Springer sucht den nächsten SCOOP

Talente gesucht – und gefunden? Am heutigen Donnerstag tagt die Jury des Axel Springer Ideenwettbewerbs, um den Gewinner des SCOOP2 zu küren. Ihm winken 500.000 Euro, die die Berliner in die Umsetzung investieren wollen, sowie eine intensive Betreuung durch den gesamten Verlagsapparat. Marc Thomas Spahl, der als Axel Springer Akademie-Direktor auf Jan-Eric Peters gefolgt und zudem Jury-Vorsitzender ist, spricht im MEEDIA-Interview darüber, welche Konzepte in diesem Jahr gute Siegchancen haben.

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Am Donnerstag tagt die Experten-Jury und kürt den neuen SCOOP-Gewinner. Verraten Sie uns, welche Ideen Ihnen besonders gefallen haben?

Würde ich gern, aber kann ich nicht. Wie beim ersten SCOOP haben wir den Teilnehmern auch diesmal versprochen, dass wir ihre Ideen absolut vertraulich behandeln. Nur so viel: Die Entscheidung für die Vorrunde und jetzt auch die Finalrunde ist echt schwer gefallen. Es geht schließlich um Kreativität, und darüber lässt sich immer streiten. Anders als beim letzen Mal gibt es diesmal übrigens sechs Finalisten, weil wir in einem Fall Punktegleichstand hatten.
 
Ist unter den eingereichten Konzepten ein Themenschwerpunkt zu erkennen?

Es waren ja insgesamt 1.200 Kreative, die sich um den SCOOP beworben haben, eine phantastische Resonanz. Da waren die verrücktesten Sachen dabei, originelle, skurrile, lustige Ideen. Aber auch ernste Ansätze. Viele haben sich damit beschäftigt, wie wir die Welt besser machen können. Dann haben sich sehr viele die digitale Gegenwart zum Thema genommen, User Generated Content, Social Media, die Bloggosphäre. Und daneben natürlich die großen Themen: Liebe, Verbrechen, Leben und Tod, Grenzerfahrungen im weitesten Sinn. Die thematische Spanne war riesengroß, wie auch die der Bewerber: quer durch alle Altersschichten, aus vielen Ländern und beileibe nicht nur Profis. In der Endrunde sind auch viele gute Konzepte gelandet, die nicht von Journalisten stammen.

 
Was muss ein Medienprojekt leisten, um heute noch innovativ zu sein?

Das ist ganz einfach und ganz schwer: Es muss überraschen. Und zwar nicht nur durch seine Qualität, was für mich selbstverständlich ist, sondern vom journalistischen Ansatz her. Zum Beispiel durch seine investigative Leistung, oder eine Grundhaltung, für die es steht, vor allem aber durch seine Innovationsfreude. Da ist unser erstes SCOOP-Projekt "Humanglobaler Zufall" wirklich ein gutes Beispiel. Im Grunde ein Reportagemagazin, aber die Geschichten gehen ineinander über, die Protagonisten kennen sich, der Zufall hat sie irgendwann zusammengebracht und führt den Leser wie an einem roten Faden durch das Heft und durch die Welt. Das war ein Experiment und hatte es so noch nicht gegeben. Umso mehr hat mich gefreut, dass es so gut angekommen ist und ja auch mehrfach ausgezeichnet wurde.

 
Sie haben "Humanglobaler Zufall" als Projektleiter betreut. Gibt es etwas, was Sie durch die Zusammenarbeit mit dem Newcomer gelernt haben und jetzt anders machen würden?

Die Arbeit mit unserem ersten Gewinner, Dennis Buchmann, war wirklich eng und sehr gut. Wenn ich etwas daraus gelernt habe, dann dass es gut ist, sich auf ein publizistisches Ziel zu einigen, aber danach einen möglichst großen Raum für Kreativität zuzulassen. Mit einem Wort: Zusammen rumspinnen. So hat das Ganze funktioniert, und ich hoffe, dass wir es dieses Mal genauso wieder hinbekommen.

 
Die letzte Ausgabe von "Humanglobaler Zufall" ist im Dezember 2008 erschienen. Was ist aus der Idee geworden?

