Facebook strotzt vor Selbstbewusstsein

Zur Eröffnung des neuen Büros in Hamburg lässt das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook die Muskeln spielen. "Unser Ziel ist es, die ganze Welt zu vernetzen", sagte COO Sheryl Sandberg in einem Interview anlässlich der Eröffnung. Von Hamburg aus soll sich künftig Scott Woods um die Vermarktung von Facebook kümmern. Für 2010 rechnet man in der Branche mit einem Umsatz bei Facebook von einer Milliarde Dollar. Ein Börsengang ist aber auf absehbare Zeit nicht geplant.

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"Wir können unser Wachstum aus unserem Cashflow heraus finanzieren", sagte Facebook-Managerin Sandberg in der FTD und gegenüber dem FAZ-Netzökonomen. Das passt ins Bild. Erst kürzlich hatten wichtige Facebook-Investoren bei Burdas DLD verkündet, man habe keine Eile mit einem Börsengang. Der Cashflow von Facebook ist seit Mitte 2009 positiv. Die Branche geht davon aus, dass das Netzwerk im vergangenen Jahr mindestens 500 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat, für 2010 wird mit einer Verdopplung gerechnet. Angeblich ist Facebook seit sieben Quartalen profitabel. Die Firma selbst gibt freilich keine genauen Zahlen heraus. Alles was bekannt ist, sieht aber nicht schlecht aus für eine junge Firma mitten in der Weltwirtschaftskrise.

Die Zahlen, die Facebook vorlegt, sind in der Tat atemberaubend. So wuchs die Nutzerzahl innerhalb von nur einem Jahr weltweit von 150 auf über 400 Millionen. In Deutschland kletterte die Zahl der Nutzer laut dem Marktforschungsunternehmen Nielsen von zwei auf 7,5 Millionen. Damit lässt Facebook den früheren lokalen Platzhirschen StudiVZ mittlerweile weit hinter sich. Laut Nielsen kommt StudiVZ noch auf 3,2 Millionen Nutzer.

Sandberg gibt sich denn auch sehr selbstsicher: "In Deutschland hatten wir einen lokalen Wettbewerber, der uns sehr ähnlich ist. Wir wachsen nun viel schneller als dieser Wettbewerber und sind größer als jede andere einzelne Social-Network-Site." Kombiniert sind die VZ-Netzwerke von der Verlagsgruppe Holtzbrinck, StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ mit zusammen 7,9 Millionen Nutzern nämlich immer noch knapp größer als der Taktgeber aus den USA.

Für die neuen Hypes um den Lokal-Dienst Foursquare, mit dem sich Web-Nutzer gegenseitig mitteilen können, wo sie gerade sind, oder Googles frisch gestartete Social-Network-Funktion Buzz hat Sheryl Sandberg nur ein Achselzucken übrig. "Die Welt wird ein soziales Netzwerk, und es ist wahrscheinlich ein gutes Zeichen, wenn andere Firmen das registrieren", sagte Sandberg laut FTD. 
Facebook selbst arbeite nicht an einem ortsbezogenen Service wie Foursquare. "Wir werden niemals automatisch tracken, wo unsere Nutzer sind", sagte Sandberg dem FAZ-Netzökonomen. Um aber gleich darauf zu ergänzen: "Aber wir sind eine Plattform. Ich kenne Entwickler, die an ortsbezogenen Produkten arbeiten."
Im Klartext: Es wird ortsbezogene Dienste bei Facebook geben, aber nicht von Facebook selbst. Was Informationen über den eigenen Aufenthaltsort angeht, gibt sich Facebook übrigens reichlich zugeknöpft. Vom neuen Hamburg-Büro ist lediglich zu erfahren, dass es am Rödingsmarkt sitzt. Facebook habe kein Interesse daran, dass die genaue Adresse bekannt wird, heißt es auf Anfrage bei der zuständigen PR-Agentur. Vielleicht mal bei Foursquare nachschauen, ob da schon jemand "eingecheckt" hat.

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