Bauer rüstet sich gegen Grazia

Die Abberufung von Tom Junkersdorf aus der Bravo-Chefredaktion war in Wahrheit eine Beförderung und keine Herabstufung, wie zunächst in Teilen der Branche gemutmaßt wurde. Bei Bauer wird Junkersdorf laut Werben & Verkaufen Chefredakteur für besondere Aufgaben. Er soll titelübergreifend Konzepte entwickeln und Magazine voranbringen. Geplant war eine Beförderung Junkersdorfs bei Bauer schon länger. Der bevorstehende Launch von Klambts Groß-Projekt Grazia gab nun offenbar den Ausschlag.

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So wird Junkersdorfs erste Mission zugleich eine äußerst heikle. Er soll gemeinsam mit Verleger-Tochter und Life&Style-Chefredakteurin Nicola Bauer Front gegen Grazia machen. Der Klambt Verlag bringt die Frauenzeitschrift Grazia am 11. Februar in einer Lizenz des italienischen Medienhauses Mondadori (gehört Silvio Berlusconi) mit einem für Klambt bis dato nicht gekannten Aufwand auf den deutschen Markt. Bis zu 20 Millionen Euro will der Verlag investieren, die Druckauflage zum Start liegt bei 500.000 Exemplaren. Ein Heftpreis von zwei Euro ist angepeilt. Das sind Dimensionen, die sich sonst nur Großkonzerne wie Bauer oder Gruner + Jahr leisten.

Dementsprechend nervös und aufgekratzt ist man in den beiden Häusern. Sollte Grazia ein Erfolg werden, müssten das die Macher bei G+J und Bauer als Affront empfinden. Vor allem bei Gruner + Jahr ist der gescheiterte Versuch, mit Woman eine neue Frauenzeitschrift einzuführen, noch in schlechter Erinnerung. Bei Bauer blickt man indes zufrieden auf den anhaltenden Erfolg von InTouch, fürchtet aber um das zarte Pflänzchen Life & Style. Die Zeitschrift ist noch längst nicht aus dem Gröbsten raus. Bei der Life & Style Auflage von knapp 133.000 Exemplaren stammen über 57.000 aus weichen sonstigen Verkäufen.

Gerade wurde das Heftformat vergrößert und mit "Lebe lieber bunter" ein neuer Werbespruch eingeführt. Das sind erste Anzeichen für einen Konkurrenzkampf mit Grazia. Für Tom Junkersdorf ist der Job, Life & Style gegen Grazia zu behaupten gleich die erste harte Bewährungsprobe in seinem neuen Job. Denn Nicola Bauer gilt im Umgang als nicht einfach. Zum journalistischen Know-how und Marktgespür wird der bisherige Bravo-Chef auch eine gute Portion Familien-Diplomatie brauchen. Als Bravo-Chef in München musste er weniger Rücksichten auf familiäre Befindlichkeiten nehmen, die bei Bauer eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
In der Hamburger Zentrale gelten andere Regeln. Nicht zuletzt daran ist der frühere journalistische Geschäftsführer Thomas "Doc" Schneider gescheitert. Junkersdorf dürfte sich Schneiders unrühmlichen Abgang bei Bauer genau angeschaut haben. Offenbar ist er der Meinung, dass er sich als Medien-Diplomat geschickter anstellen kann. Man wird es sehen.

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