Presserat spricht zwölf Rügen aus

Der Deutsche Presserat hat während seiner aktuellen Tagung insgesamt zwölf Rügen ausgesprochen. Unter anderem erhielt Titanic-Online eine öffentliche Rüge wegen der Berichterstattung zum Enke-Tod.

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Titanic Online hatte zum Tod von Enke mehrere Cartoons gezeigt. Eins davon zeigte das Foto eines Lokführers unter der Überschrift "Jetzt meldet sich der Zugführer zu Wort". Zitiert wurde dieser dann mit den Worten: "Ich habe Enke überlistet!" Der Presserat konnte in der Satire keinen sachlichen Kern erkennen und werte die Bildgeschichte als Verstoß der Menschenwürde (Ziffer 1 des Pressekodex).
Zwei Rügen erhielt Bild-Online. Das Portal hatte Fotos eines ermordeten Mädchens nach Ende der Fahndung noch einmal veröffentlicht. Der Presserat sah darin die Persönlichkeitsrechte des Mädchens verletzt (Ziffer 8) und bewertete die Berichterstattung als unangemessen sensationell (Ziffer 11). In einem ähnlichen Fall, in der Bild-Online gegen Richtlinie 8.4 verstieß, wurde ebenfalls eine Rüge ausgesprochen.

Express-Online erteilte der Presserat ebenfalls eine Rüge. Auch hier ging es, wie bei Bild-Online, um eine unangemessen sensationelle Berichterstattung. Dem gedruckten Blatt, dem Kölner Express, wurde ebenfalls eine öffentliche Rüge ausgesprochen, "da die Zeitung fehlerhaft und ehrverletzend über einen Geistlichen berichtet hatte, dem man ein Dienstvergehen vorwarf." Auch hier lag laut Presserat u. a. ein Verstoß gegen das Wahrhaftigkeits- und Sorgfaltspflichtgebot vor.

Weitere öffentliche Rügen gingen an Gong, Gesunde Medizin, TV 14 und Bravo wegen des in Ziffer 7 des Pressekodex festgehaltenen Grundsatz der "klaren Trennung von Redaktion und Werbung.

Nicht-öffentliche Rügen gingen an:

– Die Mittelbayerische Zeitung wegen des Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte einer jungen Frau, die in der Rubrik "Zurückgeblättert – Vor 30 Jahren" namentlich genannt worden war, weil sie sich seinerzeit wegen einer Straftat verantworten musste, die im vermeintlichen Umfeld der RAF begangen worden waren. Einwand des Presserates: "An der Namensnennung besteht aktuell kein öffentliches Interesse. Außerdem ist es der Zeitung anzulasten, dass sie über den Ausgang des Strafverfahrens nicht berichtet hat. Dadurch ist eine besondere Prangerwirkung entstanden."

– Die B.Z.-Online wegen des Verstoßes gegen die Persönlichkeitsrechte eines tatverdächtigen jungen Mannes, dem vorgeworfen wurde, Autos angezündet zu haben. Bebildert war der Artikel mit einer Fotostrecke über die Festnahme. Der Tatverdächtige wurde ungepixelt gezeigt. Der Presserat erkannte in der Berichterstattung "kein öffentliches Interesse an der identifizierenden Berichterstattung".

– Die Bad Sodener Zeitung wegen des Verstoßes gegen den Schutz der Ehre (Ziffer 9) von Personen. Die Zeitung hatte Auszüge eines Leserbriefes veröffentlicht, die ehrverletzende Anschuldigungen gegenüber einem Mann enthielt. Weiter hieß es: "Zudem ist es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 Pressekodex nicht vereinbar, Leserbriefe ohne Verfasserangabe zu veröffentlichen. Mit der von der Zeitung gewählten Praxis wurde daher auch gegen Richtlinie 2.6 Absatz 3 verstoßen."

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