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Die Wahrheit über den Markwort-Flirt

"Weiß seine 'Bunte'-Frau davon?" titelt die tageszeitung am Donnerstag frech. Zu sehen ist Focus-Chef Helmut Markwort neben einer, so die Bildunterschrift, "schönen Unbekannten". Der Aufmacher ist eine Anspielung auf die Spitzel-Affäre um die Bunte. Deren Chefredakteurin Patricia Riekel, bekanntlich Lebensgefährtin von Markwort, hatte in Interviews die Ausspähung des Liebeslebens von Politikern verteidigt. Wer aber ist "Helmut Markworts neues Glück" (taz)? MEEDIA hat die "Unbekannte" interviewt.

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Für regelmäßige Leser der taz war das Rätsel schnell gelöst. Die Frau, die scheinbar Arm in Arm ausgelassen mit dem Focus-Gründer feiert, ist niemand anderes als taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Entstanden ist das "Beweisfoto" bei der Verleihung der Preise des Medium Magazins für die "Journalisten des Jahres" Mitte Januar in Berlin. Markwort war dort zusammen mit Gefährtin Patricia Riekel und etlichen Top-Journalisten zu Gast.
Dass das zu später Stunde beim Rotwein entstandene Foto den Weg auf die Titelseite des linken Blatts fand, ist für Ines Pohl die Folge einer "großartigen Idee" eines Kollegen. Seit ihrem Amtsantritt am 20. Juli 2009 hat die taz immer wieder mit besonders originellen und plakativen Titelseiten für Aufsehen gesorgt. Für MEEDIA berichtete die 43-Jährige, wie die aktuelle Seite eins entstand.

Frau Pohl, wie entstand die Idee zur aktuellen Titelseite?
Wir haben zunächst überlegt, Frau Riekel a la Gräfin Pilati im Plitschi-Platschi-Bikini zu zeigen. Das wäre ein sehr plakativer Witz gewesen. Mein Kollege Stefan Kuzmany hatte dann die großartige Idee, die handelnden Personen eben auf subtile Art mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Und da es dieses Foto von mir und Helmut Markwort gibt, hat es die schlaue taz-Fotoredaktion natürlich auch gefunden und produziert.
Was wollen Sie damit aussagen?
Nun, wir wollen auf eine süffisante Weise zeigen, wie Bunte-Journalismus funktioniert. Wir zeigen, wie leicht es ist, mit Fotos von harmlosen Situationen mit der entsprechenden Inszenierung Gerüchte zu streuen. Und dass diese Situation harmlos war, dafür bürge ich mit meinem guten Namen.

Das Titelblatt der taz vom 4. März 2010

Im ganzen Text wird nicht aufgeklärt, dass Sie auf dem Bild die Frau an Markworts Seite sind. Ist das Absicht?
Natürlich, sonst wär ich doch nicht länger die schöne Unbekannte.
Wie stehen Sie selbst zu der Spitzelaffäre?
Meine Hauptkritik besteht darin, dass ureigene journalistische Aufgaben an mehr oder weniger zwielichtige Detekteien outgesourced werden. Das ist für mich der gewichtigste Punkt. Dann natürlich halten sich diese Schlapphüte an keine journalistischen Regeln oder ethische Kodizes. Das ist der eigentliche Skandal. Wenn Zeitungen darüber berichten, dass ein Herr Seehofer, der mit seiner heiligen Familie in den Wahlkampf zieht, eine  Liebesbeziehung pflegt und uneheliche Kinder zeugt, dann ist das Journalismus im schlichten Dienste der Aufklärung.
Gab es schon Rückmeldungen aus dem Burda Verlag?
Nein, haben Sie welche?
MEEDIA: Bis jetzt nicht.
Auf der Website der tageszeitung ist die "unbekannte Schöne" inzwischen ebenfalls weitgehend geoutet worden. Unter dem Foto der Online-Version zur Titelstory schreibt die taz gewohnt ironisch: "Seine (Helmut Markworts, Anm. d. Red.) Begleiterin hat fast ein bisschen Ähnlichkeit mit taz-Chefredakteurin Ines Pohl."

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