Jung von Matt verhebt sich an uMag

So wird ein Heft gemacht: Die Werbeagenturen kreieren die Print-Anzeigen und die Inhalte zwischen der Reklame werden von Journalisten und Layoutern gefüllt. Der uMag-Relaunch reißt diese klassische Aufteilung ein. Denn konzipiert wurde der Umbau des Bunk-Titels in Zusammenarbeit mit Jung von Matt/Elbe. Heißt: die Schöpfer der Werbung haben die Zwischenräume diesmal gleich mit gestaltet. Das Ergebnis soll ein People-Magazin mit Haltung sein, das aber im wahrsten Sinne des Worts blass daher kommt.

Anzeige

In seiner Selbstdefinition ist das neue uMag um eine klare Kante bemüht. Es bezeichnet sich selbst als "People-Heft", indem es "um Protagonisten der jungen Szene und Alternativkultur geht, die Glaubwürdigkeit mit Qualität verbinden. Dabei ist die Haltung dieser Persönlichkeiten ebenso zentral wie die Haltung des uMag zu ihnen."

Klingt gut. Konkret bedeutet das: Die Top-Themen des Heftes sind das Rock-Duo Blood Red Shoes, der Modedesigner Patrick Mohr, die Performance-Gruppe Gob Squad oder die Hip Hopper von Fettes Brot.

Von dem Themenmix sollen sich vor allem "lässige, gebildete, szenige und meinungsstarke" Großstädter zwischen 20 und 39 Jahren angesprochen fühlen. Verlagschef Uwe H. Bunk und Chefredakteurin Jutta Rossellit sind davon überzeugt, dass diese Zielgruppe "kaum Tageszeitungen" liest und "am Zeitschriftenkiosk nur wenig Geeignetes" für sich zu finden erwartet. "Dafür hat die Zielgruppe das Netz und Community-Seiten wie Facebook stark in ihren Alltag integriert." Diesen veränderten Lesegewohnheiten wollen die Macher Rechnung tragen, indem sie "verstärkt auf kurze, konzentrierte Texte" setzten, "die vernetzt und nach Themen geclustert werden. Zum anderen wird langen Artikeln in neu strukturierter Form der nötige Raum gegeben."

Schöne Worte, doch das Ergebnis begeistert wenig. Beim Blick auf das neue Heft fällt als erstes das graue Papier auf. Es sorgt dafür, dass das gesamte Magazin eine trübe Anmutung bekommt. Glänzende und starken Farben oder harte Kontraste fehlen. Das hat den – sicherlich ungewollten – Nebeneffekt, dass die Grenzen zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt komplett verschwimmen. Zudem hakt es gewaltig bei der Lesererführung. Denn die einzelnen Ressorts Uniq, Music, Arts und Go ahead!, lassen sich kaum unterscheiden. Es ist nie klar, wo man sich gerade befindet.

Für die Kreativagentur bot das neue uMag "die seltene Möglichkeit, ein Produkt innovativ von Anfang mit und neu zu gestalten und ihr Wissen um die Kraft der Kommunikation einzubinden", wie es in einem Info-Text über den Relaunch heißt. Das erste Heft macht allerdings den Eindruck, dass Bunk besser einen erfahrenen Print-Art Director verpflichtet hätte, der sein Wissen um die Kraft eines klassischen Magazin-Layouts eingebracht hätte.

Bei allen grauen Design-Elementen, könnte man fast übersehen, dass das neu uMag mit einigen neuen und frischen Themen daherkommt. In dem neuen Lifestyle-Heft finden sich viele Storys und Personen, von denen die meisten potentielle Leser tatsächlich noch nie gehört haben. Im redaktionellen Bereich gelingt es dem Magazin deshalb trotzdem immer wieder zu überraschen.
 
Das neue uMag erscheint am 18. Februar. Die verbreitete Auflage liegt bei 50.000 Exemplaren und der Preis bei 3,30 Euro.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige