Grimme: „Schwachstelle Unterhaltung“

Am 26. März kürt das Grimme-Institut zum 46sten Mal die zwölf besten deutschen Fernsehproduktionen. Schon jetzt wurden die Nominierungen für den Adolf-Grimme-Preis bekanntgegeben: Zwei "Tatorte" sind darunter und aktuelle Dramen zu den Themen Finanzkrise und Kriegstraumata. Aber auch das "Seewolf"-Remake von Mike Barker und wieder einmal die Harald Schmidt Show. Ein Fazit hat das Grimme-Institut schon jetzt gezogen: "Krimis dominieren bei der Fiktion – Unterhaltung immer noch Schwachstelle."

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Insgesamt wurden 582 Vorschläge in den drei Wettbewerbs-Kategorien Fiktion, Information & Kultur und Unterhaltung eingereicht. Drei Vorauswahl-Kommissionen haben daraus 52 Beiträge ausgewählt.

Bei den Nominierungen im Bereich Fiction fällt auf, wie schwach das private Fernsehen verstreten ist – mit einer einzigen der 20 Produktionen: der Sat.1-FKK-Komödie "Barfuß bis zum Hals". Der Zweiteiler "Vulkan" erhielt eine Spezial-Nominierung für die Tricktechnik.

Gleich zwei "Tatorte" sind vertreten, "Altlasten" vom (SWR) und "Weil sie böse sind" vom Hessischen Rundfunk, der die Grimme-Leute durch die "überragende Schauspielkunst" von Matthias Schweighöfer beeindruckte. Es sind nicht die einzigen Krimis, das Genre hat in diesem Jahr den größten Anteil an den Nominierungen.

Bei den Fernsehspielen gehen unter anderem zwei Filme mit Bezug zu aktuellen Problemen in die Vorauswahl: Das WDR-Film "Frau Böhm sagt nein" über die Skrupellosigkeit der Finanzwelt und das Drama "Nacht vor Augen" (SWR) über einen deutschen Soldaten nach dem Afghanistan-Einsatz. Das vom ZDF produzierte Remake des "Seewolf" hat es überraschend in die Vorauswahl der Mehrteiler und Serien gebracht.

In der Kategorie Information & Kultur übt das Grimme-Institut Kritik: Es gebe keine ausgeprägte Neigung, "mit neuen Ideen und Personen auch zu neuen Programmansätzen zu gelangen. Vieles wirke vorgestanzt, der Rückgriff auf bloße Prominenz in Gesprächsrunden verhindere oft ein Durchdringen des Themas."

Nichtsdestotrotz konnten längere Dokumentarfilme punkten. "Der innere Krieg" (ZDF) gewähre einen besonderen Einblick in "eine wachsende Parallelgesellschaft von amerikanischen Irak-Kriegsveteranen in Deutschland". Unter den 20 Produktionen befindet sich auch "Eisenfresser", eine eindringliche Reportage über die Schiffsabwrackwerften von Bangladesch sowie der Rosa von Praunheim-Film "Meine Mütter", einer "bewegenden Zeitreise und Spurensuche" des Regisseurs nach seinem Ursprung im lettischen Riga.

Im Bereich Unterhaltung hat die Grimme-Kommission weniger Beiträge ins Rennen geschickt, als möglich gewesen wäre. Hier konnte sich aber das Privatfernsehen mit drei der zwölf Beiträge am besten platzieren: "Sido geht wählen", "Broken Comedy" und "Der kleine Mann" (alle ProSieben). Die Filme müssen sich mit "Käpt’n Blaubär" (ARD/WDR) und "Der schwarze Kanal kehrt zurück" (ZDF) messen. Bemerkenswerterweise hält Grimme die Leistung von Harald Schmidt aus dem Jahr 2009 bei der ARD als "gelungene Generalüberholung seiner Late-Night-Show" für nominierungswürdig. Als "alle herkömmlichen Grenzen sprengendes Werk" hat auch das Projekt "24h Berlin – Ein Tag im Leben" von RBB und ARTE gute Chancen, am 26. März in Marl unter den Gewinnern des Grimme-Preises zu sein.

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