„Lost“ – die vertane Paid Content Chance

Die Kultserie "Lost" ist im US-Fernsehen gerade in die letzte Staffel gegangen. Die "Final Season" ist aber nicht allein deshalb bemerkenswert, weil sich Fans endlich Aufklärung über allerlei Mysterien der komplexen Handlung erhoffen. Die letzte "Lost"-Staffel ist auch ein Experiment in Sachen Paid-Content. Die TV-Folgen sind erstmals nur einen Tag nach Ausstrahlung im US-Fernsehen legal in Deutschland bei Apples iTunes und Videoload.de zu beziehen. Nach der Premiere muss man zu dem Pay-Vorstoß allerdings sagen: Gut gemeint und schlecht gemacht.

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Die Kultserie "Lost" ist im US-Fernsehen gerade in die letzte Staffel gegangen. Die "Final Season" von "Lost" ist aber nicht allein deshalb bemerkenswert, weil sich die Fans der Reihe endlich Aufklärung über allerlei Mysterien der komplexen Handlung erhoffen. Die letzte "Lost"-Staffel ist auch ein Experiment in Sachen Paid-Content. Die TV-Folgen sind erstmals nur einen Tag nach Ausstrahlung im US-Fernsehen legal in Deutschland bei Apples iTunes und Videoload.de zu beziehen. Nach der Premiere muss man zu dem Pay-Vorstoß allerdings sagen: Gut gemeint und schlecht gemacht.

Gut gemeint deshalb, weil offenbar endlich begriffen wurde, dass es keinen Sinn ergibt, mit dem Anbieten heißer TV-Ware aus den USA in anderen Ländern monatelang zu warten. Hoch komplexe und süchtig machende Top-Serien wie "Lost" haben eine eingeschworene und internetaffine Zuschauergemeinde, die jeder neuen Folge entgegenfiebert. Diese Leute besorgen sich die neuen Folgen bisher notgedrungen vielfach bei illegalen Online-Tauschbörsen. Meist noch, bevor die Rechtefrage für den deutschen Markt überhaupt geklärt ist.

Die Folgen dieser Entwicklung lassen sich an den TV-Quoten ablesen. "Lost" startete bei ProSieben mit sehr guten Einschaltquoten. Im Laufe der Zeit wurde die Serie aber immer komplexer, zahlreiche Zuschauer sprangen ab. Trotzdem verfügt "Lost" über eine Hardcore-Fanbasis. Die immer schlechter werdenden Quoten im deutschen TV deuten aber darauf hin, dass selbst diese Hardcore-Fans nicht mehr flächendeckend erreicht werden. Kein Wunder. Wer einer Serie wie "Lost" folgt, ist oft auch des Englischen mächtig und kennt sich im Internet aus. Der Verdacht liegt also nahe, dass sich viele Fans die neuen Folgen runterladen, sobald sie in den USA im Fernsehen gelaufen sind.

Die fünfte und vorletzte Staffel von "Lost" läuft derzeit im deutschen Free-TV bei kabel eins. Die Serie wurde wegen der miesen Quoten bei ProSieben ausgemustert und macht auch bei kabel eins quotenmäßig keine gute Figur. Gleichzeitig lief in den USA die sechste und letzte Staffel an und diesmal wird bei Apples iTunes Store und bei Videoload.de von T-Online das US-Material einen Tag nach Ausstrahlung legal aber kostenpflichtig auch hierzulande angeboten.

Die begeisterten Kommentare in Apples iTunes Store sprechen Bände – viele Fans hatten offenbar auf eine Möglichkeit geradezu gewartet, ihre Lieblingsserie legal und sogar wahlweise mit deutschen Untertiteln zeitnah runterladen zu können. Bei iTunes wird eine Folge in HD-Qualität für 2,99 Euro verkauft, die Standard-Auflösung kostet 2,49 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen – aber gut. Bei Videoload.de lassen sich die "Lost"-Folgen nur zu günstigen 49 Cent für 24 Stunden ausleihen.

Bei iTunes schossen die beiden Auftakt-Folgen der neuen "Lost"-Staffel sofort an die Spitze der Verkaufscharts. Aber das böse Erwachen folgt nach dem Kauf. Offenbar sind die "Lost"-Folgen bei iTunes mit einem digitalen Copyright (DRM) versehen, das es unmöglich macht, die Folgen auf eine DVD zu brennen oder via USB-Stick am Fernseher abzuspielen. Will heißen: Will der "Lost"-Fan seine Lieblingsserie nicht am Computerbildschirm schauen, sondern mit der Freundin zusammen auf dem Fernseher, dann schaut er wieder in die Röhre. Es sei denn, man hat sich für teures Geld Apples TV-Box zugelegt (die bringt Inhalte vom Computer auf den Fernseher) oder man saugt sich die Folgen nochmal runter – diesmal illegal. Denn die illegal runtergeladenen Dateien lassen sich selbstredend ohne Probleme auf CDs und DVDs brennen und abspielen.

Die TV-Industrie wiederholt hier exakt die selben Fehler, die die Musikindustrie vor einigen Jahren begangen hat. Legendär ist der Fall von dem Robbie-Williams-Album im Jahre 2003, das sich wegen des digitalen Kopierschutzes in einigen Autoradio-CD-Spielern nicht abspielen ließ. Der Kunde wird mit Kopierschutz-Maßnahmen gegängelt während die illegale Ware zwei Klicks weiter lockt. Mittlerweile werden die meisten Lieder bei iTunes ohne Kopierschutz angeboten. Was fürchten die TV-Firmen wie ABC (die produzieren "Lost")? Dass Kunden "Lost"-Folgen bei iTunes runterladen, kopieren und ins Internet stellen? Da sind die ohnehin schon längst! Das ist ja der Punkt. Wenn Bezahl-Inhalte eine Chance haben sollen, dann dürfen die Kunden, die gegen Geld legal Inhalte runterladen nicht gegenüber den Nutzern illegaler Tauschbörsen benachteiligt werden. So einfach ist das. Und offenbar doch so schwer.

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