Clap ist erwachsen geworden

Die Macher des Medien-People-Magazins Clap, Peter "Bulo" Böhling und Daniel Häuser, könnten es womöglich als Beleidigung verstehen, wenn man ihr schönes Heft als "erwachsen" bezeichnet. Aber keine Bange: Inhaltlich ist Clap auch nach dem gerade erfolgten Relaunch frech, witzig und unverkrampft originell geblieben. Rein optisch ist das Heft nun aber endgültig den Kinderschuhen entwachsen. Das Medien-Blatt mit dem ungewöhnlichen Geschäftskonzept ist zu einem echten Branchenliebling geworden.

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Kaufen kann man Clap nicht, man muss sich "bewerben". Die Macher schicken einem das Heft zu, sobald Clap über einen berichtet hat. Wer nicht zu den Medien-Mächtigen der Republik gehört, über die berichtet wird, darf eine brave Anfrage stellen und wird dann – vielleicht – auch bedacht. Kosten tut das nix, auch wenn auf der Titelseite 3 Euro draufsteht. Dafür können sich die Macher rühmen, ihre rund 2.000 Exemplare an eine wirklich handverlesene Zielgruppe auszusenden.

Das Konzept ist das exakte Gegenteil von Masse und vielleicht funktioniert es gerade darum. In Clap geben sich auch sonst eher zugeknöpfte Zeitgenossen erstaunlich offen. Im aktuellen Heft beispielsweise öffnet IDG-Manager York von Heimburg sein Büro, zeigt seine selbstgemachten Kunstwerke und posiert fürs Foto mit seinen Bongos. Man bleibt ja quasi unter sich. Offenbar goutieren auch Anzeigenkunden das Konzept. In der Relaunch-Ausgabe findet sich u.a. Werbung von Microsoft, Astra, Tele 5 und der Süddeutschen Zeitung. So manches Branchenblatt schleckt sich die Finger nach solchen Anzeigen.

Was ist das Rezept? Zunächst einmal nimmt Clap die Macher und ihre Branche erfreulich unernst. Der Untertitel "Für Neugierige, Eitle und Schadenfrohe" ist Programm. Das Heft ist amüsant, ohne dass die Leute vorgeführt werden. Das ist vielleicht die höchste Kunst überhaupt: Die oft hochempfindliche Branche so auf die Schippe zu nehmen, dass sich keiner auf den Schlipps getreten fühlt. Die Texte in Clap sind erfreulich kurz, meistens gibt es vor allem Bilder, Cartoons oder witzige Ideen. Aktuell zum Beispiel zeigen anlässlich der Best Brand Medienmanager die Labels ihrer Sakkos. Da muss man erstmal drauf kommen. Die seltenen längeren Stücke sind dann aber von ausgesuchter Qualität. So auch im neuen Heft das tolle Porträt der taz-Chefin Ines Pohl inkl. prima Bildern.

Wer steckt dahinter? Die Clap-Macher sind in erster Linie die beiden ehemaligen werben & verkaufen-Redakteure Peter Böhling und Daniel Häuser, die beide als Chefredakteure grüßen. Böhling ist zusammen mit Media-Legende (Selbst-Einschätzung) Thomas Koch auch noch Herausgeber. Böhling hat selbst schon diverse Cartoon-Reihen erdacht ("Herr Scheffe", "CreativeMan, "El Fonso") die stets die Medien-Branche zum Thema hatten. Seine Cartoons ziehen sich auch durchs Heft. Neben Clap betreibt er noch ein Redaktionsbüro, mit dem er sich u.a. um Kundenmagazine kümmert.

Das vielleicht größte Kompliment für die Clap-Macher aber ist, dass ihr Ex-Arbeitgeber mit w&v Society versucht hat, das Konzept relativ schamlos zu kopieren. Das ist vor allem deshalb einigermaßen pikant, weil die Clap-Macher ihr Konzept ursprünglich mal als Beilage für die große w&v umsetzen wollten. Daraus wurde nichts. Das, was jetzt aus Clap wurde, ist dafür umso erfreulicher.

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