„Armutszeugnis für deutsche Web-Szene“

Die deutsche Web-Landschaft ist in Aufruhr. Der lokale Shopping-Trend Groupon verdreht Gründern und Investoren die Köpfe. MEEDIA hat den Qype-Erfinder Stefan Uhrenbacher nach seiner Einschätzung gefragt: "Der Groupon-Hype ist vor allem ein Armutszeugnis für die deutsche Internet-Szene." Gebannt schaut die Branche auf Dailydeal.de und Citydeal.de: Mit dem Einstieg der Investoren Stefan Glänzer und der Samwer-Brüder, könnte sich der legendäre Alando-Ricardo-Krieg der 90er-Jahre wiederholen.

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Die deutsche Web-Landschaft ist in Aufruhr. Der lokale Shopping-Trend Groupon verdreht Gründern und Investoren die Köpfe. MEEDIA hat den Qype-Erfinder Stefan Uhrenbacher nach seiner Einschätzung gefragt: "Der Groupon-Hype ist vor allem ein Armutszeugnis für die deutsche Internet-Szene." Gebannt schaut die Branche auf Dailydeal.de und Citydeal.de: Mit dem Einstieg der Investoren Stefan Glänzer und der Samwer-Brüder, könnte sich der legendäre Alando-Ricardo-Krieg der 90er-Jahre wiederholen.

Der Name Groupon ist ein Wortspiel, das sich aus den Worten ‚group‘ (Gruppe) und ‚coupon‘ (Rabattschein) zusammensetzt. Auf den jeweiligen Plattformen gibt es tägliche regionale Angebote, für die immer dann sehr hohe Rabatte eingeräumt werden, wenn sich eine entsprechend große Gruppe von Menschen findet, die bereit ist, für den angegebenen Preis zu kaufen. Beispiel: Eine Kinokarte wird um 50 Prozent günstiger, wenn sich 15 Personen finden, die bereit sind, den Rabattpreis zu zahlen. Mittlerweile hat fast jede deutsche Großstadt mindestens ein Groupon-Start-up.
MEEDIA: Alle reden über Groupons: Hat das Thema wirklich Substanz oder ist es nur ein Hype?
Stephan Uhrenbacher: Das Thema hat grundsätzlich Substanz: Menschen lieben Rabatte. Und das Geschäftsmodell hat die spannendste Komponente überhaupt, nämlich "negative working capital", auf Deutsch: der Kunde bezahlt, bevor das Unternehmen (Groupon) etwas ausgibt.
Ob etwas, das in den USA super gehyped wird, dann nach einem Jahr noch gut ist, ist was anderes. Letztes Jahr wurde im Lokalen Segment, in dem Qype unterwegs ist, Reachlocal unglaublich gehyped; irrsinnige VC Investments, gigantisches Wachstum. Auch hier müssen wie bei Groupon in ganz kurzer Zeit riesiges Mengen an Verkäufern im Telesales den lokalen Anbieter abtelefonieren. Jetzt wurden als Vorbereitung für einen Börsengang von Reachlocal Daten veröffentlicht, die belegen: tolle Umsätze, aber die Vertriebskosten sind so hoch, dass der Gewinn lächerlich ist.

Für das Groupon-Modell gehe ich mit Sicherheit davon aus, dass es in Deutschland schlechter laufen wird als in den USA: Es geht vor allem um persönliche Dienstleistungen. Und wie wir alle wissen, ist dieser Sektor viel kleiner als in den USA. Und: Auf Hairwaxing oder Massagen oder Fitnessstudios kann ich mal 60% Rabatt geben, aber jeder weiss, dass die Listenpreise in den USA Fantasiepreise sind. Vor allem sind die lokalen Anbieter nicht so sehr gewohnt, mit Rabatten zu argumentieren. Wir haben eine andere Mentalität.  Bei Qype gibt es über 10.000 Discount-Gutscheine von lokalen Anbietern, aber man muss schon suchen, um die Perlen zu finden.

Sollte man in dieses Segment investieren?
Ich habe mir das Thema im Oktober angesehen. Damals war ich nicht ganz davon überzeugt, dass es wirklich abheben wird. Vielleicht zu Unrecht. Jetzt wo sowohl die Samwers als auch Stefan Glänzer da mit aller Macht den Ebay-Ricardo Krieg der 90er wiederholen, würde ich da einen ganz großen Bogen drum machen. Das Samwer-Ding wird unglaublich schnell ganz tolle Zahlen vorlegen. Und dann vermutlich verkauft werden, bevor jemand weiss, wie groß das in Deutschland wirklich sein kann. Ich denke: kleiner, als im Moment viele denken.

Wie viele Start-ups werden die ersten sechs Monate überleben?
Irgendwie dahineiern: 10 bis 20. Wirklich überleben: eines oder zwei.

Ist der Groupon-Hype der Beginn eines neuen Gründerbooms?
Der Groupon-Hype ist vor allem ein Armutszeugnis für die deutsche Web-Szene. Beziehungsweise für diejenigen, die sich dafür halten. Wir brauchen echte Innovationen. Ich möchte aus Deutschland einmal ein einziges Startup wie Skype, Spotify, Twitter oder DropBox sehen.

Lesen Sie hier, was Stefan Glänzer, Lukasz Gadowski und Alexander Hüsing von dem Hype halten.

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