Zeit Campus: Neon für Studenten

Jeder, der sich einmal vor Prüfungsvorbereitungen drücken will, kennt das: Man räumt erstmal seine Bude auf, entsorgt alte Dinge, kauft sich was neues Schönes. Manch einer nennt das Kreativphase. Das Studenten- und Absolventenmagazin Zeit Campus hat sich auch so eine gegönnt: Cover und Layout wurden überarbeitet, dazu gibt es mehr Platz für Geschichten und Bilderstrecken. Einzig die regelmäßig erscheinende Beilage zum Thema "Berufsbilder" grenzt das Heft jetzt noch von seinem geheimen Konkurrenten Neon ab.

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Zeit Campus gibt es jetzt seit drei Jahren. Der kommissarische Chefredakteur Julian Hans will mit dem Relaunch vor allem Hochschul-Absolventen ansprechen, die unmittelbar vor dem Berufseinstieg stehen. "Für diese Phase gibt Zeit Campus ab sofort noch mehr Orientierung, ohne dabei die Themen Hochschule und Studentenleben zu vernachlässigen“, so Hans.
Die Auftaktseiten führen nun schneller als zuvor in die Rubriken "Studieren", "Arbeiten" und "Leben" ein. Die neue Schrift bei den Überschriften, sie heißt Knockout, kommt nun in fetten Lettern daher, die alles andere als dröge aussehen. Im Ganzen wirkt das Heft weder bieder noch perfekt, sondern kommt locker flockig daher – wie man es von einem Studentenmagazin erwartet.

Inhaltlich bleibt sich das Blatt aber treu. Mal geht es um ernste, gut recherchierte Themen wie die zehn größten Verschwendungen des Asta, mal um die typischen Service-Studenten-Themen zum Thema Master, Promotion und Weiterbildung.

In der Rubrik "Arbeiten" geht es um die ersten Schritte im Berufsleben. In der aktuellen Ausgabe wird der Arbeitgeber Kirche vorgestellt. EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann spricht in einem Interview über Jobs in der Diakonie. Zudem werden in einer überzogenden Darstellung Kriegsinstrumente für das Büro vorgestellt, die die tägliche Frustration erträglicher machen sollen.
Die Titelgeschichte ist im Ressort "Leben" untergeordnet und stellt ein Thema dar, dass die Frauenbeauftragten aller Universitäten sicherlich begrüßen würden: Warum Frauen besser an der Uni sind, Männer später aber die besseren Jobs kriegen. Hier wurde ein Dialog zwischen Mann und Frau via E-Mail abgedruckt und hebt sich von den anderen Fließtexten im Heft ab. 

Die neue Beilage Berufsbilder fügt sich im Wesentlichen nahtlos ein in das Look & Feel des eigentlichen Heftes. Typo und Bildsprache sind identisch. Nur das Format ist ein wenig größer.

Inhaltlich widmet sich die Beilage auf 28 Seiten dem Arbeitsmarkt 2010. Sieben Branchen werden vorgestellt. In der linken Spalte finden die Leser jeweils die Informationen, wer gesucht wird und welche Summen für entsprechende Jobs gezahlt werden. In der ersten Ausgabe sind das die Berufsfelder Versicherungen & Banken, Handel, Energie, Kanzleien, Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer und Pharmaindustrie.
Die Tätigkeitsfelder werden auf unterschiedliche Weisen vorgestellt. So interviewt etwa ein Student mehrere junge Unternehmensberater, um herauszufinden, ob dieser Beruf etwas für ihn ist. Bei der Berufsgruppe der Pharmazeuten erklären drei Forscher, wie ihr Alltag aussieht. Für Berufseinsteiger bietet die Beilage nützliche Informationen auf unterschiedlichen Perspektiven. Mehrwert: mindestens Abwechslung beim Lesen. Am Ende jeder Ausgabe kommt je ein Personaler in der Kolumne "So denken die Personal-Chefs" zu Wort. Thema der ersten Ausgabe: "Eine Frage des Typs".
Anzeigen-technisch kann die Beilage von Zeit Campus auch hier ordentliche Buchungen vorweisen: Neun Anzeigenseiten, also rund ein Drittel des Gesamtumfangs. Die meisten sind Recruiting-Anzeigen. Das Hauptheft ist ebenfalls gut bestückt: Von den insgesamt 84 Seiten sind knapp 14 Anzeigenseiten auszumachen.
Im Ganzen ist das Konzept von Zeit Campus durchdacht und greift die wesentlichen Themen auf, die Twens zwischen Studium und Beruf sowie das Leben dazwischen bewegt. In dem neuen Look kommt das Heft gelassener daher und kann prima in der Lernpause bei Latte Macchiato und Zigarette gelesen werden. Dennoch kann man die Augen nicht davor verschließen, dass das neue Layout und die alten Inhalte stark an etwas erinnern, was es längst schon gibt: das G+J Lifestyle-Heft Neon, dass sich zwar an die selbe Zielgruppe richtet, aber typische Studententhemen nicht in den Vordergrund rückt.
Zeit Campus erreicht laut IVW aktuell einen Gesamtverkauf von 102.038 Exemplaren. Dabei sank der Einzelverkauf in den letzten zwölf Monaten um 17 Prozent auf 22.577 Hefte. Die Abos konnte der Verlag im selben Zeitraum hingegen um sechs Prozent auf 45.457 Exemplare steigern. Das Heft erscheint zweimonatlich und kostet 2,50 Euro.
Zum Vergleich: Konkurrenzblätter wie das jüngst eingestellte Blatt Junge Karriere aus der Verlagsgruppe Handelsblatt oder der Hochschulanzeiger der FAZ kommen auf 140.178 Exemplare (laut IVW III/09) bzw. 99.839 Exemplaren (laut IVW IV/2009 bei ).

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