ZDF: Rückgänge bei Produktions-Aufträgen

Programmdirektor Thomas Bellut hat den Produktionsfirmen geraten, sich auf ein sinkendes Auftragsvolumen einzustellen. Er will ihnen aber einen "besseren Cashflow gewähren" und dafür künftig schon bei der Auftragsvergabe Geld auf den Tisch legen. Nach der ARD will jetzt auch das ZDF mit den Produzenten faire Vertrags-Vereinbarungen treffen. Dann würden die Erlöse künftig hälftig zwischen Sender und Filmschaffenden geteilt. Eine Einigung liegt aber offensichtlich noch in der Ferne – es riecht nach Streit.

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Im vergangenen Jahr investierte das ZDF laut Bellut 553 Millionen Euro in den freien Produzentenmarkt. Zehn Jahre zuvor seien es noch 350 Millionen Euro gewesen. Mit dieser Steigerungsrate sei es aber vorbei. Vor der Produzentenallianz sagte Bellut nun: "Wir sind hier ‚on the top‘, es wird eher wieder runtergehen." Dafür machte er sinkende Gebühreneinnahmen verantwortlich, nannte aber keine exakten Prognosen.
Bellut sagte weiter, das Volumen für Auftragsproduktionen sei bereits im vergangenen Jahr nicht gestiegen, sondern habe der Summe des Jahres 2008 entsprochen. Gleichzeitig habe sich der Output erhöht: Bei gleichem Budget sei dem ZDF insgesamt 19 Prozent mehr Sendeminuten zugestellt worden. Mit dieser Rechnung ist klar: An vielen einzelnen Produktionen wurden gespart.
Dieser Trend hin zum kostengünstigen Produzieren sei beim ZDF jedoch endlich, so Bellut. Den Weg, den RTL vorangetrieben habe, insbesondere bei den Nachmittagsstrecken, könne das ZDF "nur zum Teil nachgehen". Bellut: "Ein kompletter Systemwechsel ist bei uns jedenfalls nicht zu erwarten."
"Erschrocken" zeigte sich Bellut bei der Frage, wie viele Erlöse eigentlich bei seinem Sender hängenbleiben, wenn das ZDF Filme und Serien in Auftrag gebe. So habe die Revision des Senders für den Zeitraum 2003 bis 2007 festgestellt, dass nach Abzug aller Kosten lediglich zehn Prozent aller Vertriebserlöse dem ZDF zugeflossen seien. Der Rest versickere "in verschiedenen Verwertungsquellen".
Bellut verhandelt gerade mit der Produzentenallianz über eine Vereinbarung, die den Umgang mit diesen und vielen anderen Erlösen regelt, wenn etwa die Tochter ZDF-Enterprises vom Sender selbst in Auftrag gegebene Produktionen ins Ausland lizensiert, auf DVD oder auch auf Portalen wie Maxdome und dem iTunes-Store vertreibt. "Unser Angebot ist, dass die Erlöse zur Hälfte bei den Sendern und zur Hälfte bei den Produzenten hängen bleiben", sagte Bellut.
Die ARD hatte diese Vereinbarung bereits im Dezember geschlossen, das Papier aber unter den Vorbehalt gestellt, dass das ZDF die identischen Bedingungen akzeptiere. ZDF-Programmchef Bellut sprach von "anstrengenden" Gesprächen mit den Vertretern der Produzenten.
Wann sich auch das ZDF mit den Produzenten einigt, war noch völlig unklar. Während Bellut bereits in der kommenden Woche mit einer Einigung rechnet, sagte Christoph E. Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz: "Wir werden Ihnen keinen Vertrag vorlegen, der in der Substanz hinter dem zurückliegt, die wir mit der ARD vereinbart haben. Im Zweifel verhandeln wir mit Ihnen eben härter und länger." Dieser offene Konter zeigt, dass sich das Zweite und die Produzenten bei wichtigen Details noch lange nicht einig sind.
Bellut schmierte ihnen in anderer Sache Honig ums Maul. Um den Produzenten das Leben zu vereinfachen, will er ihnen nach eigenen Angaben einen "besseren Cashflow gewähren". So wolle das ZDF in Zukunft bereits bei der Auftragsvergabe 20 Prozent des Budgets auszahlen, bei Drehbeginn weitere 40 Prozent. "Wir werden alles nach vorne schieben", sagte Bellut.
Der ZDF-Programmdirektor kündigte in Berlin außerdem einen festen Sendeplatz für deutsche Filme auf ZDFneo an. Bellut sagte, sein Sender denke darüber "sehr intensiv" nach und habe sich das für das laufende Jahr "fest vorgenommen". Er müsse vorher aber noch prüfen, ob dafür ausreichend Produktionen in Frage kämen. Auf die Frage von Mitgliedern beteuerte er zudem, dass er nicht am Kinderprogramm sparen wolle.

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