Wie sich Google im Social Web verzettelt

Google gilt vielen Medienhäusern als übermächtiger Konkurrent im Web. In der Tat hat Google mit seinen Suchtreffer-Anzeigen das wohl bisher beste Geschäftsmodell im Internet etabliert. Wenn es aber darum geht neue Umsatzquellen zu erschließen, tut sich der Konzern schwer. Die Kalifornier eilen hektisch von einem Geschäftsfeld zum nächsten, ohne eine Perspektive auf Umsatz. Mit Produkten wie Google Wave oder dem neuen Google Buzz droht sich der Konzern nun endgültig zu verzetteln.

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Vor noch gar nicht langer Zeit, stellte Google seinen Dienst Wave als angebliches Kommunikationstool der Zukunft vor. Wave soll alles mit allem verknüpfen. So irgendwie. E-Mails mit Kommentaren mit Twitter mit Fotos mit Dateien. Wer sich eine Wave-Präsentation im Netz anschaut, bleibt nicht selten verwirrt zurück. Wofür soll man das brauchen? Nun hat Google seinen neuen Service Buzz vorgestellt, eine Art Erweiterung für Googlemail (Gmail), mit der man Mails kommentieren kann, Status-Updates á la Twitter absendet, Bilder betrachtet usw. Es stellt sich die Frage: Warum entwickelt Google Wave quasi in abgespeckter Form einfach nochmal und nennt es Buzz? Viele Fragezeichen für einen Konzern, der eigentlich Antworten liefern will.

Google versucht mit Buzz mit der Brechstange Anschluss an den Social-Trend im Netz zu finden. Für Google ist es eine ungewohnte Erfahrung, dem Trend hinterherzuhecheln. Bisher war der Konzern immer dann besonders gut wenn es darum ging, bestehende aber verschnarchte Dienste zu optimieren und auf einen neuen Level zu heben. Google selbst hat die Internet-Suche revolutioniert, Googlemail hat Web-Mail erst richtig in Schwung gebracht. Das Problem heute: Im Social Web und auch bei mobilen Anwendungen , dem zweiten selbstgewählten Wachstumsfeld von Google, gibt es bereits hoch kompetente Anbieter. Facebook und Twitter legen eine atemberaubende Entwicklung hin. Die Nutzer sind mit diesen Diensten offenbar im großen und ganzen hochzufrieden. Google versucht mit Buzz und Wave das Social-Web-Rad noch einmal neu zu erfinden. Aber das hat noch nie geklappt. So ist auch bereits Googles Versuch, mit Orkut eine eigene Community zu gründen, gescheitert.

Facebook und Twitter sind zudem mittlerweile auch zum Kaufen zu groß. Als Google merkte, dass es mit dem eigenen Web-Videoservice nicht gegen YouTube anstinken konnte, wurde YouTube für horrendes Geld geschluckt. Das geht mit Facebook oder Twitter nicht mehr. An diesen Brocken würde sich selbst Google verheben. Mal ganz abgesehen davon, dass beide Firmen auch gar nicht zum Verkauf stehen.

Ein ähnliches Problem hat Google mit seinem eigenen Google-Handy Nexus One. Das Nexus One ist ein ordentliches HTC-Gerät aber eben nicht mehr. Dem Charme und der Perfektion des iPhone kann es nicht das Wasser reichen. Während Konsumenten für Apples iPhone tief in die Tasche greifen, hat Google bei Burdas DLD das Nexus One hundertfach verschenkt. Kurz darauf gab es eine kleine Nexus-One-Schwemme bei eBay. Es gilt die alte Devise: Was nix kostet, taugt nix. Dazu passt, dass die Verkaufszahlen des Nexus One in den USA alles andere als berauschend sein sollen.

Mit der Suche, dem E-Mail-Dienst und Maps hat Google die Konkurrenz vor sich her getrieben und Standards neu gesetzt. Beim Social Web und Smartphones ist nun plötzlich Google der Getriebene. Facebook arbeitet gerüchteweise an einer eigenen E-Mail-Applikation. Das wäre für Googlemail deutlich gefährlicher, als es Google Buzz umgekehrt für Facebook ist. Noch verdient Google prächtig mit seinen Suchtreffer-Anzeigen und dem Adsense-Programm. Aber es ist das einzige Geschäftsmodell, das Google hat. Das macht den Verantwortlichen offenbar Angst. Einzelne Geschäftsmodelle können im digitalen Zeitalter schnell wegbrechen, wenn die nächste, bessere Technologie vor der Tür steht. Das weiß niemand besser als Google selbst.

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