ZDF-Telenovela: Aus „Alisa“ wird „Hanna“

Das ZDF sucht wieder den Quoten-Weg zum Glück. Denn an diesem Donnerstag relauncht das Zweite seine werktägliche Telenovela mit einer neuen Hauptdarstellerin: Aus "Alisa – Folge deinem Herzen" wird "Hanna". Im Gespräch mit MEEDIA erklärt Guido Reinhardt, verantwortlicher Produzent bei Grundy UFA, was den Protagonisten-Wechsel so schwierig macht, was aus den Fehlern bei "Verliebt in Berlin" gelernt wurde und wie die schwächelnde Sat.1-Soap "Eine wie keine" optimiert werden soll.

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Wenn am Donnerstag um viertel nach vier im ZDF erstmals der Vorspann von "Hanna – Folge deinem Herzen" gelaufen ist, beginnt das Warten. Am nächsten Morgen, wenn die Einschaltquoten vorliegen (ab 9.00 Uhr bei MEEDIA), wissen Guido Reinhardt und sein Team, ob der Wechsel von einem Traumpaar zum nächsten geklappt hat. Reinhardt ist Produzent beim Serienspezialisten Grundy UFA, der unter anderem die Daily Soaps "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (RTL) und "Verbotene Liebe" (Das Erste) produziert – und seit 2004 auch die tägliche Telenovela im ZDF.
Mit "Wege ins Glück" hat alles angefangen, im vergangenen Jahr kam der Bruch mit "Alisa – Folge deinem Herzen" und die Erkenntnis, dass das womöglich ein Fehler war: "Wir hätten gerne an ‚Wege zum Glück‘ angeschlossen, aber es war letztendlich eine Entscheidung des Senders", sagt Reinhardt. "Es gab den Ansatz, auch jüngere Zuschauergruppen gewinnen zu wollen, die Telenovela ein Stück weit jünger zu positionieren. In diesem Fall ist es leider nicht gelungen." Den Erfolg des Vorgängers konnte "Alisa" nicht wiederholen – den Start sahen damals 900.000 Zuschauer weniger als das "Wege zum Glück"-Finale. Also entschieden sich Sender… und Produktionsfirma, die Reihe nach den Wünschen des Publikums zu verändern. Reinhardt sagt: "Wir haben die Märchenwelt wieder in den Vordergrund gerückt." Dass "Alisa" mit ihrer Geschichte eher an der Realität angelehnt war als die Telenovelas davor, kam nicht an.
Kern des Telenovela-Genres, das aus dem lateinamerikanischen Fernsehen stammt, ist die große Romanze, in der zwei Verliebte vom Schicksal zusammengeführt werden. Anders als etwa die Daily Soap, die (für ihre Verhältnisse) nah an den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen dran sein soll, sind Telenovelas in der Regel eskapistischer angelegt.
Ist das Happy End erreicht, geht die Geschichte zwar wieder von vorne los, allerdings mit einem neuen Paar. Und das muss dem Publikum erst einmal beigebracht werden. Reinhardt sagt: "Für uns ist das ein Balanceakt: Wann rauben wir dem Zuschauer seine Lieblinge, und wann wird die Geschichte womöglich retardierend? Dazwischen abzuwägen ist die Schwierigkeit bei einem solchen Wechsel."
Diesmal setzt das ZDF auf einen sanften Übergang. Im Titel wird nur der Vorname der Hauptprotagonistin ausgetauscht, die dem "Alisa"-Publikum bereits vor drei Wochen in einem eigenen Handlungsstrang vorgestellt wurde. Dazu spielt Hannas Geschichte ebenfalls im (fiktiven) Dörfchen Schönroda, obwohl von den bisherigen Kulissen nicht viel übrig geblieben ist: In der Winterpause wurde in den Studios in Potsdam-Babelsberg großflächig umgebaut, 80 Prozent der Sets in "Hanna" sind neu. Viele Szenen werden sich künftig etwa im "Fischerkrug" abspielen, dem Restaurant, das die Hauptprotagonistin von ihrem kranken Vater übernimmt. An der hochindustrialisierten Entstehungsweise der Telenovela ändert sich aber nichts. Auf mehr als 1600 Quadratmetern entstehen täglich rund 45 Minuten Material – ein Rekord in der Produktionsbranche. Damit das klappt, arbeiten zwei Teams immer parallel mit versetzten Drehs. Wenn im einen Set gedreht wird, kann im anderen schnell umgebaut werden.
Wie schwierig radikale Wechsel in laufenden Serien sind, hat Grundy UFA am härtesten beim ehemaligen Sat.1-Erfolg "Verliebt in Berlin" ("ViB") erfahren. Mit Hauptdarstellerin Alexandra Neldel ging die Serie durch die Decke und machte sogar "GZSZ" Konkurrenz. Nach Neldels Ausstieg wurde Tim Sander als erster männlicher Hauptdarsteller einer Telenovela verpflichtet – und fiel beim Publikum durch. Seitdem gibt es bei Grundy UFA eine unverrückbare Regel: "Die Erzählperspektive für ein weibliches Publikum braucht auch eine weibliche Protagonistin", sagt Reinhardt.
Auch der neueste Versuch, eine weitere tägliche Serie zu etablieren, hält sich daran: In "Eine wie keine", dem Versuch von Sat.1, mit einer werktäglichen Daily Soap Fuß zu fassen, spielt Marie Zielcke die quirlige Manuela, die sich als alleinerziehende Power-Mama durchs Leben schlägt und in den Chef des Hotels verknallt, wo sie Arbeit findet. Die Quoten sind bisher unter den Erwartungen, aber Sender und Produktionsfirma arbeiten bereits an der Nachjustierung. Vor allem Zielckes Hauptfigur, die anders als Lisa Plenske in "ViB" kein hässliches Entlein ist, sondern eine Vorbildfigur, soll klarer positioniert werden: "Es muss stärker darum gehen: Was ist ihr Ziel im Leben, was will sie noch erreichen? Es geht darum, sie dabei zu begleiten, wie sie einen klaren Traum verwirklicht", sagt Reinhardt.
Diese Erkenntnis stammt aus der Marktforschung zur Serie, in der Zuschauer sehr exakt dazu befragt wurden, wie sie Charaktere und Handlung einschätzen. Diese Art Befragungen sind längst wesentlicher Bestandteil der Entstehung jeder täglichen Serie, zumal sich darüber in Erfahrung bringen lässt, welche Aspekte den Zuschauern nicht gefallen und was womöglich für die in Produktion befindlichen Folgen geändert werden muss.
So haben die Macher auch erfahren, dass sich viele potenzielle Zuschauer mit neuen Serien schwer tun, weil sie befürchten, dass die Sender sie schnell wieder absetzen könnten. Produzent Reinhardt sagt: "Die Zuschauer sind große Medienprofis." Sat.1 beteuert jedoch, an "Eine wie keine" festhalten zu wollen. Selbst wenn es schwierig ist. "Als RTL ‚Alles was zählt‘ startete, hat es ein halbes Jahr gedauert, bis der Erfolg kam. Dafür braucht man als Sender einen langen Atem", sagt Reinhardt. "Der wird nachher aber meist auch belohnt."

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