Poldi, Polit-Schnüffler und Panorama

Thema Nummer eins in dieser Woche war die "Spitzelaffäre", die der Stern Richtung Bunte enthüllte. Man fragt sich, warum Agenturen wie die CMK überhaupt von Redaktionen mit sensiblen Recherchen beauftragt werden. Billig war die Sache ja nicht. Und sonst: Der Kölner Express hat sich von Prinz Poldi eine sehr großformatige Gegendarstellung eingefangen, Sat.1-Quotenpechvogel Kerner gibt sich kämpferisch und die NDR-Redaktion Panorama ist bei Interviewanfragen ähnlich schweigsam wie die FDP.

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Gegendarstellungen auf der Titelseite sind heutzutage keine Besonderheit mehr. Es ist Usus, dass Gegendarstellungen auch auf der Titelseite und im Innenteil eines Printmediums in gleicher Größe und Aufmachung wie der Original-Beitrag zu erscheinen haben. Die Gegendarstellung von Fußball-Star Lukas Podolski, die das Kölner Boulevardblatt Express am Freitag veröffentlich hat, sticht trotzdem heraus. Wegen ihres schieren Umfangs und der Größe der Buchstaben. Die Gegendarstellung wird auf der Titelseite bereits groß angekündigt und nimmt im Sportteil des Express dann eine ganze Seite ein.

Dabei gibt es gar nicht so viel Text. Stein des Anstoßes war ein angeblicher Wutanfall Podolskis bei FC-Köln Trainer Michael Meier. Nun schreit die Gegendarstellung Podolskis in kapitalen Lettern: "Bei meinem Treffen mit Michael Meier hatte ich keinen Wutauftritt". Klingt irgendwie wütend.
Medienthema Nummer eins diese Woche war alledings der Stern-Artikel, der die Arbeitsweise einer Agentur aufdeckte, die im Auftrag von Bunte Politikern in Stasi-Manier hinterherschnüffelte. Mal ganz abgesehen davon, ob die bei Bunte von den Methoden nun etwas gewusst haben oder nicht und ob man so etwas darf oder nicht: Wieso braucht eine Zeitschrift wie Bunte eigentlich für Recherchen eine externe Agentur? Am Geld kann es kaum liegen. Der Stern schreibt von immerhin fast 250.000 Euro an Honorar für die Agentur nur in 2008. Burda behauptet, die Summe sei über mehrere Jahre gezahlt worden. Viel ist es trotzdem. Die Sache wirft immer mehr Fragen auf. Wieso erledigt eine große Redaktion sensible Recherchen nicht komplett selbst? Und welche anderen Medien bedienen sich vielleicht noch der Dienste einer Recherche-Agentur wie CMK? In dem Fall ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen.

Zu Wort gemeldet hat sich in dieser Woche ganz und gar überraschend der Quoten-Pechvogel von Sat.1. Also, einer der Quoten-Pechvögel von Sat.1: Johannes B. Kerner. Im Interview mit dem Zeit Magazin zeigte sich Kerner ungewohnt selbstkritisch: "Die Sendung im ZDF – da mussten wir nur auf den Knopf drücken, und es hat funktioniert. Jetzt müssen wir uns alle neu programmieren. Dabei sind Programmierfehler passiert, es hat vielleicht sogar einen kurzen Systemausfall gegeben. Aber jetzt lernen wir gerade, wie man die Tastatur bedient." Aber dann klopft Programm-Automat Kerner auch gleich wieder markige Sprüche: "Ich verliere einfach nicht gerne. Ich finde schon ein Unentschieden ekelig." Wenn er in seiner bis dato langweiligen Sendung mal mit soviel Chuzpe auftreten würde, wie in diesem Interview, dann wäre jedenfalls schon etwas gewonnen.

Die FDP hat laut Süddeutscher via E-Mail davor gewarnt, dem NDR-Politikmagazin Panorama bei Veranstaltungen des so genannten politischen Aschermittwochs Interviews zu geben. Von Panorama sei kein objektiver Journalismus zu erwarten. In der SZ regte sich Panorama-Redakteur Ben Bolz verständlicherweise noch darüber auf: "Wenn das zuträfe, wovon man leider ausgehen muss, wäre das ein für eine demokratische Partei ziemlich ungewöhnlicher Vorgang." Eine Anfrage von MEEDIA auf ein Interview zur Sache wurde vom NDR dann aber abgelehnt. Einzelne Fragen gerne schriftlich, aber ein Interview trage das Thema nach Meinung der Panorama-Redaktion nicht, hieß es in einer Antwort der NDR-Pressestelle. Der Ärger über die FDP scheint bei Panorama schnell verraucht zu sein.

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