Grazia: Mit „Easy Chic“ ab durch die Mitte

Klambt klotzt, wo andere kleckern: Mit einer Fünf-Millionen-Euro-Kampagne begleiten die Baden-Badener den Launch des Frauenmagazins Grazia. Eine Woche vor dem offiziellen Start am 11. Februar werden hunderttausende Probehefte an potenzielle Käuferinnen gebracht. MEEDIA hat im Vorab-Exemplar geblättert. Das Konzept erscheint gegenüber der Roadshow-Präsentation im vergangenen November populärer und (noch) mehr auf Massengeschmack getrimmt. Ist "Easy Chic" für urbane Hedonistas die Marktlücke?

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Ende letzten Jahres hieß der neue Klambt-Titel noch Look und sollte laut Chefredakteur Klaus Dahm neben "News & Shoes" auch "harte Reportagen" im Angebot haben. Zumindest den ersten Teil des Produktversprechens löst die Anschmecker-Nummer von Grazia ein. Im 136 Seiten starken Magazin finden sich jede Menge Kauftipps, Trends, Kochrezepte und die Sorte Info-Häppchen, die noch keiner Frauenzeitschrift geschadet haben. Damit bringt Grazia ein Kauf- und Leseargument mit, das der furios gescheiterten, kulturlastigen wöchentlichen Vanity Fair 2007 zum Verhängnis geworden war: der simple Nutzwert, der immer noch ein entscheidender Kaufanreiz für ein Women’s Weekly ist. Wer in Grazia blättert, kann mitreden, wenn es um Highheels, Fashion-Trends und Hollywood-Gossip geht.

Das People-Thema der Woche

Der Aufmacher zu einer Mode-Strecke

Dies allein würde allerdings kaum ausreichen, einen sicheren Platz auf dem übervollen Markt der Frauenmagazine zu erobern. Grazia probiert’s auf ihre Weise: Für die krawallige Häme und den Cellulite-Zynismus einer InTouch gibt sich Klambts junge Dame nicht her – die Stars werden nicht hofiert, aber auch nicht niedergemacht. Auf der anderen Seite blättert sich das großformatige Heft, ohne dass der Leserin allzu viel abverlangt wird. Tod, Leid und Aufreger werden zwar nicht ausgeblendet, färben den Easy Going-Gesamteindruck aber auch nicht über Gebühr ein. Hier wird sich das Magazin in den nächsten Wochen und Monaten entscheiden müssen, wie viel Tiefgang das Konzept ermöglicht beziehungsweise aushält.

Der Aufmacher zur zweiten Modestrecke

Im handwerklichen Bereich leistet die routinierte Redaktion ordentliche Arbeit: Das Layout ist klar und mit poppigen Farben wie Gelb und Rot frischer als bei einigen älteren Konkurrenten. Die Modestrecken wirken sehr hochwertig und könnten als Heftelement vor allem den Condé Nast-Titeln Glamour und Vogue sowie Burdas Instyle Leserinnen abspenstig machen. Etwas feiner würde man sich vielleicht das arg knallige Cover wünschen. Auch dass Sarah Jessica Parker beim Probeheft für die Titelstory herhalten muss, verdient nicht gerade einen Innovations-Preis.

Homestory bei der Drehbuchautorin Dorte Høgh

Der Themenmix insgesamt ist eher konservativ und entspricht dem, was auch anderswo im Angebot ist. Nicht so gemein wie die einen (InTouch, Life & Style), aber jünger und nutzwertiger als die anderen (Bunte, Gala) – ab durch die Mitte ist das Erfolgsrezept bei Klambt. Neu erfunden wurde das Frauenmagazin am Hamburger Gänsemarkt nicht, aber am Ende macht’s vielleicht der richtige Mix.

Interview mit Guy Richtie

Metropolies: Der neue Event-Guide

Die Verbreitung einer Gratis-Grazia in hoher Auflage an 350.000 affine Haushalte und Kunden der Drogeriekette Douglas könnte sich als smarter Schachzug erweisen. Denn so macht Klambt das Magazin bekannt und umgeht gleichzeitig das Vanity Fair-Problem: Condé Nast brachte sein Premium-Magazin zum Einführungspreis von einem Euro und kam vom Dumpingpreis nicht mehr recht herunter. Ab Donnerstag kommender Woche liegt das Magazin für 2 Euro am Kiosk, und auch mit der Resonanz am Anzeigenmarkt scheint man bei Klambt recht zufrieden zu sein. Der wohl mutigste Launch seit Jahren ist nun unumkehrbar. Wie das Experiment ausgeht, wird für die ganze Branche wegweisend sein.
Die ersten Reaktionen der Verlagskonkurrenz sind anerkennend. Klambt habe mit Grazia einen Titel konzipiert, der den Markt aufmischen könne, heißt es. Zudem sei die Tatsache, dass das Magazin des Mailänder Medienhauses Montadori als Lizenztitel in mehr als einem Dutzend Länder erscheint, vor allem für den internationalen Anzeigenmarkt ein Pluspunkt. Zahlreiche Premium-Kampagnen sind bereits in der Startausgabe vertreten, die mehr als 30 Anzeigenseiten aufweist.

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