ARD kontert KEF-Berichterstattung

Die ARD bläst zur Gegenoffensive: Der öffentlich-rechtliche Sender weist die Darstellungen in den Medien zum KEF-Bericht zurück. Bei ihrer Sitzung in Saarbrücken bekräftigten die Intendanten den eingeschlagenen Kurs, der von Einsparungen gekennzeichnet sei. "Wer den KEF-Bericht aufmerksam und ohne vorgefertigte Meinung liest, kommt zu dem Ergebnis, dass Sparanstrengungen in der ARD längst Realität sind", sagt ARD-Chef Peter Boudgoust. Zudem soll der WDR Ende 2010 die ARD-Führung übernehmen.

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Die Darstellungen der ARD-Finanzen in den Medien seien zum Teil verzerrend. Die FAZ bezeichnete den letzten Bericht der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) als Skandal: "Milliarden fließen, im Internet gibt es kein Halten mehr", so Michael Hanfeld in der FAZ. Die ARD erklärte, dass es trotz Einnahmeverlusten in dreistelliger Millionenhöhe, anders als fälschlicherweise dargestellt, keine Forderung nach einer Gebührenerhöhung gäbe. Ebenso führten die Telemedienangebote der ARD nicht zu Kostensteigerungen für die Nutzer, so Boudgoust.
Der ARD-Vorsitzende betont: "Die interessengesteuerte Skandalisierung einzeln herausgegriffener Punkte zeigt jedoch, dass ein Teil der Presse jeden Anschein eines fairen Umgangs mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk endgültig aufgegeben hat."
In einer offiziellen Stellungnahme erklärten die Intendanten, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise auch bei der ARD zu deutlich weniger Einnahmen geführt habe. Dies betreffe nicht nur die Erträge für Werbung und Sponsoring. "Zu Buche schlägt vor allem die steigende Zahl derer, die von den Gebühren aus sozialen Gründen befreit werden. Durch verstärkte Sparanstrengungen und vermehrte Kooperationen innerhalb des Senderverbundes bemüht sich die ARD, diese Ertragseinbußen auszugleichen. Dies erkennt die KEF ausdrücklich an", so die Intendanten. Finanzierungslücken kleinerer Sender wären durch eine Weiterentwicklung der internen Ausgleichsmechanismen geschlossen worden.
In punkto Personalkosten erklärte die ARD, dass kontinuierlich feste Stellen abgebaut würden. 2012 werde es 4.000 weniger Festangestellte geben als noch 1993. Geprüft würde, wie von der KEF angemahnt, ein weiterer Abbau von 300 Stellen in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro. Stellenabbau allein sei aber kein Maß für Wirtschaftlichkeit.
Die Intendanten wehren sich auch gegen unzutreffende Vergleiche der Produktionskosten. Die Bild-Zeitung hatte hervorgehoben, dass die Produktion einer Anne Will-Folge etwa doppelt so teuer wie die Produktion einer Maischberger-Sendung sei. Laut ARD sei es sei allerdings nicht möglich, verschiedene Sendungen in Bezug auf ihre Minutenpreise miteinander zu vergleichen, da sie sich in ihrer Länge, Programmkonzepten und Formaten (Einspieler, Zuschauerbeteiligung, Anzahl der Gäste) und Produktionsbedingungen (Eigenproduktionen/Fremdproduktionen) unterscheiden. "Niemand käme auf die Idee, ein Ranking der Zeilen- oder Produktionskosten bei Zeitungs- und Zeitschriftentiteln aufzustellen", so die ARD. Die KEF leite aus ihrem Vergleich nicht Unwirtschaftlichkeit ab, sondern fordere den Senderverbund zur Analyse und Prüfung auf.
Die Mehrausgaben für die Telemedien führt die ARD zu einem erheblichen Teil auf eine neue Art der Erhebung zurück. Indirekte Kosten wie Raum- oder Hardwarekosten würden neuerdings mitgerechnet. Entscheidend sei: "Jeder Euro, den die ARD fürs Internet ausgibt, wird an anderer Stelle eingespart. Der Gebührenzahler wird somit nicht zusätzlich belastet."
Auf der Intendanten-Sitzung wurde zudem beschlossen, dass der Westdeutsche Rundfunk 2011 den ARD-Vorsitz übernehmen werde. Die WDR-Intendantin Monika Piel wäre damit die erste weibliche Vorsitzende in der 60-jährigen Geschichte der ARD. Die Gremien müssen diesem Vorschlag bei der nächsten Hauptversammlung noch zustimmen. Diese findet im April in Leipzig statt.

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