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Ebeling: „Das Glas ist halb voll“

Thomas Ebeling, Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Group, hat durchwachsene Zahlen für 2009 vorgelegt: der Umsatz sinkt, die Erlöse steigen leicht. Nach dem Katastrophenjahr 2008 mit roten Zahlen ist ein Konzernergebnis von 144,5 Mio. Euro schon ein deutlicher Fortschritt. Eine Top-Personalie gab es auch. Marcus Englert verlässt die Gruppe Ende April. Neuer New-Media-Vorstand wird der Brite Dan Marks. Im Vergleich zu Print stehe das TV-Geschäft noch gut da: "Das Glas ist für mich eher halb voll als halb leer."

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Prnt-Medien werden laut Einschätzung von Ebeling weiter an Boden verlieren, während das TV-Geschäft eine Renaissance erleben werde, sagte der TV-Manager. "Wir werden auch künftig Werbung brauchen, um Produkte zu verkaufen", so Ebeling, diese Werbung sieht er, nicht ganz uneigennützig, vorrangig im Fernsehen gut aufgehoben
Die Zahlen des Konzerns für das abgelaufene Jahr sind zwar durchwachsen, aber das ist gegenüber der Katastrophen-Bilanz von 2008 schon ein deutlicher Fortschritt. Besonders froh dürfte der in der Öffentlichkeit viel kritisierte P7S1-Chef Thomas Ebeling sein, dass Gewinn und EBITDA wieder steigen. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg im vergangenen Jahr von 618 auf 623 Mio. Euro. Nicht viel, aber immerhin. Der Umsatz geht freilich weiter zurück. Die Erlöse fielen von rund drei auf 2,76 Mrd. Euro. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Zuwächse auf der Ergebnisseite vor allem durchs Sparen zustande kommen. So gelang es der Gruppe u.a. durch den Umzug von Sat.1 von Berlin nach Unterföhring, die operativen Kosten um fast zehn Prozent zu drücken. Auch die immensen Finanzschulden des TV-Konzerns konnten 2009 reduziert werden, wenn auch nur in homöopathischer Dosis. Die Schulden sanken um 112 Mio Euro auf immer noch beachtliche 3,295 Mrd. Euro.

Im vierten Quartal 2009 gelang es P7S1 allerdings den Konzernumsatz leicht zu steigern. Vor allem Dank des Kerngeschäfts im deutschen Free-TV. Sat.1, ProSieben, kabeleins und N24 legten bei den Erlösen im 4. Quartal um fast fünf Prozent zu. Konzernweit wuchsen die Erlöse in diesem Zeitraum um 1,8 Prozent.

Die aktuellen Zahlen sind ein Hoffnungsschimmer für die gebeutelte ProSiebenSat.1 Group. Die großen Probleme bleiben aber. Das Image der Gruppe ist nach den bisweilen ungeschickten Äußerungen von Vorstandschef Ebeling zu einem eventuell anstehenden N24-Verkauf und der Bedeutung von TV-Nachrichten generell nicht das beste. Sat.1 als zweiter Hauptsender neben ProSieben hat nach wie vor massive Schwierigkeiten mit der Akzeptanz beim Zuschauer. Neuverpflichtungen wie Johannes B. Kerner und Oliver Pocher bringen nicht den gewünschten Quoten-Erfolg und mit Free-TV-Vorstand Andreas Bartl hat der Sender mittlerweile sogar einen Not-Geschäftsführer.

Die Prognosen des Konzerns für 2010 sind dementsprechend eher nüchtern als euphorisch. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften sich weiter erholen, heißt es, aber nichts genaues weiß man nicht. Die Konsequenz: "Um in diesem Marktumfeld den Bewegungsspielraum nicht zu verlieren, wird Kostendisziplin weiterhin Priorität im Konzern haben." Die Devise in Unterföhring lautet weiterhin: sparen, sparen, sparen.
Seine letzte Vorstellung auf der Bilanz-PK von ProSiebenSat.1 gab Marcus Englert. Der Diversifikations-Vorstand will zu neuen Ufern aufbrechen und wird Ende April abgelöst vom Briten Dan Marks. Der kommt von der British Telecom und fängt als Chief New Media Officer, bei ProSiebenSat.1 an. Er soll sich vorrangig um die Digital-Strategie und das operative Geschäft bei Pay-TV, Video on Demand und Online kümmern. Englert verabschiedete sich mit einem Zitat des Kommandanten der fast verunglückten Apollo-13-Mondmission: "Gentlemen, thank you for travelling." Vorstandschef Ebeling ergänzte, er sei froh, dass er nicht das Zitat mit "Houston, wir haben ein Problem" gebracht habe.

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