Das gebührenfinanzierte PR-Fiasko der GEZ

Mit ihrem mutigen Vorstoß zur Image-Aufbesserung schießt sich die GEZ ins Bein: Das ungeliebte Inkasso-Unternehmen von ARD und ZDF hat ein Online-Forum gestartet, auf dem die Bürger offen ihre Meinung sagen und diskutieren sollten. Die Reaktion lässt nicht auf sich warten: Der Gebühreneinzugszentrale branden jetzt Hohn, Spott und Hass entgegen. Die Flut der Kommentare steigt exponentiell an. Ein Teilnehmer schreibt: "War das nicht von Anfang an klar, dass das hier nur ein Desaster werden kann?"

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Die Kampagne ist Teil des neuen Web-Portals gez-meine-meinung.de, das die Berliner Werbeagentur Media Consulta für die GEZ entwickelt hat. Ziel ist offenbar ein Image-Wandel weg vom ruppigen Geldeintreiber hin zum Dienstleister.

"Die GEZ und das Rundfunkgebührensystem liefern einigen Diskussionsstoff", heißt es diplomatisch einladend auf dem neuen Portal. "Dessen sind wir uns bewusst und diesem Dialog möchten wir uns stellen." Der neue Ton und die unbekannte Offenheit demonstriert die GEZ auf der neuen Seite mit Mitarbeiter-Blogs und mit einem "Experten-Chat", in dem Fragen an die GEZ beantwortet werden.

Die ersten Beiträge des Forums drehten sich noch um das Für-und-Wider des Rundfunkgebührensystems und dessen Gerechtigkeit. So schreibt GernZahler0815, er sei "froh, wenn es die ARD und das ZDF gibt als Bollwerke gegen die Verflachung und für demokratische, volksnahe Information und Unterhaltung." Nach Aussage von Media Consulta handelt es sich durchweg um echte, nicht in Auftrag gegebene Beiträge. Teilnehmer Etum beteiligt sich bereits mit Sarkasmus; er fordert die Ausweitung des GEZ-Modells auf eine allgemeine "Gehalts-Einzugs-Zentrale". Mittlerweile hat die verbale Auseinandersetzung im Forum einen hässlicheren Ton angenommen. "Mit Erpressern und Kriminellen diskutieren? Ich bin gespannt", gehört noch zu den harmloseren Beiträgen. Zahlreiche Beleidigungen und antisemitische Äußerungen mussten gelöscht werden.

"War das nicht von Anfang an klar, dass das hier nur ein Desaster werden kann?", schreibt ein Teilnehmer an die Adresse der GEZ. "Seid ihr wirklich so naiv und glaubt, dass die Leute sich hier bedanken werden?"

Alles sieht danach aus, dass die Online-Offensive der GEZ ihren Kritikern nicht den Wind aus den Segeln nimmt, sondern im Gegenteil den gesamten aufgestauten Ärger auf sich bündelt. In der Vergangenheit haben die Gebühreneintreiber für Unmut in der Bevölkerung gesorgt. Bürger empörten sich über die notorisch rüden Methoden der Quasi-Behörde, über den Ton der Korrespondenz, aber auch über die Höhe der Rundfunkgebühren selbst und den mangelnden Sparwillen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

In jüngerer Zeit hat die GEZ begonnen, mit ungewohnten Mitteln ihr schlechtes Image aufzupolieren und ihr unpopuläres Anliegen mit modernen, witzigen Werbespots der Öffentlichkeit zu vermitteln. Der neueste Versuch, mit einem unkonventionellen Video zu punkten, kommt ebenfalls von Media Consulta. Er zeigt zwei Boxer, die hart gegeneinander kämpfen, bevor sie wie unter Drogen zu einem Wiener Walzer kreisen.

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