ZDF: Brender sieht Stasi-ähnliche Zustände

Scharfe Worte des scheidenden ZDF-Chefredakteurs: In einem Interview mit dem Spiegel spricht Nikolaus Brender davon, dass es im ZDF ein internes "Spitzelsystem“ gebe, dessen Aufgabe es sei, die Parteien mit "Senderinterna" zu versorgen. Dieses System sei "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Der Vertrag des 61-Jährigen war auf Druck der Unionspolitiker im Verwaltungsrat des Senders nicht verlängert worden und läuft Ende März aus. Er sagte auch: "Ich bin erleichtert, dass es jetzt zu Ende geht."

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Dass er nach dem zermürbenden Machtkampf zwischen Intendant Markus Schächter, der ihn halten wollte, und Hessens Ministerpräsident Roland Koch, dem Wortführer der Brender-Kritiker, die Mainzer letztlich erleichtert verlässt, erklärt der Chefredakteur im Spiegel so: "Dass mit dem Gewürge um meine Person nun Schluss ist …, das gibt mir meine persönliche Freiheit zurück."
Brender beschreibt das "Spitzelsystem" als ein feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten, "aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten lassen". Er selbst nimmt für sich in Anspruch immer versucht zu haben, "solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten". Der Chefredakteur berichtete dem Spiegel auch, dass er das Spitzelproblem sogar bei Schaltkonferenzen angesprochen habe, "indem ich mal den einen als ‚IM Rotkehlchen‘, beschimpft habe und mal den anderen als ‚IM Schwarzfuß‘." Brender zeigte sich überzeugt, dass sich "aus solchen trüben Quellen" die Meinungsbildung der Parteien über "ihre Sender" speise, dabei seien auch "Halbwahrheiten und Diffamierung" inbegriffen gewesen.
Dass er senderintern auch als Choleriker gegolten habe, wollte Brender so nicht stehen lassen, aber: "Ich bin kein Diplomat und kein wandelnder Vermittlungsausschuss. Einigen bin ich auf die Füße getreten. Das bringt der Job mit sich." Brender kritisierte auch erneut, dass er aus einem Zeitungsinterview erfahren habe, "was Herr Koch mir vorwarf", nachdem er "zehn Jahre lang für meine Arbeit eigentlich nur gelobt" worden sei. Brender sieht seine Entmachtung als Folge seiner steten Weigerung, dem parteipolitischen Druck nachzugeben: "Ich selbst hatte ein chronisch angestrengtes Verhältnis zu allen Regierungssprechern …, die immer mal wieder versuchten, Berichterstattung zu beeinflussen."
Seine Hoffnungen setzt Brender, der weiter als Journalist, aber nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Bereich tätig bleiben will, nun auf das Bundesverfassungsgericht. Dies sei "die einzige Institution, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsferne, Form und damit Zukunft sichern kann."

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