Gerüchte, Gadgets und Gefrage

Google will zwar nicht "evil" sein, aber mit der Verschenk-Aktion von Nexus-One-Handys beim DLD weckte der Konzern ungute Charakterzüge bei manchen Zeitgenossen. Nicht zuletzt bei anwesenden Medienvertretern. Einen Tag später richteten sich alle Augen dann auf Apples neues iPad. Das manager magazin stellte ein Wochen altes Interview mit Mathias Döpfner online, bei dem die Fragen aufschlussreicher sind als die Antworten und in Hamburger Kreisen übt man sich mal wieder in Gruner + Jahr-Gerüchten.

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Die Hysterie um Gratis-Google-Handys bei Burdas DLD am Dienstag förderte mal wieder das ganz Ursprüngliche im Menschen zutage. Auch in manchem Vertreter der Medienzunft erwachte die Gier nach dem geschenkten Gadget. Ein Kollege bettelte trotz vorab freigiebig verteilter Testgeräte einen Google-Mitarbeiter um ein Gratis-Gerät an – vergeblich. Ein Redaktionsleiter telefonierte hektisch, um zu erfahren, ob man auch mit dem "blauen Badge" (die blauen Schilder waren für die Presse reserviert) auch ein Gratis-Handy bekomme. Dabei könnte sich wahrscheinlich jeder der Anwesenden auf dem DLD, Medienvertreter eingeschlossen, ohne Probleme ein Nexus One von ihrem Gehalt oder Honorar leisten. Das iPhone, mit dem fast alle dort rumliefen, konnte man ja auch bezahlen.

Einen Tag später war das Google-Handy Schnee von gestern, denn Apple stellte den von Medien-Unternehmen sehnsüchtig erwarteten iPad vor. Dabei zeigte sich, wie schwer es Apple mittlerweile fällt, die überhöhten Erwartungen der Technik-Fans noch zu erfüllen. Wie jetzt? Keine Kamera, kein Flash, kein sündhaft teures OLED-Display? Seit der sensationellen Einführung des iPhone hat Apple die Latte für neue Produkte selbst für sich zu hoch gehängt. Dabei hat das iPad das Potential eine wirklich neue Geräteklasse zu begründen: den Freizeit-Computer. Die Reaktionen der Medien-Manager fielen denn auch durchweg freundlicher aus, als die der Tech-Front.

Das manager magazin hat mit Springer-Chef Mathias Döpfner für Ausgabe 1/2010 ein Interview geführt, das jetzt auch online gestellt wurde. Grundstürzendes erzählt Döpfner auch in der längeren Online-Fassung nicht, aber bemerkenswert sind vor allem die Fragen, die der Medien-Experte des manager magazins, Klaus Boldt stellte. O-Ton Boldt: "Wird der Nachrichtenhandel eines Tages überall so enden: in Elend und Verzweiflung?", "Kann man von US-Medienmanagern, die ja nicht zu den hellsten der Gilde gehören, überhaupt etwas lernen?", "Die wirre Strategie der New York Times Company ist ein Klassiker für alles, was man heute falsch machen kann.", "Hat die Zeitung als Idee ausgedient, oder haben nicht vielmehr die Verlage und ihre Manager versagt?", "Überall herrschen Kummer und Knauserei.", "Einiges spricht für die Vermutung, dass die Verleger ihr eigenes Geschäft nicht so beherrschen, wie sie es sollten.", "Leidenschaft scheint doch eher den Verlegern zu fehlen, die alle von Marketing schwatzen statt von Publizistik.", "Auch Springer verschleudert in großem Stil journalistische Leistungen. Was hat Sie zu diesem Unsinn bewegt?", "Man muss kein Hellseher sein, um ein großes Sterben unter vielen kleinen und mittelgroßen Verlagen vorauszusehen..". Das Interview trägt die Überschrift "Die Lust am Untergang". Ob der Autor damit sich auch selbst meint?

Gerade gibt es in Hamburg mal wieder Gerüchte über einen möglichen G+J-Verkauf. Bitte nicht falsch verstehen: Es soll keinesfalls behauptet werden, dass da vielleicht etwas dran ist und G+J in Kürze an irgendwen verkauft wird. Aber geredet wird wieder drüber. Es scheint eine nicht zu stillende Lust innerhalb der Branche zu sein, solche Szenarien im Kopf und auf der Zunge mit sich herumzutragen. Was kann dies sein, außer einem Zeichen für eine tief sitzende Verunsicherung?
Na, ja, weghören kann man dann auch nicht, wenn so vernehmbar getuschelt wird. Diesmal geht die Verkaufsgeschichte so: Der italienische Medienkonzern Mondadori, übrigens im Besitz von Silvio Berlusconi, kauft den Traditionsverlag am Baumwall von Bertelsmann. Oder auch: Die Gütersloher behalten Vertrieb und den Corporate-Sektor und lösen diesen vom Zeitschriftengeschäft, das der Mailänder Verlag je nach Quelle entweder allein oder gemeinsam mit der Familie Jahr weiterführen wird. So ist es halt mit den seit Jahren grassierenden Verkaufsgerüchten: Der immer gleiche Kern wird stets neu interpretiert und ausgeschmückt. Das schafft Aufmerksamkeit und rief in dieser Woche ein halbes Dutzend Enthüllungsjournalisten auf den Plan. Vielleicht probieren es die Beteiligten ja mal mit einem klaren Dementi. Das schafft Ruhe – für eine Weile.
Update:
Tobias Riepe, stellvertretender Leiter der Bertelsmann-Pressestelle sendete uns diese Stellungnahme: "Alle Spekulationen oder Planspiele, dass sich Bertelsmann von seinem Engagement bei Gruner + Jahr trennen könnte, entbehren jeder Grundlage. Sie dürfen das als hartes Dementi verstehen."

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