Amazon „kapituliert“ vor Macmillan-Verlag

Im Streit mit dem großen US-Verlag Macmillan lenkt Amazon überraschend ein. Der Online-Handelsgigant erklärt in einer Mitteilung, sich den Preisforderungen von 12,99 bis 14,99 Dollar pro eBook zu fügen. Allerdings lässt der Wortlaut keinen Zweifel daran, dass die Amazon-Führung die Beträge für weit überzogen hält. Das Monopol, das Macmillan auf seine Titel besitzt, habe den Händler schlicht zur Kapitulation gezwungen. Zuvor hatte Amazon vorübergehend sämtliche Produkte des Macmillan-Verlags aus dem Sortiment genommen.

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"Wir haben unsere Meinungsverschiedenheit und deren Ernsthaftigkeit zum Ausdruck gebracht, indem wir vorübergehend den Verkauf aller Macmillan-Titel eingestellt haben", heißt es in der Amazon-Erklärung. Aber "…wir müssen kapitulieren und uns Macmillans Bedingungen fügen, weil Macmillan das Monopol auf seine eigenen Titel hat und diese wollen wir Ihnen auch zu Preisen anbieten, die wir für unnötig hoch für eBooks halten."

Die Hintergründe dieser Auseinandersetzung schildert unter anderem die New York Times: Macmillan, eine Tochter des deutschen Holtzbrinck-Konzerns und ein Partner von Apples neuem iBook-Store, wollte bei Amazon schon länger eine Anhebung des Preises für eBook-Ausgaben von knapp 10 auf etwa 15 Dollar durchsetzen, das Druckmittel war dabei der neue Marktteilnehmer Apple und dessen iPad als Lesegerät: Während Apple seinen Partnern 70 Prozent des Erlöses gewährt und 30 Prozent einbehält, ist das Verhältnis bei Amazon dem Vernehmen nach umgekehrt.

Ein Kompromissvorschlag der Holtzbrinck-Manager führte zu der radikalen Aussperrung: Die Titel verschwanden zunächst aus dem Sortiment für Amazons eigenen Reader Kindle, später auch aus dem Online-Versandprogramm.

Der CEO von Macmillan, John Sargent, schaltete daraufhin im Publishers Lunch eine ganzseitige Anzeige, um seine Motive zu erklären. Er bedauere, dass Amazon die Bücher aus dem Angebot genommen habe. Amazon sei ein wertvoller Kunde gewesen und er hoffe, dass sich diese Zusammenarbeit in naher Zukunft fortsetzen werde.

Damit kommt es vorerst nicht zum "großen eBook-Krieg", dessen Ausbruch Branchendienste wie Mashable ausriefen. Dennoch befürchten Marktbeobachter für die Zukunft einen Preiskampf, der nicht unbedingt dem Leser zugute kommen würde. Amazons Kindle verkaufte sich unter anderem wegen des relativ niedrigen Preises für elektronische Bücher sehr gut, offensichtlich aber auf Kosten der Margen für die Verlage. Apple, für dessen iPad die Bücher nur eines von vielen Verkaufsargumenten ist, kann den Verlegern bessere Konditionen bieten, unter anderem eine weitgehend freie Verfügung über den Preis. Der dürfte sich bei aktuellen Bestsellern dann eher in der Nähe der Hardcover-Ausgaben bewegen als bei 10 Dollar.
Nicht nur Buchverlage werden den Konflikt gespannt verfolgen: Schließlich setzen auch journalistische Anbieter große Hoffnungen auf das iPad als neue Plattform für bezahlte Inhalte. Der Verbreiter, also Apple und alsbald etliche Mitbewerber, will in jedem Fall mitbezahlt werden.

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