Don Alphonsos Abrechnung mit Beratern

Don Alphonso hat mal wieder Grundsätzliches zum Zustand der sogenannten Internet-Wirtschaft zu sagen. In der FAZ schreibt der streitbare Blogger einen langen, lesenswerten Beitrag, in dem er sich die Spezies der Internet-Berater vorknöpft. Es handele sich dabei um "Schelmexperten", eine Beratungswirtschaft ohne wirtschaftliche Erfolge jenseits der eigenen Einnahmen. Namentlich bekommen, wenig überraschend, Sascha Lobo, Martin Weigert von "Netzwertig" und Johnny Häusler von "Spreeblick" ihr Fett weg.

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Viel gehöre nicht dazu, "Experte" für Internet-Wirtschaft zu werden, schreibt Don Alphonso. Es reiche ein eigenes Blog und die Behauptung, Experte zu sein. Der Don verweist nicht zu Unrecht auf das Scheitern früherer gehypter Web-Phänomene wie Second Life oder Friendster. "Und 2010 wird man pleitegehen, wenn man nicht bei Foursquare gelistet ist und Applikationen für das iPhone entwickelt", höhnt er. "Die Vorstellung des sozialen Internets als gigantische Tupperwareparty, wo sich Menschen zu ‚Markenfans‘ machen lassen, die frohe Kunde ihren Freunden weitersagen, ist eine Hoffnung geblieben. Statt sich zum Helfer machen zu lassen, tendieren manche dazu, den Firmen Fehlleistungen vorzuhalten", schreibt Don Alphonso.

Damit setzt er einen Kontrapunkt zur gängigen Meinung, dass es die Stärke von Sozialen Netzwerken wie Facebook ist, Nutzer als Kunden emotional zu packen. Es ist wohl die berühmt berüchtigte Meinungs-Pluralität der FAZ, wenn am gleichen Tag wie das Don-Alphonso-Stück im FAZ-Blog Netzökonom ein Text über die Stärken der Facebook-Strategie erscheint. Unter dem Titel "Die Schöne und der Nerd" schwärmt Netzökonom Holger Schmidt von der Strategie des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg und seiner Top-Managerin Sheryl Sandberg. Zitat: "Nutzer können auf Facebook ‚Fans‘ einer Marke werden und sie ihren Freunden empfehlen. Persönliche Empfehlungen, so die Idee, wirken viel besser als sterile Werbung. Zudem können die werbetreibenden Unternehmen direkt in Kontakt mit potentiellen Käufern ihrer Produkte kommen."

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich weder in der totalen Ablehnung solcher "sozialen" Marketing-Bemühungen noch im Hochjubeln. Unternehmen müssen sich wohl erst daran gewöhnen, ihre Kunden als kritische Konsumenten zu behandeln und ernst zu nehmen. Und bei der Berater-Zunft wird es auch noch eine Weile dauern, bis sich ernsthafte Zeitgenossen von den sicherlich zahlreich vorhandenen Schaumschlägern der Branche absetzen. Wobei oftmals Unternehmen, die Berater einsetzen, geradezu ein Bedürfnis nach leichtgewichtigen Sprechblasen-Produzenten zu haben scheinen. Und wo eine Nachfrage ist, wird diese auch bedient. Selbst wenn es die Nachfrage nach Web-Windbeuteln ist.

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