Das Projekt war ja auf vier Ausgaben angelegt, danach haben wir Dennis Buchmann noch einen Autorenvertrag gegeben, ein Jahr lang hat er für unsere Zeitungen recherchiert und geschrieben. Und nebenbei immer weiter am Konzept von "Humanglobaler Zufall" gearbeitet. Er will das Format fortsetzen und zwar im Fernsehen, was ich mir sehr gut vorstellen kann. Es gab viele Gespräche, und wo wir eine Tür öffnen konnten, haben wir das gemacht. Würde mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn das am Ende klappt.

 
Wenn Sie den Gewinner am Donnerstag küren, wann wird die Öffentlichkeit davon erfahren?

Bei der Jurysitzung wird es zunächst mal nicht mehr nur um Konzepte gehen, sondern auch um die Macher. Wir schauen uns an, ob ein Kandidat auch dazu in der Lage ist, seine Idee umzusetzen. Bisher war ja nur nach der Idee gefragt, skizziert auf einem Blatt Papier. Daran haben sich auch alle gehalten. Was immer wieder zeigt: Die besten Konzepte sind die kürzesten. Wer sich dann am Donnerstag durchgesetzt hat, wollen wir zu Ostern verkünden.

 
Warum dann erst?
 
Aus einem einfachen Grund: Der Gewinner soll die Chance haben, sein Konzept, das bisher eben nur rudimentär existiert, in Ruhe weiterzuentwicklen. Mit Leben zu füllen, wenn Sie so wollen. Beim "Humanglobalen Zufall" war das auch so, damals haben wir uns knapp sechs Wochen Zeit genommen, diesmal wollen wir etwas schneller bekanntgeben, wann das neue Projekt an den Start geht.

 
Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Akademie ab?

Die Akademie ist Herausgeber des Projekts. Kreativer Kopf ist der Bewerber selbst, aber wir unterstützen ihn kräftig, bringen ihn mit Leuten aus allen Verlagsabteilungen zusammen und bauen, sozusagen maßgeschneidert, ein neues Team auf: Verlagsleiter, Marketingchef, Vetriebsexperten, Hersteller und so weiter, die das übrigens alle neben ihrer normalen Arbeit für den Verlag auch für "Humanglobaler Zufall" gemacht haben. Kollegen aus den unterschiedlichsten Ecken des Verlags, und alle ziehen an einem Strang – das war eine phantastische Erfahrung. Und ich persönlich sehe mich ein bisschen als kreativer Sparringspartner.

 
In der zwölfköpfigen Jury, der sie vorstehen, sitzen unter anderem Filmemacher, Internetpioniere, Werber und Journalisten. Nach welchen Kriterien wurden die Mitglieder ausgesucht?

Wir wollten ganz bewusst nicht nur Journalisten in die Jury berufen, sondern weite Felder an Kreativität abdecken. Zum Beispiel mit Oliver Berben, einem der findigsten und erfolgreichsten Filmproduzenten Deutschlands. Oder dem legendären Werber Michael Conrad, der als einer der ganz Großen der Kreativbranche gilt und zuletzt die Berlin School of Creative Leadership aufgebaut hat. Max Hollein ist dabei, der sein Handwerk am Guggenheim in New York gelernt hat, einer der führenden Figuren in der deutschen Kulturlandschaft, der als Direktor der Schirn Kunsthalle übrigens beide Seiten verantwortet, die künstlerische wie die kaufmännische. Von seiner Erfahrung kann der SCOOP-Gewinner nur profitieren. Dann haben wir mit Felix Petersen einen der Innovatoren der digitalen Wirtschaft oder Miriam Pielhau, die mit "NBC GIGA" den Grimme-Preis gewonnen hat. Oder Tim Renner, der mit seiner Motor-Gruppe gezeigt hat, was man aus einer kreativen Idee heraus alles erschaffen kann. Und das sind noch nicht mal alle – da ist so viel Inspiration und Leidenschaft, dass auch der neue SCOOP eigentlich nur ein Erfolg werden kann. Das hoffe ich zumindest.

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