AFP schießt gegen ddp-Eigentümer

In der aufgeheizten Stimmung unter den Nachrichtendienstleistern schießt die AFP gegen den ddp zurück. Dessen Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw seien Zusammenhänge "vermutlich nicht bekannt, da sie als Branchenfremde auf diesem Geschäftsfeld noch nicht lange aktiv sind". AFP setzt sich damit gegen den Vorwurf zur Wehr, vom französischen Staat subventioniert zu werden. Die dpa hält sich bislang bedeckt, wird von den ddp-Eignern aber ebenso verdächtigt, alimentiert zu werden.

Anzeige

Löw und Vorderwülbecke mischen eine Branche auf, in der sich die wenigen Unternehmen mit offenen Anfeindungen bisher meist zurückhielten. Als die beiden Millionäre, die sonst mit ihrem Fonds Blue-O angeschlagene Firmen wie Modeketten und Werkstätten aufkaufen und sanieren, sich stärkten und zum Deutschen Depeschendienst (ddp) auch noch den hiesigen Dienst der Associated Press (AP) einverleibten, versprachen sie in der Süddeutschen Zeitung vom 08. Dezember, "dpa verzichtbar machen" und die bisherige "Monopolstruktur auf dem deutschen Agenturmarkt brechen" zu wollen.

Am Tag danach unterstellen sie der dpa vor versammelter Presse offen "sittenwidrige Vertragslaufzeiten mit rechtswidrigen Verlängerungsklauseln". Sie sagten ferner, eine "intransparente und nicht veröffentlichte Subventionsverteilung" führe zur Verzerrung des Wettbewerbs und zu "illegalen Kostenvorteilen für die dpa".

In einem internen Memo kündigte Vorderwülbecke überdies am 29. Januar an, einiges "sowohl in den Medien als auch juristisch offen" angehen zu wollen, das "bisher tabu" sei, darunter die "enorme Subventionierung der AFP". Weiter schrieb er: "Die Subventionierung diese Staatsbetriebes in Frankreich könnte uns ja egal sein, aber da die AFP ihr Staatsgeld von weit über 100 Millionen Euro pro Jahr für Dumping in Deutschland einsetzt, müssen wir uns wehren. […] Ähnlich ist es übrigens auch mit der verdeckten Subventionierung der dpa."

Dem Medienmagazin Journalist (Nr. 02/2010) sagte Vorderwülbecke zudem: "Wir werfen AFP vor, dass sie subventioniert wird. Ein deutscher AFP-Kunde bekommt also den günstigen Preis vom französischen Staat subventioniert. Das ist sicher kein haltbarer Zustand. Wir werden dagegen vorgehen." Der ddp-Eigner deutete an, dafür EU-Recht zu nutzen. Es solle "sicher nicht erlaubt sein, eine Nachrichtenagentur zu subventionieren und dann mit Dumpingpreisen den deutschen Wettbewerb zu beeinflussen."

Die beiden Geschäftsführer des deutschen AFP-Dienstes, Clemens Wortmann und Andreas Krieger, wehren sich nun im Gespräch mit MEEDIA. Sie sagten: "Es gibt keinen Anlass daran zu zweifeln, dass die Nutzung der französischen, englischen oder spanischen Texte des AFP-Mutterhauses durch die deutsche AFP GmbH adäquat honoriert wird." Der deutsche Dienst leiste einen "angemessenen Beitrag". Wie viel sie für die Auswertung der fremdsprachigen AFP-Dienste zahlen, wollten sie aber nicht sagen.

Wortmann und Krieger machten Vorderwülbecke und Löw außerdem unumwunden schwere Vorwürfe. In einer gemeinsamen Stellungnahme verwiesen sie darauf, dass AFP, aber auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa), eine breitere Produktpalette im Angebot hätten als Ex-AP-Deutschland (heute DAPD) und ddp. Neben Text- und Fotodiensten seien das auch Infografiken, animierte Grafiken und Videonachrichten. Wortmann und Krieger: "Diese breite Diversifizierung unserer Angebote hilft, den deutschen Textdienst mit einem günstigen und marktgerechten Preis-Leistungs-Verhältnis im Markt zu halten." Die Textdienste seien "Basisprodukt für weitere AFP-Angebote und werden von diesen querfinanziert".

