Die Verzweiflung der Beate Uhse AG

Der Beate Uhse AG geht es schlecht. In den ersten neun Monaten 2009 ist der Gewinn von 6,1 Millionen auf 500.000 Euro eingebrochen. Die massive Verfügbarkeit von Gratis-Pornos im Internet macht der Erotik-Branche nach wie vor zu schaffen. Ihr Heil sucht Beate Uhse u.a. in billigst aufgemachter Direkt-Werbung mit unseriösem Touch. In aktuell massenhaft verschickten, windigen Prospekten werden neben Reizwäsche Woks, Spannbettlaken und Wasserkocher feilgeboten. Eine Strategie der Verzweiflung.

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Der Beate Uhse AG geht es schlecht. In den ersten neun Monaten 2009 ist der Gewinn von 6,1 Millionen auf 500.000 Euro eingebrochen. Die massive Verfügbarkeit von Gratis-Pornos im Internet macht der Erotik-Branche nach wie vor zu schaffen. Ihr Heil sucht Beate Uhse u.a. in billigst aufgemachter Direkt-Werbung mit unseriösem Touch. In aktuell massenhaft verschickten, windigen Prospekten werden neben Reizwäsche Woks, Spannbettlaken und Wasserkocher feilgeboten. Eine Strategie der Verzweiflung.
Erinnert sich noch jemand an Direct Marketing? Vor einiger Zeit galt das als das große Ding für die Werbebranche. Man kann zielgruppengenau Konsumenten ansprechen, man hat weniger Streuverlust als bei den Massenmedien, es gibt diese personalisierte Ansprache etc. Nun mag es Beispiele für ganz und gar großartiges, fein justiertes, zielgruppenaffines und hoch-spannendes Direct Marketing geben. Bei mir zuhause landet aber immer nur wahllos versendeter Mist im Briefkasten, der in der Regel ungeöffnet im Altpapier entsorgt wird. Bis jetzt. Nun erreichte mich eine Werbepost, die war schon von ihrer Anmutung und Bildsprache her so unglaublich trashig und in jeder Beziehung billig, dass ich nicht widerstehen konnte, mich ihr ausführlich zu widmen.

Es geht um eine unverlangt zugesandte Werbepost von der Beate Uhse AG. Jaja, ich weiß, was jetzt gedacht wird. Aber nein nein, ich habe noch nie etwas bei dem Flensburger Erotik-Unternehmen bestellt. Das Prospekt war auch nicht namentlich adressiert. Offenbar handelt es sich um eine ziellos mit der Post verschleuderte Massensendung. Man musste auch zweimal hinschauen, um zu erkennen, um welche Firma es sich hier überhaupt handelt. Auf der Titelseite steht der Name Beate Uhse überhaupt nicht drauf! Das ist ja schon mal die denkbar schlechteste Voraussetzung für ein Unternehmen: Wenn man als erste Amtshandlung bei der Neukundenansprache verschleiert, wer man eigentlich ist. Eine Firma mit einem letzten Rest von Selbstachtung, macht sowas eigentlich nicht. Einzig die scharfe Schnitte auf dem abgebildeten PC-Monitor gibt einen dezenten Hinweis auf den Absender.

Wer verschickt den sowas? Die Beate Uhse AG!

Es geht heiter weiter. "Geben Sie noch heute das Startsignal für den Versand ihres Gratis Pakets!", tönt es auf der Titelseite. Der "Paket-Aktionscode lautet 9596". Das erinnert an diese Oma-Abzock-Post, wie sie gern von allerlei halbseidenen Direkt-Marketing-Aficionados wie dem Verlag Das Beste oder dem Kosmetik-Fabrikanten Yves Rocher verschickt wird. Man muss eine ominöse Nummer irgendwo aufkleben und bekommt dann angeblich ein "wertvolles Gratis-Geschenk", das "bereits für sie reserviert ist". In diesem Fall soll man entweder ein iPhone, einen Acer Multimedia PC, ein Nokia N95, ein Tom Tom Navigationsgerät oder eine Kodak Kamera KKF erhalten. Alles tiptop Markenprodukte möchte man meinen. iPhone, Nokia, Tom Tom, Acer, kennt man alles. Aber Halt.

Blick ins Kleingedruckte: Nur der erste Einsender erhält angeblich den Acer PC, der zweite das iPhone, der dritte das Tom Tom und der vierte das Nokia. Alle anderen bekomme die Kodak Kamera KKF, aber nur, wenn sie eine Bestellung aufgeben und damit ihre Adresse preisgeben. Die Kodak KKF ist eine Kamera, die interessanterweise weder bei Amazon noch bei eBay, noch bei der Google Shopping Suche noch auf der Kodak-Website zu finden ist. Warum nur beschleicht einen der Verdacht, dass es sich bei der Kodak KKF um Tinnef handelt?

Soweit, so unseriös. Widmen wir uns nun dem eigentlichen Inhalt des Prospekts. Mittlerweile ist klar, dass Beate Uhse der Absender ist. Da erwartet man jetzt doch allerlei Erotisches, bzw. "Prickelndes". Schnell die unglaublich dünnen, mit qualitativ minderwertig noch schmeichelhaft charakterisierten Seiten umgeblättert. Was sieht man da? Einen Wok!, Einen Wasserkocher! Einen Mini-Mixer! Und alles konsequent vom billigsten. Okay, der Rest vom Katalog besteht größtenteils aus, natürlich ebenfalls billigen, Dessous aber auch aus Hemden, Jacken, Spannbettlacken und – was sonst – billigem Schmuck.

Beate Uhse 2010: Wok Set für 9,90 Euro, MP3-Player für 4,90 Euro, Kopfmassage-Gerät für 4,90 Euro

Unfreiwillig komisch ist dann noch dieser Hinweis am Ende des Formulars zur "Offiziellen Reservierung eines wertvollen Paketes": "Bitte beachten: Dieser Folder enthält Informationen über einen Erotik-Katalog mit expliziten erotischen Inhalten. Sind Sie unter 18 Jahre alt oder daran grundsätzlich nicht interessiert? Dann bedanken wir uns für die umweltfreundliche Entsorgung dieses Schreibens!" Gern geschehen.

Heiße Fummel gibt’s auch. Natürlich schön billig.

War die Beate Uhse AG nicht mal so was wie ein Vorzeige-Unternehmen der Erotik-Branche? Warum macht diese Firma so einen Mist? Ein Blick in die Bilanz gibt Aufschluss. In den ersten neun Monaten 2009 hat die Firma rund 500.000 Euro Gewinn gemacht. Ein Jahr zuvor waren es noch 6,1 Millionen Euro. YouPorn lässt schön grüßen. Früher dachte man, die Erotik-Branche wäre die einzige, die im Internet Geld verdienen kann. Heute weiß man, dass das Internet womöglich der Todesstoß für die Branche ist. Die Versuche von Beate Uhse, gegen den Verfall zu kämpfen, wirken verzweifelt. Man will Erotik-Läden für Frauen machen, mit Design-Dildos und so Kram. Und man will mit billigsten zusammengeschusterten Mailings noch alles abgreifen, was geht. Eine Strategie, die ins Verderben führen muss.

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