No, Grazia: Die Rivalen schweigen im Kartell

Zunächst klang alles ganz easy. Klar bin ich dabei, versicherten eine Reihe von Entscheidern im People- und Frauen-Fach auf unsere Anfrage. Die Idee von MEEDIA war, dass namhafte Experten von Konkurrenzverlagen und Agenturen das neue Frauenmagazin von Klambt einordnen und dessen Potenzial bewerten. Kommt ja in diesen Zeiten nicht oft vor, dass ein Verlagshaus 15 bis 20 Millionen Euro anfasst, um ein Weekly wie Grazia in den Markt zu drücken. Doch als es soweit war, hagelte es Rückzieher.

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Zunächst klang alles ganz easy. Klar bin ich dabei, versicherten eine Reihe von Entscheidern im People- und Frauen-Fach auf unsere Anfrage. Die Idee von MEEDIA war, dass namhafte Experten und Manager von Konkurrenzverlagen das neue Frauenmagazin von Klambt einordnen und dessen Potenzial bewerten. Kommt ja in diesen Zeiten nicht oft vor, dass ein Verlagshaus 15 bis 20 Millionen Euro anfasst, um ein Weekly wie Grazia in den Markt zu drücken. Doch als es soweit war, hagelte es von den Experten Rückzieher.
Man hätte meinen können, dass auf den vormals Umfrage-Willigen ein Fluch lastete. Zwei mussten passen, weil sie ausgerechnet am Donnerstag überstürzt zu einer unvorhergesehenen Geschäftsreise aufbrechen sollten. Ein anderer hatte ein Meeting nach dem anderen und leider keine Zeit: "Ein anderes Mal gern." Wieder andere waren angeblich im Verkehr stecken geblieben und deshalb im Terminplan hoffnungslos zurück. Und einer war trotz Zusage einfach nicht erreichbar. Es schien wie verhext.
Das Ganze wäre auch anders zu lösen gewesen, etwa indem man MEEDIA mitteilt: "Ich habe mir das Heft angesehen und mich entschieden, dass ich das Konzept zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren möchte." Solche Statements gab es nicht. Das Kartell des öffentlichen Ignorierens von Grazia durch die Konkurrenzverlage erklärt ein langjähriger Insider so: "Wenn sich plötzlich alle nicht äußern (wollen), dann ist es ein Indiz dafür, dass Grazia den zementierten Markt der Frauen-Magazine aufmischen kann." Auch Schweigen kann aussagekräftig sein.
Und nun die gute Nachricht. Einer hat dann doch geantwortet, und deshalb verdient seine Meinung eine besondere Aufmerksamkeit. Hier die Antworten von Burda Style Group-Geschäftsführer Henning Ecker auf unsere Fragen:
Was halten Sie von Konzept  und Ausführung der neuen Grazia?
Wenn man das italienische Konzept kennt, ist die deutsche Gazia keine Überraschung, allerdings glaube ich, dass ein wöchentliches Frauenmagazin, das sehr mode- und beautylastig ist, bei den deutschen Leserinnen keinen wirklichen Anklang finden wird. Der People-Teil ist allzu oberflächlich abgehandelt und bringt keine wirklich neuen Geschichten.
Hat der Titel mittelfristig Chancen,  sich bei Leserinnen und Anzeigenkunden zu etablieren?
Mittelfristig hat der Titel nur eine Chance, wenn er sich erkennbar aus dem Segment hervorhebt und seine eigene Linie findet. Dass das schwierig ist, hat man ja auch schon bei Vanity Fair gesehen.
Wird Grazia das Segment  verändern?
Da sich Grazia in keines der Segmente klassisch einordnen lässt, bleibt abzuwarten, wie der Titel sich verändern wird, um erfolgreich zu werden.

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