VDZ-Chef kritisiert „Kampfansage“ an Private

Es war klar, dass eine Reaktion der Verlage nicht lange auf sich warten lassen würde. Jetzt hat sich VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner zu den Tagesschau.de-Plänen des NDR geäußert: "Die jetzt öffentlich gewordene Vorlage des NDR-Rundfunkrates über einen Ausbau von Tagesschau.de ist eine Kampfansage an alle frei finanzierten Medien. Die Zeitschriftenverleger werden diese Grenzüberschreitung der ARD nicht akzeptieren und alle politischen und rechtlichen Mittel dagegen in Bewegung setzen", so Fürstner.

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In einem Brief an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, der die Rechtsaufsicht für den NDR-Rundfunkrat hat, fordert Fürstner eine Prüfung des Sachverhaltes und ein Einschreiten gegen die Pläne des NDR. Spiegel Online veröffentlichte gestern ein Gutachten des Gremiums, wonach dem Online-Auftritt der ARD-Sendung ein Freifahrtschein für seine Internetaktivitäten ausgestellt wurde.
 
In seinem Schreiben verweist Fürstner darauf, dass das unbeschränkte inhaltliche Angebot ohne Verweis auf konkrete Sendebegleitung von einer Offensiv- und Verdrängungsstrategie der gebührenfinanzierten Website zu Lasten freier Websites zeuge. Das Ergebnis des Drei-Stufen-Tests des NDR-Rundfunkrats böte Tagesschau.de nun Möglichkeit auch nicht sendungsbezogene Texte einzustellen, die Aufhebung der Sieben-Tage-Verweildauer sowie die Verbreitungsmöglichkeit auf allen technischen Wegen. "Nur zu deutlich mache dies der Anstieg des Etats für öffentlich-rechtliche Online-Angebote von geplanten 60 auf 160 Millionen Euro im kommenden Jahr", so Fürstner.
 
Der VDZ-Chef sieht in dem Gutachten des NDR eine Verletzung des Rundfunkstaatsvertrags "an fast allen Stellen". Dieser werde damit letztlich wertlos gemacht. Fürstner: "Keine zwei Jahre nach dem mit ihm verbundenen sorgfältig ausbalancierten Verhältnis des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks gegenüber den freien Medien kommen sich die Verleger getäuscht vor."
 
Fürstner sieht den Gesetzgeber nun aufgefordert, das Verbot der gebührenfinanzierten Online-Presse auszusprechen, "sollte die Umdeutung der Schranken in einen Freibrief folgenlos bleiben".

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