Das Brangelina-Problem der Verlage

Die Medien lieben sie, jetzt könnten sie sie fürchten lernen: Angelina Jolie und Brad Pitt verklagen das Murdoch-Blatt News of the World. Dieses hatte exklusiv über die Trennung des Glamour-Paars berichtet. Die Story schaffte es weltweit auf unzählige Titelseiten. Hierzulande berichteten u.a. Bild und Bunte – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen: "Eine weitere Klage von Brad Pitt und Angelina Jolie auch gegen deutsche Magazine ist durchaus denkbar", so Medienanwalt Ralph Oliver Graef zu MEEDIA.

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Die News of the World hatte in ihrer Ausgabe vom 24. Januar 2010 berichtet, dass Jolie und Pitt bezüglich ihrer Trennung einen Anwalt konsultiert hätten, der das gemeinsame Vermögen von 205 Millionen Pfund (umgerechnet 233 Mio. Euro) verwalten bzw. aufteilen und das Sorgerecht der sechs Kinder regeln sollte. In diesem Zusammenhang fiel der Name Sorrell Trope, einem Promi-Scheidungsanwalt, der auch schon Britney Spears in ihrem Scheidungskrieg mit Kevin Federline vertrat. Darüber hinaus hatte die Sonntagszeitung eine Quelle zitiert, die den Besuch und die Unterzeichnung eines angeblichen Vertrags bestätigt hatte.
Trotz der windigen Quellenlage erzählte ein People-Magazin nach dem nächsten die Trennungsgeschichte nach. Auch hierzulande machten Magazine die Story zum Aufmacher: Burdas Bunte schrieb in Ausgabe Nr. 5 "Angelina Jolie und Brad Pitt. Alles aus! Die Gerüchte überschlagen sich. Das berühmteste Traumpaar der Welt steht vor der Trennung. Was passiert mit den sechs Kindern – drei sind adoptiert". Die Zeitschrift in titelte: Angelina Jolie: Nur noch Hass! Wie sie Brad jetzt das Leben zur Hölle macht. Und warum ihre Kids nach der Trennung so furchtbar leiden." Auch Bild am Sonntag und Spiegel Online griffen die Geschichte von News of the World auf.     
Die aufmerksamkeitsstarken Schlagzeilen könnten teuer werden. Laut eines am Montag erschienenen Guardian-Artikels hat das Hollywood-Paar den britischen Anwalt Keith Schilling beauftragt, gegen die britische Sonntagszeitung zu klagen. Zuvor soll er das Blatt mehrmals kontaktiert haben, um es zu einer Korrektur und Entschuldigung für die falschen Behauptungen zu bewegen. Doch Schilling stieß bei der Murdoch-Zeitung offenbar auf taube Ohren. Jetzt zieht der Anwalt den Herausgeber, die News Group Newspapers, wegen des Verstoßes gegen den Pressekodex und der Verletzung der Privatsphäre der beiden Promis vor Gericht. Auf der Internetseite der Zeitung ist der Artikel mittlerweile verschwunden. Unklar ist die Höhe der Schadensersatzforderung, auf die die Schauspieler die Boulevard-Zeitung verklagen wollen.
Der Hamburger Medienanwalt Ralph Oliver Graef hält im Bereich der Geldentschädigung eine fünfstellige Summe für realistisch, sofern keine anderen Ausgleichsmöglichkeiten wie Gegendarstellung und Richtigstellung oder die Erstattung einer fiktiven Lizenzgebühr gegeben sind. "Für einen sechsstelligen Beitrag ist die Schwere der Persönlichkeitsrechtsverletzung nicht gegeben", schätzt er ein. "Durch die Berichterstattung über Angelina Jolie und Brad Pitt wird der Kernbereich der Privatsphäre verletzt, da die Zeitungsartikel allein der Befriedigung von Neugier der Öffentlichkeit dienen."
Es sei möglich, dass Jolie und Pitt auch hierzulande gegen die Magazine vorgehen. Denn: Auch wenn die Blätter sich bei Ihrer Geschichte auf die News of the World als Quelle berufen, sind sie trotzdem für ihre Berichterstattung voll haftbar. Graef kann sich vorstellen, dass das Hollywood-Paar nicht gegen alle, aber eine kleine Anzahl deutscher, renommierter Magazine auf Unterlassung und Zahlung einer fiktiven Lizenzgebühr klagen wird. Ob darüber hinaus auch auf Geldentschädigung geklagt wird, bleibe abzuwarten.
Die Causa Brangelina zeigt Parallelen zum Fall Max Mosley. Auch hier war es die News of the World, die über eine Sex-Orgie des ehemaligen FIA-Präsidenten berichtete. Unter anderem brachten Bild, Zeit und dpa die Story, die Agentur korrigierte sie aber kurze Zeit später. Mosley klagte erst erfolgreich gegen die News of the World, die eine Schadensersatzsumme in Höhe von 60.000 Pfund zahlte. Dann zog in seinem Auftrag die Hamburger Medienanwältin Tanja Irion auch in Deutschland vors Gericht. Unter anderem forderte sie vom Springer Verlag insgesamt 1,5 Millionen Euro Schadensersatz für die Berichterstattung in der gedruckten und Online-Ausgabe der Bild. Die Streitparteien einigten sich außergerichtlich auf eine Summe von 200.000 Euro, die Mosley für den guten Zweck spendete. Zudem verpflichtete sich Bild ein Interview mit dem Kläger zu drucken, in dem dieser sein Verhalten aus seiner Sicht erklären konnte.
Ob die Brangelinas ähnlich vorgehen, ist noch nicht abzusehen. Sobald es vor Gericht geht, steht zumindest ein Gewinner schon fest: die Anwälte, die angesichts des vermutlich hohen Streitwerts erhebliche Gebührensätze kassieren würden.

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