Kim Schmitz: Kimble & die Millionen-Villa

Kim "Kimble" Schmitz gilt als einer der schillerndsten Hochstapler der deutschen New Economy-Blase. Kaum ein Gründer feierte spektakulärer und verbrannte mehr Geld für Frauen, Yachten und Jet-Set-Rallyes. Nach einer Verurteilung und einem vermeintlichen Neustart in Hongkong ist der 36-Jährige zurück in den Schlagzeilen. Zumindest in Neuseeland. Dort soll der Kieler der geheime Käufer einer 30 Mio. Dollar-Villa sein. Bei Kimble weiß man nie: Ist die Story eine Ente, ein Trick oder doch wahr?

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Das neue Eigenheim des selbsternannten Hackers hört auf den wohlklingenden Namen Chrisco Mansion und gilt laut New Zealand Herald als das teuerste Haus des Landes. Die Zeitung zitiert eine anonyme Quelle, nach der Schmitz einen langfristigen Leasingvertrag für Haus und Grundstück abgeschlossen haben soll. Sobald die Mietvereinbarung ausläuft, würde der 136-Kilo-Mann das Anwesen komplett übernehmen. Zudem weiß die Autorin zu berichten, dass in der vergangenen Woche lediglich zur Tarnung eine finnische Flagge vor der Chrisco Mansion wehte. Leider kennt der New Zealand Herald weder die Leasingraten noch den Kaufpreis.

Bild.de zeigt, wie Schmitz zu seinen besten Zeiten
das Teppichluder Janina Youssefian nach Monaco einlud

Die Glaubwürdigkeit der Quelle ist unklar. Doch so oder so: Diese Story ist ganz nach dem Geschmack des Möchtegern-Tycoon, der sich selbst den Spitznamen „Kimble“ gegeben hat. Der Name bezieht sich auf die US-Fernseh-Figur Richard Kimble. Der Held der TV-Serie The Fugitive (1963 -1967) befindet sich auf der Flucht vor der Polizei. Mit Schneid und Raffinesse gelingt es Kimble jedoch immer wieder seinen Verfolgern ein Schnippchen zu schlagen.
Schneid hat auch Schmitz. Wie es um seine Raffinesse bestellt ist, sei jedoch einmal dahingestellt. Bereits 1998 wurde Schmitz, der damals ein aktives Mitglied der florierenden Mailbox-Szene war, wegen Betrugs, Computerbetrugs, Bandenhehlerei und des Missbrauchs von Titeln zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Chip.de präsentiert Schmitz bei seiner Teilnahme
an der Jet-Set-Rallye Gumball 3000

Kurz darauf schlug die große Stunde des mittlerweile selbsternannten Hackers. Er gründete die Firma DataProtect, die er zu 80 Prozent an den TÜV Rheinland verkauften konnte. Schmitz war auf einmal reich und wurde zum Playboy. Er nahm an der Gumball-Ralley teil, veranstaltete riesige Partys und katapultierte sich mit völlig überdrehten PR-Aktionen in die Boulevard-Presse. Beispielsweise setzte er eine Belohnung auf Osama Bin Laden aus und gründete die Organisation Young Intelligent Hackers Against Terrorism (Yihat). Kimble behauptete sogar, dass er mit dem FBI zusammenarbeiten würde.
Schmitz vorläufiger Tiefpunkt war im Jahr 2001, mit seinem Einstieg bei Letsbuyit.com, erreicht. Im Zusammenhang mit diesem Investment wurde der Kieler im Januar 2002 in Thailand verhaftet und in München wegen Insiderhandels zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt.
Seitdem wurde es ruhiger um Kimble, der mittlerweile in Hongkong leben und arbeiten soll. Seine eigene Seite zeigt aktuell keine Inhalte. Zuletzt berichtet das Web-Portal Gulli.com, dass Schmitz hinter dem Rapidshare-Konkurrenten Megaupload.com stecken würde. Die Autoren konnten zumindest eine Verbindung zu einer alten Schmitz-Firma herstellen. In der Scheinwelt des Kim Schmitz ist das schon ein knallharter Fakt. 

Kim Schmitz Yacht auf Ibiza 2001.
Quelle: DJ-slaughter.de 

Ansonsten ranken sich überwiegend Legenden um den Kieler. „Noch im Januar 2001 hat die BBC die Mär verbreitet, Kim Schmitz habe einst das Kreditlimit von Bundeskanzler Kohl auf 0 heruntergehackt“, schreibt Torsten Kleinz, der den Versuch unternahm, alle Fakten über Schmitz zusammenzutragen. Weiter erzählt er: „Die Bild verbreitet im Februar 2001 als meist gelesene Zeitung Deutschlands, Schmitz sei in einen Bankrechner eingedrungen und habe 20 Millionen Mark zu Greenpeace transferiert. Dass Greenpeace das Geld nie gesehen hat, stört nicht. Schließlich steht es im Internet“. Mittlerweile finden sich im Web so viele Gerüchte, Geschichten und Anekdoten über den vermeintlichen Hacker, dass sich Wahrheit und Fakten nur noch schwer trennen lassen. Damit hat der vermeintliche Kauf der Chrisco Mansion alles, was eine gute Schmitz-Story braucht. Fortsetzung folgt garantiert. 

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