Was wusste die Bunte-Chefredaktion?

Die Stern-Enthüllungen über systematische Politiker-Bespitzelungen im Auftrag der People-Zeitschrift Bunte schlagen hohe Wellen zwischen dem Burda-Verlag und dem Stern. Offenbar hat eine Berliner Foto- und Recherche-Agentur mit Privatdetektivmethoden im Bunte-Auftrag Bunte Politiker bespitzelt um an Bilder und Infos zu gelangen. Laut dem Stern-Bericht waren Bunte-Vizechef von Bassewitz und Politik-Chef Tobias Lobe in die Recherchen der Berliner Agentur eingeweiht.

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So habe laut Stern der Chef der Agentur CMK Ende 2008 mit Sebastian Graf von Bassewitz, Stellvertreter von Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel und früherer Politik-Chef der Zeitschrift, telefoniert. Von Bassewitz soll gefragt haben: „Was ist mit Wagenknecht?“ Die Agentur-Ermittler sollten offenbar eine Affäre des Linken-Politikers Oskar Lafontaine mit seiner Parteikollegin Sarah Wagenknecht nachweisen. Der Nachweis misslang und aus der Geschichte wurde nichts.

Von Bunte wird bestätigt, dass von Bassewitz Aufträge an CMK erteilt hat. Es wird aber bestritten, dass es sich dabei um Aufträge zu „Ermittlungen“ gehandelt hat, wie es der Stern formuliert. Agenturchef Kießling gibt im Stern zu Protokoll, seine Aufträge seien stets mit der jeweiligen Chefredaktion abgestimmt. Während der Recherchemonate seien die Bunte-Mitarbeiter von Bassewitz und Tobias Lobe, Politik-Chef und ebenfalls Mitglied der Bunte-Chefredaktion, mehrmals wöchentlich informiert worden. Chefredakteurin Patricia Riekel sagte dem Stern: "Über unlautere Methoden ist Bunte nichts bekannt."

Bemerkenswert ist zudem, welche Summen für die Ausforschungen von Bunte gezahlt wurden. Laut Stern summieren sich allein die Rechnungen aus dem Jahr 2008 auf rund 242.000 Euro. Von Januar bis März 2009 seien dann nochmals knapp 31.000 Euro gezahlt worden. Auf Seiten von Burda heißt es dazu, dass dies erstgenannte Summe von der Größenordnung her stimme, aber über Jahre für eine Vielzahl von Dienstleistungen angefallen sei und so hohe Beträge keinesfalls für lediglich drei Politiker-Geschichten aufgewendet würden.
Auch Burdas oberster Jurist, das assoziierte Vorstandsmitglied Robert Schweizer, wird in dem Stern-Artikel erwähnt. Schweizers Kanzlei in Berlin habe eine Adresse auf demselben Flur wie CMK. Schweizers Sohn Michael, ebenfalls Anwalt, sei sogar Untermieter bei CMK.

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