Der Freitag druckt die Community

Heute vor einem Jahr startete Jakob Augsteins erstes Verlegerprojekt: der neu positionierte Freitag erschien am 5. Februar 2009 zum ersten Mal. "Das Meinungsmedium" lautete die selbstbewusste Subline der Wochenzeitung, deren Jubiläumsausgabe mit dem Aufmacher zu Rot-Rot-Grün "Die neue Farbenlehre" jetzt am Kiosk liegt. Auch diese Headline ist symbolisch zu verstehen, denn das klar positionierte und diskussionsfreudige Blatt hat publizistisch einen festen Platz in der Zeitungslandschaft erobert.

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Verleger Jakob Augstein bilanziert: "Wir haben aus dem Freitag eine junge, kritische und moderne Wochenzeitung gemacht und es geschafft, über das Netz engen Kontakt zu unseren Lesern herzustellen und sie an unserem Medium zu beteiligen." Einzigartig ist der farblich hervorgehobene Teaser auf der Titelseite, in dem jeweils ein Leser-Kommentar aus der Online-Diskussion abgedruckt wird.
Die Auseinandersetzung mit den Lesern ist für Augstein und die Redaktion um Chefredakteur Philip Grassmann enorm wichtig: "Wir alle haben im ersten Jahr viel gelernt, und es bleibt noch viel zu tun. Von der Community hat die Entwicklung des Freitag sehr profitiert." Das Blatt war 2009 mehrfach für Layout, Konzeption und Umsetzung ausgezeichnet worden, unter anderem beim European Newspaper Award. Augstein selbst wurde zweimal in Folge Sieger einer Kategorie bei den "Journalisten des Jahres".
Im Umgang mit den Lesern gilt beim Freitag die Devise: "Was gut geschrieben ist, findet sein Publikum, egal ob es aus einem Blog kommt oder von einem professionellen Journalisten." Mit dem ersten Geburtstag beendete die Redaktion auch offiziell die Beta-Phase des Online-Auftritts. Augstein kündigt an: "Wir werden in den nächsten Monaten die Grenzen zwischen Community und Redaktion auch technisch weiter absenken. Jeder Redakteur ist Mitglied unserer Community. Und wir werden, wie andere Verlage auch nach neuen Wegen suchen, um im Internet mehr Umsätze zu machen."
Wie erfolgreich der neue Freitag am Markt ist, lässt sich nicht genau abschätzen. Seit dem vierten Quartal ist der Titel nicht mehr IVW-gelistet. Die Vorquartale zeigten eine eigentlich zu erwartende Tendenz: starke Zuwächse im Einzelverkauf auf zuletzt knapp 6.000 Exemplare und ein deutlicher Rückgang bei den Abonennten, die den alten Freitag gewohnt waren. Hier waren es zuletzt um 7.700 Bezieher. Im Anzeigengeschäft scheint der Markt noch schwieriger: Die Jubiläumsausgabe weist nur eine einzige Annonce auf: Spiegel Geschichte buchte eine Einzelseite.

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