RTL schickt Problem-Kids in die Wüste

Knallende Türen, fluchende Kids, völlig überforderte Eltern: Das sind die Grundvoraussetzungen, um bei der Doku-Soap "Teenager außer Kontrolle – Letzter Ausweg Wilder Westen" mitmachen zu können. Und wenn die Konflikte nicht hart genug sind, hilft das Kamera-Team eben ein wenig nach. Ab heute Abend werden wir wieder Zeuge, wie angeblich total verkorkste Jugendliche von RTLs Therapeuten-Stab zurück auf den Pfad der Tugend gebracht werden – Scripted Reality mit pädagogischem Anspruch.

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Janine (14), Patrick (16), Nathanael (16), Kira (16), Robin (16) und Jana (13) sind Kids, bei denen die Erziehung der Eltern offenbar versagt hat. Alle stehen sie mit einem Bein auf der Straße oder im Knast. Janine ist die "Oberzicke", ihr Mittelfinger ist etwa genauso oft im Fernsehbild zu sehen wie ihr Gesicht. Patrick wird als "Messerstecher aus Köln" vorgestellt, Nathanael ist trotz seines jungen Alters bereits "Gangsterboss" in Hamburg, Kira lebt die meiste Zeit auf der Straße, Robin ist "Dauerkiffer" und spielt Baller-Spiele am PC, und die 13-jährige Jana ist so gewalttätig, dass ihre Mutter um ihr Leben fürchtet und in der ganzen Wohnung Bewegungsmelder und Überwachungskameras installiert hat.
Der Zuschauer ist ob des enormen Gewaltpotenzials der Jugendlichen geschockt. Kein Wunder also, dass die Eltern sie in ein Therapie-Programm in die USA schicken. Doch halt: Wie kommt es überhaupt, dass der Zuschauer all die Ausraster mitbekommt – die Mittelfinger, Schimpfworte und zerbrochenen Möbel? Was auch immer hinter verschlossenen Türen in der Intimsphäre der Familien passiert, RTL war bereits vor der Therapie dabei, zur Not werden Szenen aus den einschlägigen Polizei-Akten einfach nachgestellt.
Wie mag das abgelaufen sein? Vielleicht so: "Janine, guck‘ mal böse und streck deinen Mittelfinger in die Linse." Oder: "Nathanael, jetzt geh‘ doch mal auf den anderen Jungen zu und hau‘ ihm richtig eine ins Gesicht." RTL macht aus den sechs Kids, die sicherlich Probleme haben und auch verursachen, hoffnungslose Fälle, die nur noch den einen Ausweg haben: Das "Monarch Center" in Colorado soll mit seinem Therapie-Programm die Jugendlichen wieder in die Spur bringen.
Dabei ist der pädagogische Ansatz vielversprechend. Die Therapie soll die Jugendlichen von allen Ablenkungen befreien: Sie geben ihre Kleidung und ihren Schmuck ab, bauen sich Zelte im Monument Valley, wo sie zunächst relativ isoliert voneinander zu sich selbst finden sollen. Erstaunlich schnell bröckelt die coole Fassade der Kids. Nach einem Ausbruchsversuch begreift auch Patrick, der wohl schwierigste Fall, dass er sich auf das Programm einlassen muss. Ziel ist es, alte Verhaltensmuster abzulegen und die Konsequenzen ihres bisherigen Lebens zu erkennen.
Der Ansatz des Therapeuten-Teams um Annegret Noble ist im Vergleich zu den vorangegangenen Staffeln ganzheitlicher geworden. Erstmals nehmen auch die Eltern der Jugendlichen an einer Therapie teil. Sie reisen getrennt von ihren Kindern in die Wüste von South Dakota, um herauszufinden, was sie tun können, um die Familien-Probleme zu meistern.
MEEDIA-Fazit: Wen RTLs Inszenierungen, die aus pubertierenden Teenagern völlig überzeichnete Charaktere machen, nicht nerven, der kriegt durchaus brauchbare pädagogische Ratschläge geboten. Allerdings scheint es moralisch äußerst fragwürdig, wie der Sender aus den Kids unberechenbare Messerstecher, Kiffer und Kleinkriminelle macht, bedenkt man, dass die jüngste Teilnehmerin ein Kind von 13 Jahren ist. Der Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen dürfte sich wie bei den drei Staffeln zuvor bei rund 20 Prozent einpendeln.
RTL zeigt in acht neuen Folgen "Teenager außer Kontrolle – Letzter Ausweg Wilder Westen" jeweils mittwochs um 20.15 Uhr. Produziert wird das Format von der Tresor TV Productions GmbH.

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