Zu Vorderwülbecke und Löw sagten die AFP-Chefs: „Das sind Zusammenhänge, die den momentanen Besitzern von ddp und DAPD vermutlich nicht bekannt sind, da sie als Branchenfremde auf diesem Geschäftsfeld noch nicht lange aktiv sind.“ Sie rieten, sich näher mit Fragen der Preisgestaltung zu beschäftigen. Dann würden die ddp-Eigner "die Aussichtslosigkeit einer eventuellen Klage gegen den Wettbewerber AFP in Deutschland erkennen und sich dann vielleicht darauf konzentrieren, die Versäumnisse ihrer Vorbesitzer bei beiden erworbenen Agenturen aufzuholen".

AP und ddp hätten es laut Wortmann und Krieger "über Jahre hinweg versäumt, neben die Basisdienste Text und Foto weitere moderne Angebote zu stellen, die Deckungskostenbeiträge für ihre Unternehmen bringen". Der ddp ist allerding erfolgreich mit speziellen News für Kinder auf dem Markt präsent und hat einen eigenen Infografikdienst gestartet, der allerdings erst Anfang 2010 auf den Markt kam und noch am Anfang steht. Vorderwülbecke und Löw kündigten überdies im Dezember an, mit dem AP-Videoableger APTN, der vor allem Fernsehsender mit Bildern aus aller Welt beliefert, über einen Web-Videodienst für Deutschland zu reden.

Die dpa hält sich derzeit bedeckt und will vorerst nicht auf die neuen Vorwürfe reagieren. Nach den im Dezember erhobenen Vorwürfen schrieben Geschäftsführung und Chefredaktion hingegen im dpa-Intranet: "Alle diese Behauptungen sind falsch, wir weisen die Unterstellungen entschieden zurück und behalten uns rechtliche Schritte vor." Juristen prüfen zudem, ob dpa gegen den Vorwurf der "sittenwidrige Vertragslaufzeiten" vorgehen kann. Der Streit könnte also schon bald Gerichte beschäftigen.

Tatsächlich bekommt auch die dpa Geld von offiziellen Stellen. Aus einem Brief, den die dpa Anfang 2009 an Chefredakteure ihrer Kunden schrieb und der MEEDIA vorliegt, geht hervor, dass "die Kumulation aller unserer Bezugsverträge mit staatlichen Stellen im Gesamtumsatz […] mit einer niedrigen einstelligen Prozentzahl zu Buche schlägt". Das wäre damit zumindest ein Millionen-Betrag. Außerdem sind einige Auslands-Dienste der dpa ursprünglich mit Staatsgeldern angeschoben worden. Diese Praxis liegt indes etliche Jahrzehnte zurück. Den türkischen dpa-Dienst etwa hatte nicht einmal das Bundespresseamt abonniert, was schon allein eine Form der Förderung gewesen wäre. Der Dienst wurde Ende 2009 nach gerade einmal einem Jahr wieder eingestellt, weil er kaum Kunden fand.

Tatsache ist aber auch: Regierungsstellen von Bund und Land abonnieren einzelne Agenturen ebenso wie ausländische Botschaften und Unternehmen, die über die Berichterstattung über sie selbst sowie über Konkurrenten auf dem Laufenden bleiben wollen. Das Bundespresseamt bestätigte MEEDIA etwa, das es folgende Agenturen bezieht: dpa, ddp, AFP (Deutsch und Französisch), Associated Press (Englisch), DAPD, epd, IPS, KNA, Reuters (Deutsch und Englisch) sowie ITAR/TASS.

Die große Frage dabei ist aber: zu welchen Konditionen jeweils? Das wollen weder die Agenturen noch die offiziellen Kunden verraten. Sollte der Streit um mögliche Subventionen vor Gericht gehen oder sich die EU-Kommission damit befassen, dürften diese Zahlen auf den Tisch kommen, die von den Agenturen unisono als Verschlusssache deklariert werden.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige