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Jörg Kachelmann, der heimliche Olympia-Star

Noch bevor die erste Goldmedaille erkämpft war, hatte Deutschland seine erste Olympia-Überraschung: Jörg Kachelmann. Die ARD hatte den Wettermann mit nach Vancouver genommen, von wo er nun unverblümt über das Wetter, Politik und sein Heimatland Schweiz plaudert - und sogar twittert. Doch die ersten olympischen Tage brachten bei ARD und ZDF nicht viele solcher Programm-Highlights. Zu dröge, routiniert, unkritisch und überraschungsfrei laufen die Sendungen ab.

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Gerade auch deswegen, weil graumäusige Moderatoren wie Michael Antwerpes, Claus Lufen, Rudi Cerne und Katrin Müller-Hohenstein ihr Programm so routiniert herunterspulen, fällt jemand wie Kachelmann so positiv auf. Fundiert und amüsant zugleich erklärt er, warum zum Beispiel die Abfahrt der Herren verschoben werden musste und warum sich die Deutschen zu Hause nicht so anstellen sollen mit ihrer Winter-Panik. Schön auch, wie Kachelmann moderne Kommunikationswege nutzt. So hat er extra für Olympia mit dem twittern angefangen. Dort schreibt er heute etwa "Ab Mittwoch viel Sonne für mehrere Tage, natürlich auch dank Ihren Gebührengeldern, in diesem Sinne vielen Dank dafür!".

Und als die ARD-Kommentatoren die einschläfernde Eröffnungsfeier mit ihren harmlosen Sätzen noch einschläfernder machten, sorgte Kachelmann via Twitter für die kritischen Töne, die eigentlich auch ins Fernsehen gehört hätten: "Beeindruckende Eröffnungsfeier über ein großes Land. Es wird kaum etwas daran ändern, dass es kaum Interaktion zwischen den First nations und den ’neuen‘ Kanadiern gibt. Bestenfalls ignoriert man einander, vielerorts gibt es offene Ablehnung und für jede kanadische Regierung ist es die größte Herausforderung: Nur Geld über den Reservaten regnen lassen, scheint nicht in jeder Beziehung zu helfen, Frustration und Alkoholismus lassen sich nicht wegkaufen. Ein großes Land hat auch manchmal große Probleme."

Auch ohne Kachelmann war die ARD am ersten Olympia-Wochenende der Gewinner unter den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern. Insgesamt etwas bessere Kommentatoren, Moderatoren und Experten als beim ZDF – und dazu hat der Nordamerika-Korrespondent Thomas Roth ein paar kritische und interessante Berichte über Vancouver gedreht. Doch bei der Sport-Berichterstattung bleibt bei beiden Sendern noch viel Platz nach oben. Zu immergleich sind die Interviews mit den Athleten, zu unkritisch die Nachfragen bei Flops wie in der Nordischen Kombination und zu freundschaftlich das Beisammensein zwischen Leuten wie Waldi Hartmann und den Athleten im deutschen Haus.

Im Internet hat die ARD ebenfalls die Nase vorn – hier auch noch deutlicher als im Fernsehen. Die Olympia-Website ist modern, individuell anpassbar und zeigt alles Wichtige (Livestreams, Medaillenspiegel, aktuelle News, etc.) auf einen Blick. Das ZDF, sonst eher der Vorreiter im Netz, hat stattdessen eine recht konservative Website ins Netz gestellt. Im Übrigen ist Jörg Kachelmann auch nicht der einzige ARD-Olympionik, der Twitter nutzt. So twittert neben ein paar Kommentatoren und Reportern auch Katarina Witt. Zwar nicht so interessant wie Kachelmann, aber der Wille zählt.

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