VC-Manager: „Apps sind Mist“

Die Internet- und Medienwelt ist verrückt nach Apps. Die sogenannte App-Economy, das Geschäft mit kleinen Programmen für Smartphones und bald Tablet-PCs, gilt als das heiße Ding der Stunde. Der US-amerikanische Manager Mark Suster, Partner beim Venture Capital Unternehmen GRP, hält in seinem Weblog eine bemerkenswerte Gegenrede auf die Hoffnungen, die mit Apps verknüpft werden. Er sagt: "App is Crap" - "Apps sind Mist". MEEDIA hat seine zentralen Thesen übersetzt und zusammengefasst.

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Suster zieht in seinem Beitrag den Vergleich zwischen der aktuellen App-Hysterie und dem Hype um die erste Ausprägung des mobilen Internet, genannt WAP. Bei Podiumsdiskussionen und Panels sei jeder gefragt worden "Sagt uns, was ihr mit WAP macht?", schreibt Suster. In dem selben Stil wie in "Sagt uns, was ihr in China macht?" oder "Sagt uns, was ihr mit ortsbezogenen Diensten macht?"

Heutzutage wollten alle möglichen Leute eine neue iPhone App. "Was macht ihr mit dem iPhone?", sei das neue Mantra der Branche. Suster: "Es ist ein Schritt rückwärts, eine Verschwendung für die meisten Marken und ein Vetriebskanal verkleidet als Geschäftmodell."

Folgende Probleme identifiziert Suster bei der App-Economy:

– Jede Firma, die Apps entwickeln möchte, braucht ein Entwickler-Team für das iPhone. Solche Leute seien derzeit sehr gefragt und entsprechend teuer. Gleichzeitig brauche man aber womöglich noch Entwickler für den Android Marketplace und für den App-Store von Palms Pre, für den Blackberry und für den Store, den Nokia für sein Symbian Betriebssystem entwickelt und womöglich noch für einen Store beim neuen Windows Mobile 7. Statt eine Anwendung für das mobile Internet zu entwickeln, müssten Firmen für Apps zahlreiche teure Entwickler-Teams unterhalten, die für jede Umgebung neue Apps programmieren. Das macht die Sache teuer und ineffizient.

– Apple ist der neue Gatekepper der App-Economy. Der Computerhersteller reklamiert einen beträchtlichen Betrag des App-Umsatzes auf dem iPhone für sich und bestimmt die Bedingungen und die Zulassungen für Apps. Die Kriterien, nach denen Apple Apps genehmigt oder ablehnt bleiben zudem im Dunkeln. Suster bringt als Beispiel den Ärger um die von Apple gesperrte Google-Voice-App in den USA. "In einem freien Markt sollte so etwas nicht möglich sein", argumentiert er.

– Dass Apple die Flash-Technik auf dem iPhone und dem kommenden iPad nicht unterstützt, hat für Suster andere Gründe, als dass Flash angeblich zu schlecht programmiert sei. Apple wolle sich durch das Flash-Verbot die zahlreichen kostenlosen Flash-Anwendungen und -Spiele aus dem Internet vom Hals halten, um bei Spiele-Apps für das iPhone kassieren zu können. Für Entwickler bedeute das Flash-Verbot wiederum doppelten Aufwand. Alles, was im Internet für Flash entwickelt wurde, muss für iPhone und iPad aufwendig nachgebaut werden.

– Apple kann jederzeit die Nutzungsbedingungen seines App-Stores ändern, was es für andere Firmen sehr schwierig macht, ein beständiges Geschäftsmodell zu entwickeln. So habe Apple durchblicken lassen, dass sie sich möglicherweise bei ortsbezogenen Anzeigen engagieren wollen. Sollte man als Firma mit einer App in dieser Branche aktiv sein, muss man fürchten, dass Apple das Produkt aussperrt, sobald sie selbst in diesem Sektor aktiv werden.

– Für Marken gebe es zudem keinen triftigen Grund, mit einer eigenen App auf dem iPhone präsent zu sein. "Ich glaube kaum, dass Nutzer 500 Marken-Apps auf ihren Telefonen haben wollen", schreibt Suster. Was Marken seiner Meinung nach stattdessen brauchen: "Eine gute Website." Und zwar eine, die auch auf Mobilgeräten ordentlich dargestellt wird.
Laut Suster werden mit den Apps die Fehler aus früheren PC-Tagen wiederholt. Mittlerweile sei man für PCs soweit gekommen, die Vorteile des Web und des Cloud Computing zu erkennen und dank fortgeschrittener Technik auch nutzen zu können. Die Zukunft liegt darum seiner Meinung nach in einer Weiterentwicklung des mobilen Internet. Es gebe keinen Grund, warum man viele Programme physisch auf einem Mobilgerät speichern muss. "Wenn Cloud Computing für Desktop-Anwendungen sinnvoll ist, dann ist es das für unser mobiles Leben ganz sicher auch."

Mark Suster hat zwei Firmen gegründet und verkauft. Er arbeitet seit 2007 als Partner bei dem Venture-Capital-Unternehmen GRP.

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