„Killerjagd“: K.O.-Tropfen für die TV-Serie

Mit "Killerjagd. Schrei, wenn du dich traust" zeigt ProSieben heute Abend die zweite Fernsehfilm-Auskopplung aus der Serie "Unschuldig". Das Format mit Alexandra Neldel als Dr. Anna Winter in der Hauptrolle floppte bei den Zuschauern, wurde von Kritikern aber hoch gelobt. Bereits letzten September lief der erste 90-Minüter in der ProSieben Thrill Time. Der jetzige Film bleibt allerdings weit hinter der Serie zurück. Die Charaktere bleiben flach und die Handlungsstränge bieten kaum Höhepunkte.

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Die Rechtsanwältin Anna Winter arbeitet inzwischen mit einem neuen Geschäftspartner, Philipp Rothkamm, zusammen. Während einer Klettersession erreicht Anna ein Anruf. Eine junge Studentin einer Elite-Uni behauptet, sie sei unter dem Einfluss von K.o.-Tropfen bei einer Erstsemesterparty sexuell missbraucht worden. Die Geschichte, die die Studentin Maja erzählt, ist schemenhaft und klingt wie ein Drogentrip. Anna ist skeptisch, doch als Maja sich das Leben nimmt, beginnt die Rechtsanwältin auf dem Campus zu recherchieren.
Was dann folgt ist vorhersehbar, schlecht erzählt und wenig fesselnd. Dabei bedient sich der Plot beim Inventar guter Thriller wie "Anatomie" oder "Die Purpurnen Flüsse". Das Setting: Elite-Uni, Familien-Konflikt, Leistungsdruck. Jetzt könnte der Film eigentlich losgehen und den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt aus Action und menschlichen Abgründen mitnehmen. Stattdessen bleibt alles vage, wird nur angedeutet.
Die Serien-Vorlage "Unschuldig" war düster, die Figuren waren vielschichtig und die Stories spannend erzählt. All das fehlt dem zweiten Film aus der Reihe "Killerjagd". Viele Konfliktlinien werden nur angedeutet, keine wird richtig erzählt geschweige denn konsequent zu Ende gebracht. Es gäbe einen Vater-Sohn-Konflikt, einen Elite-Normalo-Konflikt, ein Liebesdrama und einige seelische Abgründe, die eines genaueren Blickes würdig erscheinen – nur: Wenn es spannend wird, folgt der Schnitt oder die Handlung bricht einfach ab.
Schnell ist klar, wer die Täter sind. Der Zuschauer muss nicht bis zum Schluss warten, ehe die Zusammenhänge herausgearbeitet worden sind. Deshalb müsste der Film eigentlich mehr auf die Beweggründe der Vergewaltiger eingehen. Das Setting gäbe es her. Hier könnten die Geschichten eines Außenseiters, eines Vater-Sohn-Konflikts und des Größenswahns erzählt werden. Doch mehr als Andeutungen gibt es nicht. Die Psychologie des Verbrechens wird nicht einmal dann richtig ausgeleuchtet, als die Täter untereinander in Streit geraten und Zweifel in der Gruppe aufkommt.
Die Handlung bricht in den spannenden Szenen einfach ab. Stattdessen geht der Film immer wieder auf das Liebesleben der Hauptdarstellerin ein – ohne dabei auch nur ansatzweise die eigentliche Handlung zu berühren. Die beiden Liebesgeschichten Annas laufen derart nebenher, dass man ohne weiteres auf sie hätte verzichten können.
Einziger Lichtblick: Wenigstens in einigen Passagen schafft es Regisseur Elmar Fischer die Zuschauer zu fesseln. Immer wiederkehrende Sequenzen eines weißen Raumes, ohne Konturen in verschwommenen Bildern machen durchaus Gänsehaut. Akustisch unterlegt sind diese albtraumhaften Szenen mit dem tiefen Ein- und Ausatmen des gefangenen und betäubten Mädchens. Das schafft tatsächlich eine düstere, klaustrophobische Atmosphäre – doch zu wenig, um mit Thrillern wie "Anatomie" mithalten zu können.
Alles in Allem scheint das mutige Projekt, die gefloppte Serie in einer losen Film-Reihe weiterlaufen zu lassen, in puncto Qualitätsanspruch gescheitert. Das Potenzial der Serie, die 2008 den bayerischen Fernsehpreis erhielt, wird nicht im Geringsten ausgeschöpft. 

Pro Sieben zeigt "Killerjagd. Schrei, wenn du dich traust" am Montag, den 08. Februar 2010, um 20.15 Uhr.

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