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Fälscherverdacht: Spitzelaffäre immer bunter

Neue Variante im Hickhack um die Stern-Enthüllung der Beschattung von Politikern im Auftrag von Bunte: Der Chef der Agentur CMK, die die Observation ausführte, äußert in einer Mitteilung den Verdacht, das Hamburger Magazin sei einer Fälschung "auf den Leim gegangen". Stefan Kiessling nannte die Unterlagen "Papierfetzen", die CMK "gänzlich unbekannt sind". Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn wertet dies dagegen als "billigen und leicht durchschaubaren Versuch, von den Vorgängen abzulenken".

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Kiessling, der als Sprecher und Gesellschafter der Berliner Foto- und Recherche-Agentur wirkt, behauptet: "Weder inhaltlich noch bezüglich Schrift und Layout entsprechen diese (im Stern, die Red.) abgedruckten Papiere den Arbeitsprotokollen, wie wir sie üblicherweise erstellen." Die Agentur bitte die Stern‐Redaktion deshalb um die Herausgabe der abgedruckten Originale: "So könnten wir deren Echtheit sorgfältig überprüfen." Im Moment liege der Verdacht nahe, dass es sich bei den im Stern abgedruckten Papierausschnitten um Fälschungen handle.
Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn sieht darin eine Nebelkerze. Auf Anfrage von MEEDIA erklärte er am Freitagabend: "Der Stern hat die veröffentlichten und und sonst noch vorliegenden Dokumente selbstverständlich verifiziert, so weit dies möglich war. Alle Fakten sind mehrfach bestätigt, durch Recherchen und durch Zeugenaussagen oder beides. So sind die in den Unterlagen genannten Summen, die Bunte gezahlt hat, durch Bunte selbst bestätigt worden. Sie können also gar nicht falsch sein."
Auch sein Urteil über die Wahrheitsliebe des Agentur-Chefs fällt eher verhalten aus: "Der Stern hat bereits mehrere Behauptungen von Kiessling, zum Beispiel was die Hintergründe des Streits mit ehemaligen Mitarbeitern angeht, als Lügen entlarvt." In der CMK-Mitteilung räumt Kiessling nach einem entsprechenden Bericht von Stern.de ein, an den Einsätzen beteiligt gewesen zu sein. Wörtlich heißt es: "Im Übrigen hat Stefan Kiessling nie bestritten, in den genannten Geschichten selbst recherchiert zu haben."
Gleichzeitig beteuert der CMK-Verantwortliche: "Unsere Arbeitsweise richtet sich nach den geltenden gesetzlichen sowie den standesrechtlichen journalistischen Richtlinien." Und weiter: "Ich lege Wert auf eine seriöse Arbeitsweise. Auch wenn die enthüllten Ergebnisse verständlicherweise manchmal nicht jedermann gefallen."
Fest steht, dass die Auseinandersetzung auch in der kommenden Woche fortgesetzt werden wird. Der Stern hat für seine neue Ausgabe eine Folgegeschichte "mit weiteren Details" angekündigt. Spätestens Donnerstag wissen wir mehr.

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