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SZ-Autor ätzt gegen Welt und Wagner

Es scheint nicht die Zeit der Streicheleinheiten im Verhältnis der Medien untereinander zu sein. Nur Tage nach dem Donnerwetter zwischen Gruner + Jahr und Burda infolge der Stern-Enthüllungen über merkwürdige Bespitzelungsaufträge durch die Bunte rechnet SZ-Edelfeder und Kultur-Kommentator Willi Winkler mit Springers Renommierzeitung ab. Das Flaggschiff der blauen Gruppe bezeichnet der 52-Jährige als "krawallliberales Käseblättchen, das aus unerfindlichen Gründen noch immer Die Welt heißt."

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Anlass für die Schmähung ist eine Literaturbesprechung. Winkler rezensiert das neue Buch des Welt-Kolumnisten Hans Zippert ("Zippert zappt"). Während er den Autoren als "einsame Spitze" adelt, lästert Winkler weiter über die Welt. Zipperts Kolumnen würden angenehm "hell über das malmende Ex-"68er-Gedröhn weiter hinten hinwegklingen" – ein Seitenhieb gegen den bisherigen Welt-Chefredakteur und Neu-Herausgeber Thomas Schmid.
Aber auch die Bild-Zeitung kommt in Person des Seite 2-Kolumnisten Franz-Josef Wagner nicht ungeschoren davon. Über die tägliche "Post von Wagner" urteilt Winkler: "Franz-Josef Wagner … schläft in seinem täglichen Brief in der Bild-Zeitung seinen Rausch aus, glotzt jüngeren Frauen auf den Busen, wirft älteren Frauen vor, dass sie älter sind…" Eine Reaktion auf die Kritik von seiten des Springerverlags ist bislang nicht bekannt. Man dürfte dort allerdings nicht allzu erfreut sein.
Allerdings erinnert man sich in Berlin wohl auch an vehemente atmosphärische Verstimmungen aufgrund eines Vorfalls im eigenen Haus. Im Mai 2007 hatte Welt-Chefkommentator Alan Posener nach einer Buchveröffentlichung von Kai Diekmann über die 68er-Generation mit dem Bild-Chef abrechnet: "Die 68er haben K.D, gezwungen, als Chefredakteur der Bildzeitung nach Auffassung des Berliner Landgerichts ‚bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer‘ zu ziehen. Die 68er zwingen ihn noch heute, täglich auf der Seite 1 eine Wichsvorlage abzudrucken, und überhaupt auf fast allen Seiten die niedrigsten Instinkte der Bild-Leser zu bedienen, gleichzeitig aber scheinheilig auf der Papst-Welle mitzuschwimmen. (…) Man kann nicht die Bildzeitung machen und gleichzeitig in die Pose des alttestamentarischen Propheten schlüpfen, der die Sünden von Sodom und Gomorrha geißelt."
Auch wenn der Kommentar rasch aus dem Angebot von Welt Online entfernt wurde, wird er der journalistischen Nachwelt via Bildblog weiter überliefert. Alan Posener ist nach wie vor Chefkommentator der blauen Gruppe bei Springer, was immerhin zeigt: Auch ernsthafte Meinungsverschiedenheiten lassen sich einvernehmlich beilegen.
SZ-Feuilletonist Winkler war übrigens in Hamburg Redakteur bei der Zeit und Kulturchef des Spiegel und ist heute einer der bekanntesten Autoren der Süddeutschen Zeitung.

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