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„Ich bin bös!“: weder bös‘ noch witzig

RTL schickt am Samstagabend ein neues Comedy-Format ins Rennen um die besten Quoten: "Ich bin bös!" mit Mirja Boes. Der Name ist Programm, so kündigt zumindest der Sender die Sketch-Show mit der Kölner Comedienne an. Boes schlüpft dabei in zahlreiche Rollen und beackert vor allem den Geschlechterkampf – von der zufriedenen Single-Frau, über die "notgeile" Lehrerin bis hin zu sich selbst. Aber die Sache mit dem schwarzen Humor? MEEDIA hat "Ich bin bös!" vorab gesehen und kommt zu einer eindeutigen Meinung.

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Das Format spielt mit den Geschlechter-Rollen und lässt dabei kein Klischee aus. Allerdings kennen die Zuschauer solche Szenen bereits aus anderen Comedy-Sendungen. "Ich bin bös!" nimmt Anleihen bei so ziemlich allem, was Rang und Namen in der Szene hat: Anke Engelkes "Ladykracher", Oliver Kalkofes "Mattscheibe" oder Bastian Pastewkas "Pastewka", um nur einige zu nennen.

Beispiel gefällig? Eine Single-Frau liegt allein im Bett. Einen Mann braucht sie nicht. Sie hat ja einen Vibrator und das integrierte Navi weist dem elektrischen Liebesdiener den Weg. Pointe? Fehlanzeige. Und wenn in einem Sketch erst gar kein Höhepunkt vorgesehen ist, soll die hysterische Lache von Boes, die sie sich offensichtlich von ihrem langjährigen "Die dreisten Drei"-Kollegen Ralf Schmitz abgeguckt hat, den fehlenden Witz überspielen.

Auch an der Front der Mediensatire setzt "Ich bin bös!" nicht auf eigene Ideen, sondern auf Altbewährtes, das bei Kalkofe schon fast bis zum Exzess durch den Kakao gezogen wurde. Daher löst der Sketch, in dem Boes Shopping-Kanäle verhonepipelt, nicht mehr als ein müdes Gähnen aus. Und der Versuch sich selbst zu spielen, wie Bastian Pastewka in "Pastewka" bleibt hoffnungslos unkomisch. Peinliche Situationen mit Fans oder diverse Verwechslungen sind ohne Esprit. Während Pastewka sich mit Leichtigkeit und Selbstironie über das deutsche Spießbürgertum lustig macht, wirkt bei "Ich bin bös!" alles wie gewollt und nicht gekonnt.

Was Boes in ihrer neuen Sendung auch versucht, die Zuschauer haben das alles schon mal bei anderen Comedians gesehen. Nur: die wissen wie‘s geht. Daher werden am Samstagabend die Lacher bei RTL sicher ausbleiben.

Bleibt die Frage, was der Sender sich dabei gedacht hat, "Ich bin bös!" auf diesen Sendeplatz zu programmieren. Offensichtlich hoffen die Verantwortlichen, dass die vielen Zuschauer von "DSDS" einfach vor dem Fernseher sitzen bleiben und die Fernbedienung nicht anfassen. Eine Logik, die durchaus funktionieren kann, egal wie schlecht das Programm dann ist.
MEEDIA-Fazit: Das ganze Konzept wirkt, als hätte der Sender im Schnellverfahren die Zutaten aus anderen Comedy-Formaten zusammengerührt und die mäßig begabte Boes als Garnitur obendrauf gesetzt. Die Kopien sind schlecht und die wenigen Möglichkeiten, doch mal einen humoristischen Nerv zu treffen, werden nicht genutzt. "Ich bin bös!" ist weder originell noch böse und leider vor allem Eines nicht: witzig!

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