Das Hubert-Burda-Universum

Wenn Hubert Burda heute seinen 70. Geburtstag feiert, dann gratuliert die Kanzlerin und die Mitarbeiter bringen ihm wahrscheinlich ein Ständchen. Hubert Burda kann entspannt Geburtstag feiern. Den Generationenwechsel hat er schon erledigt. Paul-Bernhard Kallen ist als neuer Zwischen-CEO installiert, bis seine Kinder an die Macht kommen. Burda versteht es wie kein zweiter deutscher Medien-Magnat, Gegensätze zu vereinen und Personen an sich zu binden. Aber im Burda-Universum kreist letztlich alles um ihn.

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Der Zeitschriften-Mann

Burda sprach jüngst im Interview mit der Süddeutschen Zeitung von den Fuggern, die mit der Seefahrt ein neues Zeitalter im Handel eingeläutet hätten. Aber auch Kutschen, Burgen, Pferde und Wirtshäuser spielten weiter eine große Rolle, schob er sogleich nach. In Burdas Lieblings-Gleichnis sind die seefahrenden Fugger die neuen Digital-Heros, die Kutscher und Burgherren sind die Vertreter der Print-Branche. Burda ist sich bewusst, dass sein Haus noch lange Geld mit gedrucktem Papier verdienen wird, verdienen muss. Er will Fugger und Burgherr zugleich sein. Die Erträge der Digitalwirtschaft sind noch lange nicht soweit, das alte Geschäft zu ersetzen. Mit Bunte, InStyle, Freundin und Elle besitzt er frauenaffine Titel. Die Zeitschriften aus Offenburg sind vertriebsstarke Unterhaltungsware. Und dann ist da noch der Focus. Die einstige Cash-Cow für die sogenannte Info-Elite ist mittlerweile zum Sorgenkind mutiert. Dass Burda mit Wolfram Weimer einen journalistisch ambitionierten Kopf geholt hat, spricht dafür, dass der Verleger sein einstiges Renommier-Blatt noch lange nicht abgeschrieben hat.



Der Digital-Visionär

"Noch bringt das alte System weitaus mehr Cash – aber das Neue wird kommen", sagte Burda in der SZ. Der Verleger lässt keine Gelegenheit aus, die Vorzüge des digitalen Zeitalters zu preisen und darauf hinzuweisen, dass er sehr früh die Zeichen der Internet-Zeit erkannte. Das stimmt. Burda erlitt bereits mit Online-Projekten wie Europe-Online oder dem Frauen-Portal Cybil Schiffbruch, als die Meisten noch nicht einmal wussten, wie man Browser buchstabiert. Die Möglichkeiten des Netzes haben den Netzwerker Burda immer schon fasziniert und angetrieben. Das wird in jüngerer Zeit leicht vergessen, wenn Burda auf die "lousy pennies" schimpft, die es im Web nur zu verdienen gäbe oder sagt, Google würde die Verlage "schleichend enteignen". Er weiß eben besser als vielleicht viele andere, dass man auf See auch umkommen kann, wenn man kein tüchtiger Seemann ist. Um in seinem Fugger-Bild zu bleiben.

Der Menschen-Fänger

Mit seiner charismatischen, freundlichen und selbstironischen Art schafft es Burda immer wieder, ausgezeichnete Köpfe der Branche an sich zu binden. Philipp Welte kehrte nach einem Ausflug zur Axel Springer AG gerne ins Burda-Reich zurück und wurde als heimgekehrter Sohn mit dem Vorstandsamt belohnt. Helmut Markwort und Jürgen Todenhöfer, zwei geniale Medienmanager zu ihrer Zeit, fanden bei Burda ihre berufliche Heimat. Der neue CEO Paul-Bernhard Kallen gilt innerhalb wie außerhalb der Branche als hochkompetent. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die meisten Top-Leute, die einmal bei Burda angefangen haben, bleiben auch dort.

Der Familien-Mensch
Hubert Burda ist nicht in erster Linie Medien-Magnat, sondern Sohn. Immer wieder kommt die Rede auf sein Verhältnis zum Über-Vater Franz Burda, dem legendären Senator, und zur Über-Mutter Aenne Burda. Dass er sich gegen zwei so starke Eltern durchgesetzt hat und dazu gegen zwei ältere, ebenso mit Selbstbewusstsein gesegnete Brüder, hat den Verleger Hubert Burda geformt. Als Vater seiner beiden Kinder mit Maria Furtwängler wirkt er heute milde und verständig. Ein personifizierter Gegen-Entwurf zum autoritären "Senator". Er will das Unternehmen in Familienhand halten. Dass er die Zügel dabei locker lässt, ist vielleicht die beste Methode, dass dies auch klappt.

Die Krämer-Seele und der Kunstfreund

Das Faust-Zitat von den zwei Seelen, die in einer Brust wohnen, trifft wohl auf keinen deutschen Medien-Mann so zu wie auf Hubert Burda. Der promovierte Kunsthistoriker und Hobby-Maler diskutiert leidenschaftlich gerne mit seinen Schriftsteller-Freunden, malt oder liest. Sein Freund Michael Krüger schreibt über ihn in der FAZ: "Er ist auch der einzige Mensch, den ich kenne, der mit einer gewissen Wollust Luhmann im Bett lesen kann." Von welchen anderen deutschen Medien-Menschen könnte man das wohl behaupten? Gleichzeitig vergisst Burda nie die pekuniären Aspekte seines Tuns. Er habe ja die Verantwortung für 7.000 Leute, sagte Burda bei "Beckmann", da müssten seine Medien schon Masse machen. Er scheut sich nicht, seinen neuen CEO Paul-Bernhard Kallen ins Beteiligungsgeschäft einsteigen zu lassen. Er betreibt schnödes Direkt-Marketing und Internet-Partner-Börsen. Das Triviale, das Gewinnbringende ist ihm ebenso wenig fremd wie die Hochkultur. Das ist wahrscheinlich das Erfolgsgeheimnis des Hauses Burda. "Es ist für jeden der Traum, Reichtum und Kultur zu verbinden", sagte er in der SZ. Er selbst lebt diesen Traum. Hubert Burda, der heute 70 Jahre alt wird, ist womöglich der glücklichste Medien-Mensch Deutschlands.

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