Bunte-Affäre: Dementis, Klagen, Kuriositäten

Nach den Enthüllungen des Stern über Politiker-Bespitzelungen einer von der Zeitschrift Bunte beauftragten Agentur CMK verhärten sich die Fronten zwischen den Verlagen Burda und G+J. Burda-Vorstand Philipp Welte bezeichnete die Geschichte in der FAZ als "den dümmlichen Versuch, durch lautes Blöken vom journalistischen Niedergang des Stern abzulenken". CMK-Geschäftsführer Stefan Kiessling distanziert sich derweil in einer Erklärung von den Vorwürfen. Trotz der Dementis bleiben etliche Merkwürdigkeiten.

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Stefan Kiessling, der Chef der Berliner Agentur CMK verbreitete am Donnerstag einen Schriftsatz. Darin heißt es: "Unsere Mitarbeitenden sind gehalten, die journalistischen Richtlinien strikt zu befolgen." Ein Verhalten, wie es in der Stern-Geschichte geschildert wird, dulde die Agentur „in keinster Art und Weise." CMK habe die Zusammenarbeit mit den "freischaffenden Mitarbeitern", die im Stern zu Wort kommen, im April 2009 aufgekündigt, weil deren Arbeitsmethoden mit "den professionellen Grundsätzen der CMK Images nicht vereinbar waren."
Bei Bunte scheint man unterdessen wild entschlossen, den Stern wegen Verleumdung und Geschäftsschädigung zu verklagen. Der Chefjurist und assoziierte Burda-Vorstand Robert Schweizer prüft derzeit, an welchem Gerichtsort das Verfahren gestartet und ob zunächst auf Unterlassung geklagt werden soll. Falls tatsächlich der Tatbestand der Geschäftsschädigung eines Wettbewerbers ins Feld geführt werden sollte, dürfte es auch um eine Schadenersatzforderung gehen – mit unabsehbaren Folgen für das künftige Verhältnis beider Verlage. Die starken Worte von Vorstand Welte lassen jedenfalls nicht darauf schließen, dass es zwischen den beiden Verlagen in Hamburg und München bald einen Burgfrieden geben wird.

Einige Merkwürdigkeiten aber bleiben. So hat die Bunte-Schwesterzeitschrift Focus, in Ausgabe 48/2009 bereits ausführlich über eine Observation Oskar Lafontaines berichtet. Damals Focus-exklusiv. Wenn man den Text heute nachliest, erscheint er in gänzlich anderem Licht. "Oskar Lafontaine hat offenbar noch ganz andere Gegner", heißt es da mit Bezug auf seine partiinternen Rivalen. Und weiter in bester Investigativ-Sprache: "Unheimliche Gegner. Solche, die in seinem Berliner Privatleben herumschnüffeln, mit hinterhältigen Methoden. Denn Focus-Recherchen ergaben: Diverse Privatdetektive waren auf die Zielperson Lafontaine angesetzt. In Sicherheitskreisen kursieren Hinweise, dass er sogar in diesem Jahr beschattet worden sei. Einer der bekanntesten und umstrittensten Spitzenpolitiker der Republik wurde systematisch ausgespäht."

Nicht nur Lafontaine wurde systematisch ausgespäht, wie man heute weiß, sondern auch Franz Müntefering und offenbar auch Horst Seehofer. Focus zitierte in Ausgabe 48/2009 ausführlich aus Überwachungsprotokollen: "Es ist der 10. Dezember 2007. Gleich mehrere Observationsteams sind an diesem Tag im Fall Lafontaine unterwegs. Sie beobachten, wie der Spitzenpolitiker mit Gregor Gysi, seinem Co-Fraktionschef im Bundestag, in einem Berliner Restaurant tafelt. (…) Während des Abendessens klingelt Lafontaines Handy, notieren die Privatermittler vor Ort." Die akribischen Schilderungen legen den Verdacht nahe, dass dem Focus die Observationsprotokolle vorlagen. Offenbar handelte es sich hier allerdings um eine Beschattung, die mit den Aktivitäten von CMK nicht in Zusammenhang stand.

Der Chef der bei der Observation federführenden "Sicherheitsfirma", der "unter strenger Geheimhaltung möglicher Auftraggeber" Ermittler zu Einsatzorten beorderte, wurde damals von Focus befragt. Er gab in Burdas Nachrichtenmagazin zu Protokoll: "Ich weiß, dass da mal was gelaufen ist. Aber Näheres kann ich Ihnen nicht sagen." Daraufhin fragte die Focus-Redaktion, wer die "brisante Beschattung" initiiert und bezahlt haben könnte. Zitat aus dem Focus: "Waren es womöglich parteiinterne Gegner, die der umstrittene Ober-Linke zuhauf hat? Verbirgt sich dahinter eine eifersüchtige Ehefrau, sprich Christa Müller? Oder gibt es einen ganz anderen Hintergrund?" Heute kann man zumindest für die folgenden Monate im Jahr 2008 sagen: Ja, den gab es.
Agentur-Chef Kiessling argumentiert, dass es sich bei den vom Stern protokollierten umstrittenen Methoden um das Fehlverhalten Einzelner gehandelt habe: "CMK IMAGES musste bedauerlicherweise feststellen, dass die Arbeitsmethoden der beiden Freischaffenden mit den professionellen Grundsätzen der CMK IMAGES nicht vereinbar waren." Bezüglich der vom Focus berichteten Observation Oskar Lafontaines erklärte Kiessling gegenüber MEEDIA: "Die CMK hat mit der angeblichen Bespitzelung von Oskar Lafontaine, wie der Focus in seiner Ausgabe 48/2009 berichtete, nichts zu tun. Es ist unwahr, dass die Bunte diesen Auftrag an CMK erteilte. Es ist weiterhin unwahr, dass die CMK in Form von Recherchen, oder sonstig in dieser Sache tätig war." Dies erhärtet die Vermutung, dass es neben der Beschattung Anfang 2008, von der im Stern-Artikel die Rede ist, noch eine weitere Bespitzelung des Politikers von anderer Seite gegeben hat.

Beim Stern ist man überzeugt, im Detail korrekt berichtet und nicht den Eindruck erweckt zu haben, dass die Bunte über Einzelheiten der Recherche genau informiert war. Zudem habe man der Chefredaktion die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben und deren Einlassungen auch in den Artikel eingearbeitet.

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