Der perfide Charme der Heidi Klum

Die neue Staffel von "Germany's next Topmodel" mit Heidi Klum ist gestartet und bei ProSieben dürfte ein kollektives Aufatmen stattfinden. Endlich wieder Heidi. Endlich wieder pickepackevolle Werbepausen, endlich wieder Topmodels. Das ProSieben-Erfolgsformat bietet perfide Unterhaltung. Teenies und Freunde des TV-Zynismus werden von Frau Klum und ihren beiden neuen Büchsenspannern auf das Professionellste bedient. Die Show dürfte nach ein paar Folgen wieder richtig Fahrt aufnehmen.

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Es gab eigentlich gar nichts Neues bei dieser Auftaktshow von "Germany’s next Topmodel". Mädchen kreischten, rannten und staksten, Heidi Klum guckte und wiegte den Kopf. Die beiden Männchen links und rechts von ihr, einer nennt sich tatsächlich Q, baut aber offenbar keine Autos mit Raketenwerfen, waren treue Vasallen ihrer Chefin ("Heidi, hier muss ich dir zustimmen.").

Dabei ist die Show samt ihrem Aushängeschild Heidi Klum gar nicht so durchgängig menschenverachtend, wie es auf den ersten Blick scheint. Es gehört mittlerweile fast zum guten Ton, Heidi Klum als grinsenden Mode-Feldwebel zu charakterisieren. Die böse Frau, die junge Dinger zerbricht und vor einem feixenden Millionenpublikum entsorgt. Aber die Jury zeigte hier und da sogar mehr Feingefühl und Freundlichkeit als beispielsweise "DSDS"-Scharfrichter Dieter Bohlen oder die nur vordergründig liebe Inka Bause bei den Zyniker-Festspielen von "Bauer sucht Frau".

Eine Kandidatin, die bizarrerweise mit Beinschiene in eine Modelkarriere starten wollte, wurde freundlich aber bestimmt wieder nach Hause komplimentiert. Bei "DSDS" hätten die die verwirrte junge Frau womöglich noch ein paar Folgen über die Bühne humpeln lassen, bevor sie aussortiert wird. Wegen des "Schicksalsfaktors".

Und ein dickes Teeniemädchen wurde ohne hämischen Kommentar wieder weggeschickt, als es gestand, nur wegen der Freundin mitzumachen. Aber natürlich war auch das alles eine Masche und natürlich war die Sendung der erwartbare Hysterie-Gipfel. Die amorphe Mädchenmasse kreischte bis zum Hörsturz. Es gab reihenweise einstudiert wirkende Auftritte, wie die Stuntfrau, die angebliche Miss Russland oder die beiden "besten Freundinnen", die natürlich beide in der nächsten Runde weiter dabei sind. Das war vielleicht noch der schmierigste Einfall der Macher, dass die die Szenen der Zuneigung zwischen den beiden Mädchen mit sexuell doppeldeutigen Off-Texten unterlegten. Fehlt nur noch, dass die Regie eine David-Hamilton-Gedächtnislinse auf die Kamera schrauben lässt und die beiden jungen Dinger im "Zärtliche Cousinen"-Stil abfilmt.

Man wird sehen. Die Show entfaltet ihren perfiden Charme ohnehin erst nach der Auftaktsendung, wenn die Beziehungsgeflechte zwischen den Kandidatinnen deutlicher zutage treten. Die erste Folge interessiert die Fans der Reihe eher weniger, so dass zahlreiche junge Zuschauer diesmal offenbar zu der Echo-Verleihung in der ARD rübergeschaltet haben. 2,32 Mio. 14-bis 49-Jährige und ein Marktanteil von 18 Prozent in der Zielgruppe sind zwar ein guter Wert, aber weniger als die vorigen Staffelstarts gebracht haben.

Bei ProSieben müssen sie sich trotzdem keine Sorgen machen. Die Show ist über-professionell produziert und die Model-Aspirantinnen sind willenlos wie eh und jeh. Wie drückte es eine Teilnehmerin aus: "Ich würde alles tun. Außer vielleicht lebende Tiere essen." Die junge Frau muss keine Angst haben, das wäre dann eine anderes Format.

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