Bunte kündigt Klage gegen Stern an

Die Fronten zwischen Burda und Gruner + Jahr verhärten sich: Nachdem das Magazin Stern in der neuen Ausgabe enthüllt, dass die Münchener People-Zeitschift Bunte das Privatleben prominenter Politiker über Monate von einer Berliner Agentur hatte ausspähen lassen, kündigte der Verlag an, juristische Schritte gegen den Stern einzuleiten. Interessant ist dabei der Klagegrund: Laut Burda handelt es sich um "den Versuch der Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers". Beim Stern reagiert man gelassen.

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Worum geht es? Der Stern-Bericht stützt sich auf interne Unterlagen der Berliner Agentur CMK sowie auf die Aussagen von zwei ehemaligen Mitarbeitern der Firma. Danach soll der ehemalige SPD-Chef Müntefering seit Ende 2008 über Monate hinweg unter Beobachtung gestanden haben. Lafontaine (die Linke) habe Anfang 2008 im CMK-Fokus gestanden und auch der heutige CSU-Parteichef Horst Seehofer soll sich im Visier der Berliner Agentur befunden haben. Dabei seien Methoden angewandt worden, die landläufig eher mit Geheimdiensten als mit journalistischen Rechercheuren in Verbindung gebracht werden.
Die Bunte widerspricht der Darstellung des Hamburger Magazins vehement: "Obwohl die Chefredaktion am vergangenen Freitag auf Anfrage des Sterns schriftlich klargestellt hat, dass sie von unseriösen Recherchemethoden nichts gewusst hat, erweckt der Stern in seinem Artikel den Eindruck, als stecke Bunte hinter den gemutmaßten unsauberen Recherchemethoden." Fakt scheint allerdings, dass die People-Zeitschrift die Beobachtung in Auftrag gegeben hat und dafür laut Süddeutscher Zeitung insgesamt 242.000 Euro an CMK überwiesen haben soll. Auf Seiten von Burda heißt es dazu, dass diese Summe von der Größenordnung her stimme, aber über Jahre für eine Vielzahl von Dienstleistungen angefallen sei und so hohe Beträge keinesfalls für lediglich drei Politiker-Geschichten aufgewendet würden.

Die versuchte Verleumdung eines Wettbewerbers sieht man bei Burda so motiviert: "Seit Quartal II/2009 liegt Bunte laut IVW im Einzelverkauf, der härtesten Währung des Zeitschriftenvertriebs, vor dem Stern." Die Bunte verweist darauf, dass man in den drei vom Stern genannten Fällen die Agentur um eine journalistische Fotorecherche gebeten habe: "Es ist ein übliches journalistisches Vorgehen, dass externe Dienstleister mit Recherchen beauftragt werden, wenn Hinweise überprüft werden sollen. Die CMK ist eine von zahlreichen deutschen Presseagenturen, die Redaktionen Fotos und Recherchematerial anbieten. Auch die Bunte hat der CMK Foto- und Recherchematerial abgenommen."

Und weiter: "Bunte kennt die Berliner Foto- und Presseagentur CMK als journalistisches Unternehmen, deren Mitarbeiter überwiegend dem deutschen Journalistenverband angehören. Über unseriöse Recherchemethoden ist Bunte nichst bekannt." Der Stern schreibe in seinem "diffamierenden Artikel", dass privat sei, was beruflich und politisch keine Relevanz besitze. Bunte hält dagegen: "Im Fall Seehofer hat der Stern ebenfalls mit der Agentur CMK zusammengearbeitet und ein CMK-Foto der Seehofer-Geliebten mit Kind veröffentlicht."
Auf MEEDIA-Anfrage erklärte Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn hierzu: "Wir haben, wie viele andere Blätter auch bereits veröffentlichte Fotos der von CMK nachgedruckt, aber der Stern hat dieser Agentur nie einen Auftrag gegeben." Im Fall Seehofer sei ein Artikel zu einem Gespräch des Stern mit dem Politiker über sein uneheliches Kind mit einem Foto von CMK illustriert worden: "Diese Fotos sind bei einer ganz normalen Datenbankabfrage von Bildagenturen erhältlich." Dies sei mit aktiven Rechercheaufträgen, wie sie die Bunte gegeben habe, überhaupt nicht vergleichbar. Dass die Münchner nun juristische Schritte einleiten, verwundere ihn: "Ich wüsste nicht, wogegen die klagen wollen."
In der Mitteilung der Münchner heißt es weiter: "Bunte hat den Inhaber der Berliner Presse- und Fotoagentur, Stefan Kießling, zu den im Stern erhobenen Vorwürfen um Auskunft gebeten. Stefan Kießling hat der Bunte-Chefredaktion versichert, dass seine Agentur die im Stern gemutmaßten unlauteren Recherchemethoden nicht angewendet hat. Ferner erklärte er, dass er sich von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der Stern als Informanten beruft, im April 2009 im Streit getrennt habe."

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