„Radio ist authentischer als Fernsehen“

In Hamburg wird am 17. September der rote Teppich für Deutschlands beste Radiomacher ausgerollt. Der Deutsche Radiopreis soll im Rahmen einer glanzvollen Gala am Hamburger Hafen im Schuppen 52 verliehen werden. "Das Medium Radio hat längst einen eigenen Preis verdient", sagt der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust auf der Pressekonferenz des NDR. Der Preis wird gemeinsam von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern getragen und würdigt herausragende Leistungen im Radio.

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Der federführende NDR hatte zu einem prominent besetzten Podium im Hamburger Funkhaus geladen: ARD-Chef Peter Boudgoust, NDR-Intendant Lutz Marmor, Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale, Grimme-Institusdirektor Uwe Kammann und Karin von Welck, Hamburgs Senatorin der Behörde für Kultur, Sport und Medien, erklärten, was es mit dem Deutschen Radiopreis auf sich hat. Moderiert wurde die Veranstaltung von TV- und Radiomoderatorin Bettina Tietjen.
Trophäen gibt es in elf Kategorien jeweils für die beste Moderation, Morgensendung, Höreraktion, Comedy, Interview, Reportage, Recherche, Sportformat, Musiksendung/Sendung, Sounddesign, Innovation. Die Ausschreibung erfolgt im Mai dieses Jahres. Die Jury wird vom Adolf-Grimme-Institut ausgewählt. Jedes Programm kann maximal drei Produktionen aus dem Zeitraum Juni 2009 bis Mai 2010 einreichen und dabei die Kategorien selbst wählen. Analog zum Deutschen Fernsehpreis ist das Vorschlagsrecht für die Auszeichnungen auf Sender begrenzt, die die Produktionen selbst hergestellt haben oder sie haben herstellen lassen.
Uwe Kammann erklärte, dass die Auswahl vor allem wegen der föderalen Organisation des Radios in Deutschland nicht ganz einfach werde. "Aber wir haben mit unserem Online-Award bereits bewiesen, dass wir ein scheinbar unüberschaubares Medium in den Griff bekommen."
Dabei wird größten Wert auf Unabhängigkeit gelegt. Die Jury setzt sich aus neun Experten zusammen. Vertreter aus dem Hörfunk der ARD und der privaten Radiosender dürfen nicht mitwirken. 
ARD-Chef Boudgoust würdigte das Radio als "essentiellen Lebensbegleiter". Manche Fernsehsender würden die Korken knallen lassen, wenn sie in der Primetime die Quoten erreichen würden, die manche Radiosendung in den Spitzenzeiten erreichen. Demnach habe das Medium Radio längst einen eigenen Preis verdient. "Eine verdiente Anerkennung für die vielfältigen Leistungen der Radiomacher in Deutschland", so Boudgoust.
Auf die Frage, warum dieser Preis erst jetzt gestiftet wurde, herrschte kurze Ratlosigkeit. Die Argumente, weshalb eine solche Auszeichnung längst überfällig ist, kamen dann aber prompt. "Radio ist viel uneitler als Fernsehen", befand etwa Bettina Tietjen. "Daher ist es auch authentischer", fügte Boudgoust hinzu. "Und glaubwürdiger", so Lutz Kuckuck, Chef der Radiozentrale. NDR-Intendant Lutz Marmor ergänzte: "Drei Stunden hört jeder Deutsche im Schnitt täglich Radio – die Faszination dieses Mediums ist ungebrochen."
Wie das Ganze finanziert werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Es werden derzeit erste Gremien konstituiert. Neben den Veranstaltern treten auch RTL und Axel Springer als Finanziers auf.
Der Deutsche Radiopreis ist – ähnlich wie die vom Grimme-Institut verliehenen Fernseh- und Onlinepreise – nicht dotiert. Die Gala wird live im Radio und als Zusammenfassung zeitversetzt im Fernsehen gesendet. Die Koordination des Deutschen Radiopreises liegt in den Händen eines Beirats, in dem die ARD, die Radiozentrale, das Grimme-Institut sowie die Freie und Hansestadt Hamburg vertreten sind. 

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