Müntefering fordert Ehrenkodex für Medien

SPD-Politiker Franz Müntefering hat zum am Donnerstag veröffentlichten Stern-Report über die Beschattung prominenter Politiker im Auftrag des People-Magazins Bunte Stellung genommen. "Ich begrüße, dass der Stern die Courage zur Veröffentlichung seiner Recherche-Ergebnisse hatte", so Müntefering, dessen Privatleben ebenfalls über Monate aussgespäht worden war. Der Politiker weiter: "Ich warte gespannt darauf, wann die Verantwortlichen der Bunten sich mir und anderen Betroffenen gegenüber erklären."

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Dies teilte der 70-Jährige auf einem Schreiben mit offiziellem Briefkopf als Mitglied des Deutschen Bundestages am Donnerstagnachmittag mit. Er frage sich auch, ob die Redaktionsleitung der Bunten "die angewandten Methoden zu diesem Anlass für normal und gerechtfertigt halten und deshalb keinen Erklärungsbedarf sehen." Der Politiker war in Berlin observiert worden, weil das Magazin Anhaltspunkte dafür hatte, dass er nach dem Tod seiner Frau eine Lebensgefährtin gefunden habe.
Müntefering weiter: "Ich bin neugierig, ob es in der Medienwelt unseres Landes einen Ehrenkodex gibt, der zu einer öffentlich nachvollziehbaren Behandlung des Vorgangs und vielleicht sogar zu Konsequenzen für zukünftiges Verhalten führt oder weshalb das nicht für nötig gehalten wird."
Hier weitere Reaktionen von gestern und heute:
Brigitte Zypries (SPD): "Wenn die ‚Bunte‘ Privatdetektive mit der Beschattung des Privatlebens von Politikern beauftragt, ist das schlicht rechtswidrig. Das Persönlichkeitsrecht ist in eklatanter Weise verletzt worden. Die schwarzen Schafe in den Medien müssen geächtet werden. Investigativer Journalismus ist gut und wichtig. Seine Aufgabe besteht aber nicht darin, private und intime Beziehungen von Abgeordneten auszuspionieren." (Quelle: Die Welt)

Thomas Oppermann (SPD), parlamentarischer Geschäftsführer: "Wenn das zutrifft, ist es ein unverschämter Übergriff in die Privatsphäre von Personen, die im öffentlichen Leben stehen." (Quelle: Spiegel Online)

Horst Seehofer (CSU): "Die DDR ist doch vorbei." (Quelle: Süddeutsche Zeitung, nur Print)

Hendrik Thalheim (Die Linke), Sprecher der Bundestagsfraktion: "Diese Praktiken kommentieren sich von selbst. Ein Verlag, der sich ihrer bedient, hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun." (Quelle: Süddeutsche Zeitung, nur Print)

Dietmar Bartsch (Die Linke), Bundesgeschäftsführer:
"Es ist unfassbar, was in diesem Land geschieht. Eigentlich müsste sich der Verlagschef Hubert Burda für diese Vorgänge entschuldigen." (Quelle: Spiegel Online)

Christian Schertz, Berliner Medienanwalt: "Sollten die im ‚Stern‘ beschriebenen Methoden tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wäre dies eine neue Qualität der Verrohung von Boulevardjournalismus in Deutschland. Das gezielte Beschatten und
Auflauern von Prominenten, um Informationen über eine private Liebesbeziehung zu erhalten, ist durch keinerlei Informationsinteresse der Öffentlichkeit gerechtfertigt." (Quelle: Spiegel Online)

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