Springer legt Musikmagazin Sounds auf Eis

Axel Springer wird nach MEEDIA-Infos auf absehbare Zeit keine weiteren Ausgaben des Musikmagazins Sounds mehr auf den Markt bringen. Die Ausgabe, die im November erschien, war die letzte. Springer hatte die legendäre Printmarke Sounds im Jahr 2008 als monothematischen Rolling-Stone-Ableger reaktiviert und Hefte zu Themen wie "50 Jahre Musikfernsehen", "Rebellen", "60 Jahre deutscher Pop" und zum Tod von Michael Jackson produziert. Ein komplettes Aus will man bei Springer nicht bestätigen.

Anzeige

Nach dem Umzug der Musikmagazin-Redaktionen nach Berlin wolle man sich erstmal auf die anderen drei Titel Musikexpress, Rolling Stone und Metal Hammer konzentrieren, so eine Springer-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Eine weitere Sounds-Ausgabe erscheine frühestens im Herbst, eingestellt sei der Titel aber nicht. Die Indizien sprechen unterdessen klar gegen eine Rückkehr von Sounds: Mehrere Grossisten haben MEEDIA gegenüber bestätigt, dass das Magazin als "eingestellt" gelte. Außerdem wurde die offizielle Sounds-Website (http://www.sounds-rollingstone.de/) abgeschaltet und leitet auf http://www.rollingstone.de um. Dort steht über Sounds kein Wort und abonnieren lässt sich die zuletzt vierteljährlich erscheinende Zeitschrift auch nicht mehr. Zudem gibt es auf der Axel-Springer-Mediahouse-Berlin-Website im Gegensatz zu Musikexpress, Rolling Stone und Metal Hammer für Sounds keine Mediadaten 2010 und auf http://www.axelspringer-mediapilot.de/ wird Sounds auch nicht mehr vermarktet.

Bereits Ende Januar hatte sich zudem Ernst Hofacker, der Sounds zusammen mit Rolling-Stone-Redakteuren und vielen freien Autoren gemacht hatte, im Rolling-Stone-Forum zu Wort gemeldet: "Die Redaktionen der Musiktitel des Verlags sind ja bekanntlich zum 1.1.2010 nach Berlin gezogen. Ich bin aus privaten Gründen in München geblieben und scheide daher aus dem Verlag aus. Die Redaktion, ausschließlich freie Mitarbeiter, bleibt ebenfalls in München. Der Verlag möchte zudem die wirtschaftliche Seite des Magazins überdenken und hat es daher für den Moment auf Eis gelegt. Ob und wie es mit SOUNDS weitergeht, kann ich also leider nicht sagen." Anfang Februar ergänzte er zum Thema "anspruchsvolle Musikzeitschrift": "Das genau wollten wir auf die Beine stellen. Aber so lange eine solche Zeitschrift sich nur rechnen kann, wenn jede Ausgabe von doppelt so vielen Lesern wie SOUNDS gekauft wird (oder doppelt so teuer wie bisher verkauft wird) und dazu einen Anzeigenumsatz generiert, der in diesen Zeiten – darbende Tonträgerbranche, Budgetkürzungen gerade in den Marketingbereichen – schlicht illusorisch ist, wird das wohl ein schöner Traum bleiben." Sprich: Sounds erreichte die Erwartungen im Leser- und Werbemarkt offenbar bei Weitem nicht.

Dabei hatte die Marke Sounds bei Musikfans einen legendären Ruf: Das 1966 gegründete Magazin erlebte in den 70er Jahren seine Blüte und galt bis in die 80er als Trendsetter und Vorreiter unter den Musikmagazinen. Autoren wie Diedrich Diederichsen, Detlef Diederichsen, Joachim Lottman, Andreas Dorau, Peter Hein und Peter Glaser schrieben für Sounds. 1983 kaufte Verleger Jürg Marquard Sounds und das Schwestermagazin Musikexpress und vereinte sie zu einem Titel, Musikexpress/Sounds.

Im Jahr 2000 übernahm schließlich Axel Springer das Magazin Musikexpress/Sounds und strich noch im selben Jahr das Wort Sounds aus dem Titel. Seit Heft 9/2000 heißt das Magazin nur noch Musikexpress. Im Jahr 2008 dann der überraschende Schritt, die Marke Sounds wiederzubeleben. Mit monothematischer Ausrichtung brachte man einige richtig gute Ausgaben auf den Markt. Zum Start widmete man sich im August 2008 dem Thema "Paint it black! Wie die schwarze Musik den weißen Pop prägte…", weitere Ausgaben folgten im Abstand von zwei bis drei Monaten.

Die siebte Ausgabe des neuen Sounds erschien schließlich im November 2009, Thema: "60 Jahre deutscher Pop", u.a. mit einem Essay von Klaus Walter, Erinnerungen an den Krautrock und die Neue-Deutsche-Welle-Zeit. Die Abo-Werbung mit teuren Buch-Prämien in der letzten Ausgabe half offenbar auch nicht mehr, die Qualität von Sounds setzte sich im Markt nicht durch und so verschwindet die legendäre Musikmagazin-Marke nun offenbar zum zweiten Mal.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige