Lena brillierte beim Casting ohne Trash

Wie sieht es aus, wenn eine Musik-Castingshow ganz ohne Comedy, Herabwürdigungen und üblen Trash auskommt? Stefan Raab wollte es am Dienstagabend zeigen - in "Unser Star für Oslo", dem mit größter Spannung erwarteten Show-Format, in dem ProSieben und die ARD den deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest suchen. MEEDIA hat sich die erste Ausgabe angeschaut, zunächst mit etwas verhaltener Stimmung, später dann aber durchaus mit Begeisterung: seröses Casting statt Show mit Trashfaktor.

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Auf den ersten Blick unterschied sich "Unser Star für Oslo" gar nicht so sehr von Konkurrenzveranstaltungen wie "Deutschland sucht den Superstar". Brainpool hatte ein glamouröses Bühnenbild gebaut, eine Liveband begleitete die Kandidaten, die allesamt halbwegs bekannte Hits nachsungen. Bewertet wurden die Leistungen von einer dreiköpfigen Jury und am Ende entschied das TV-Publikum über das Weiterkommen. Doch dieser oberflächliche Blick täuschte – und das wurde schon nach wenigen Minuten klar.

Denn: "Unser Star für Oslo" ist wesentlich ernster. Es geht nicht um Show-Effekte, darum wie jemand aussieht oder ob er eine möglichst dramatische Vorgeschichte hat – es geht einzig und allein um Musik. Auch die Jury kümmerte sich nur darum, ob jemand gut sang. War das mal nicht der Fall, so wurde der Kandidat trotzdem nicht beschimpft wie in anderen Shows. Ausgerechnet der ehemalige Viva-Chaot Stefan Raab zeigt also im Jahr 2010, wie man im Privatfernsehen eine seriöse Castingshow ohne Trashfaktor inszenieren kann.

Zwar plätscherte die Show anfänglich etwas vor sich hin, sensationelle Kandidaten blieben aus, aber spätestens als die 18-jährige Lena Meyer-Landrut auftrat, wurde wohl jedem Zuschauer bewusst, dass hier durchaus etwas Besonderes passiert. Mit einem völlig unbekannten Song der britischen Soulsängerin Adele brachte sie den Zauber in die Show, der in "DSDS" seit Jahren nicht mehr zu beobachten war: unverfälschtes, nicht glattgebügeltes Talent. Gelingt es Raabs Castingshow, noch weitere Kandidaten auf Lena-Niveau an die Oberfläche zu bringen, so wäre schon viel erreicht. Ob dann beim Eurovision Song Contest tatsächlich ein Top-Ten-Platz herauskommt, wäre dann beinahe schon nebensächlich.

Welche Erkenntnisse hat die erste "Unser Star für Oslo"-Show noch zu Tage gefördert? Marius Müller-Westernhagen überraschte als überaus talentiertes Jury-Mitglied. Die beiden Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel präsentierten – positiv formuliert – unaufgeregt und passend, oder blieben – negativ formuliert – etwas blass. Zudem würde es der Show durchaus gut tun, wenn die Zuschauer einen Tick mehr über die Kandidaten erfahren würden. Der völlige Verzicht auf den Soap-Faktor ist zwar nachvollziehbar, aber die kleinen Einspielfilmchen waren oft einfach zu knapp. Vielleicht wird hier aber noch etwas nachjustiert, sobald die Zahl der Kandidaten zusammenschrumpft.

Als Fazit bleibt: Stefan Raab hat das Fernsehen nicht neu erfunden, mit "Unser Star für Oslo" aber eindeutig gezeigt, dass auch unaufgeregte Castingshows Spaß machen können. Nun muss nur noch das Massenpublikum von der Qualität der Showreihe überzeugt werden.

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