden. So simple das Konzept, so kompliziert scheint die Umsetzung.

Als Grund für den mehr als schleppenden Erfolg der Open Social-Strategie nennt Christian Burtchen, Technical Editor Corporate Blogging, dass man gerade auf  OpenSocial 0.9 umstelle und dass Xing "bewusst vergleichsweise strenge Regularien für unsere OpenSocial-Umgebung" aufstellt. Insbesondere beim "Datenschutz und der Datenverarbeitung" haben die Hamburger offenbar besonders strenge Regeln.

Burtchen nennt noch ein zweites Argument, warum innerhalb von acht Monaten gerade einmal drei weitere Apps auf die Plattform geschoben wurden: "Die Anzahl der Anwendungen ist nicht entscheidend, sondern der Mehrwert, den sie für unsere Mitglieder ergeben. Terminplanung, Datenaustausch, Projektmanagement, Web-Meetings, Mindmapping, das sind Anwendungsbeispiele mit echtem Business-Bezug."

Die beliebteste Applikation des Businessnetzwerkes sind die drei hauseigenen Entwicklungen "Xing-Mitglieder Fragen", "Twitter Buzz" und "Xing News". Die beliebteste externe App kommt von Welt Online. Genau Zahlen nennt Burtchen nicht: "Wir haben insgesamt mehrere hunderttausend Installationen."

Für eine Plattform mit 8,3 Millionen Mitgliedern sind das enttäuschende Zahlen. Zum Vergleich: Die VZ-Netzwerke launchten Anfang Dezember ihre Open Social-Initiative. Zum Start gab es lediglich neun Anwendungen. Mittlerweile sind es 55 externe Programme. Die 16 Millionen Mitglieder der drei Plattformen (StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ) installierten bereits  6,2 Millionen Apps . Die erfolgreichste VZ-Applikation ist Brain Buddies mit rund 1,78 Millionen Installationen. Die beliebteste VZ-App hat demnach mehr Nutzer als alle Xing-Angebote zusammen.

Für die VZ-Netzwerke gilt aber dasselbe wie für Xing: Gegen Facebook haben sie im Zukunftsmarkt der Zusatzprogramme längst keine Chance mehr. Neben der halben Million Applikationen beeindrucken die US-Amerikaner mit weiteren Superlativen: 70 Prozent ihrer Mitglieder nutzen mindestens eine App und insgesamt gibt es über 250 Zusatzprogramme, die mehr als eine Million Nutzer haben.
 
Dass sich das von Xing groß angekündigte App-Programm bislang als Mitläufer, statt eines technischen Schrittmachers darstellt, muss auch Burtchen zugeben: "Wir möchten definitiv daran arbeiten, den Nutzwert und die Sichtbarkeit der Applikationen zu erhöhen, damit unsere Mitglieder noch mehr davon profitieren."

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