AP: Neues Businessmodell nach 162 Jahren

Die Associated Press (AP) erweitert nach 162 Jahren ihr Business: AP-Chef Tom Curley kündigte gegenüber der Colorado Press Association einen digitalen Service an, der sich direkt an die Endverbraucher von Nachrichten, Bildern und Videos wendet. Der neue Geschäftszweig namens "AP Gateway" setzt ganz auf das mobile Internet und die kommende Generation von Lesegeräten wie Apples iPad. AP will seinen B2B-Kunden aber nicht das Wasser abgraben, sondern mit Gateway den Verlagen und Sendern helfen.

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So könnten jene Medienunternehmen von der neuen Content-Plattform profitieren, die an der Kooperative beteiligt sind. Das neue Verbreitungsmodell ist bereits erprobt. Gateway basiert auf dem Mobil-Service, den AP beim Klimagipfel von Kopenhagen und bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver genutzt und getestet hat. Für den Leser wird AP Gateway über eine sogenannte App auf den Tablet-Computern verfügbar sein.

Unklar scheint allerdings noch zu sein, wie die neue Plattform Gewinn machen soll. Curley teilte lediglich mit, dass sich Gateway sowohl durch Werbung als auch Abonnements finanzieren könnte. Damit ist sich AP anscheinend noch genauso im Unklaren darüber, wie sich Verlags-Content im Internet verkaufen lässt, wie die Branche insgesamt. Die Verlage setzen zur Zeit ihre Erwartungen in die angebrochene Mobil-Ära.

Diese Hoffnungen facht AP-CEO Curley weiter an und stimmte sein Publikum auf Veränderungen ein: "Für die Verlage könnte jetzt der entscheidende Zeitpunkt gekommen sein. … Wir müssen diese Gelegenheit beim Schopf ergreifen, um unsere Geschäftsmodelle und unseren Journalismus neu zu beleben."

Der CEO des größten US-Zeitungsverlags MediaNews Group und Vorstandsvorsitzende der AP, William Dean Singleton, erklärte: "Der Start von AP Gateway versetzt unser Gewerbe endlich in die Lage, von dem zu profitieren, was eine bemerkenswerte Zeit zu werden verspricht."

Der Erfolg des neuen Geschäftsmodells AP Gateway hängt im wesentlichen vom Markterfolg der kommenden Mobil-PC-Generation ab – und davon, ob diese Geräte tatsächlich das Konsumverhalten im Internet ändern können. Nur wenn die Leser sich massenweise zum Kauf von Tablet-PCs entschließen und Medien-Apps den Vorzug vor dem Browser geben würden, werden die Verlage im Internet Geld verdienen können. Tatsächlich deutet der Boom auf dem Smartphone- und App-Markt darauf hin, dass die Verbraucher beim mobilen Internet eher zum Zahlen bereit sind als am häuslichen PC.

Die AP wurde 1848 als Kooperative mehrerer großer US-Zeitungen gegründet. Zur Zeit bedient die AP 1.700 Zeitungen und rund 5.000 Radio- und Fernsehsender in den USA. Darüber hinaus abonnieren zahlreiche Medien weltweit den AP-Service. Für das vergangene Geschäftsjahr wird ein Einahmenrückgang um 6 Prozent auf voraussichtlich 700 Millionen Dollar erwartet. Die – kostenlose – iPhone-App von AP wurde mehr als 3 Millionen Mal heruntergeladen. Auch die iPad-App wird möglicherweise zunächst gratis angeboten.

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